Wind- und Solarenergie haben für viele Investoren an Strahlkraft verloren - zu recht? / Foto: imago images, Andreas Berheide

  Nachhaltige Aktien, Fonds / ETF

Sind Erneuerbare Energien keine gute Geldanlageidee mehr?

Viele Aktien und Fonds, die auf Erneuerbare Energien setzen, haben in den letzten Monaten deutlich an Wert verloren. Sollten Anlegerinnen und Anleger künftig lieber die Finger von diesen Papieren lassen? Oder bieten sich jetzt nach den Kurseinbrüchen Kaufgelegenheiten? ECOreporter schaut genauer hin.

Die Zahlen sind ernüchternd: Der tiefgrüne Fonds Erste (WWF) Stock Environment, seit Jahren ein Liebling der ECOreporter-Leserschaft, hat in den letzten zwölf Monaten ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Der green benefit Global Impact Fund gab auf Jahressicht sogar 45 Prozent ab, der LSF Active Solar 44 Prozent (mehr zu den Kursentwicklungen aller von ECOreporter getesteten nachhaltigen Fonds finden Sie hier).

Diese Fonds sind besonders stark in Aktien von Wind-, Solar- und teils auch Wasserstoffunternehmen investiert. Und die gehören zu den großen Verlierern der letzten beiden Börsenjahre. Selbst der dänische Energieriese Orsted, Windkraftweltmeister und eines der wichtigsten Unternehmen für die Klimawende, hat seit November 2022 mehr als die Hälfte seines Börsenwertes verloren.

Verständlich, dass Anlegerinnen und Anleger jetzt an ihren Investments zweifeln und darüber nachdenken, nachhaltige Energiepapiere aus ihrem Depot zu schmeißen. Sind Ökostrom und grüne Wärme aus Renditesicht vielleicht doch nicht die großen Zukunftsthemen?

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Viel Nachfrage, wenig Gewinn

Ein Blick auf die Erneuerbare-Energien-Branche scheint dies zu bestätigen. Viele Unternehmen können sich zwar vor Aufträgen kaum retten, weil weltweit immer mehr Windräder, Solaranlagen und Wasserstoffgeneratoren gebraucht werden. Aber die Gewinnmargen sind häufig sehr niedrig, manchmal auch negativ.

Der kanadische Konzern Canadian Solar etwa lieferte im letzten Quartal fast 40 Prozent mehr Solarmodule aus als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank aber um 4 Prozent, weil die Modulpreise in den Keller gegangen sind. Und da höhere Absatzzahlen auch höhere Kosten bedeuten, brach der Gewinn um mehr als 70 Prozent ein.

Ähnliche Margenprobleme haben auch andere Solarunternehmen, darunter einstige Börsenlieblinge wie Enphase Energy oder SolarEdge. Staatlich subventionierte Billiganbieter aus China fluten den Markt mit ihren Produkten, gleichzeitig sind mit der Inflation Löhne und Materialkosten gestiegen.

Kreditzinsen haben sich verfünffacht

Und die hohen Leitzinsen machen die Finanzierung erheblich teuer. Im August 2019 mussten deutsche Unternehmen für fünfjährige Bankkredite im Schnitt nur etwa 0,9 Prozent Zinsen pro Jahr zahlen. Vier Jahre später sind es 4,8 Prozent. Das trifft die Erneuerbare-Energien-Branche härter als andere, denn viele Firmen sind noch jung und haben kein dickes Finanzpolster wie etwa die Ölmultis, die seit Jahrzehnten kaum etwas anderes machen, als immer mehr Geld zu scheffeln.


Auch Vorzeigeunternehmen wie Orsted haben derzeit Probleme. / Foto: Orsted

Windkraftunternehmen geht es derzeit meist noch schlechter als Solarfirmen. Sie brauchen höhere Kredite, haben Probleme mit viel zu langen Genehmigungsverfahren und klagenden Anwohnern oder leiden darunter, dass es zu wenig Installationsschiffe für Windparks auf hoher See gibt. Orsted hat deswegen zuletzt zwei große Windparkprojekte vor der Küste der USA gestrichen und mehrere Milliarden Euro sprichwörtlich in den Wind geschrieben. Stetig steigende Kosten hätten die Projekte so sehr verteuert, dass sie sich mit den aktuell absehbaren Verzögerungen nicht mehr rechneten. Und höhere Verkaufspreise wollte die US-Politik nicht akzeptieren – trotz des gigantischen Inflation Reduction Act (IRA), mit dem die Biden-Regierung den Ausbau regenerativer Energien fördert.

Ähnliche Schwierigkeiten haben Windradbauer wie Vestas oder Nordex. Die aktuellen Verkaufspreise für ihre Windturbinen sind teils schon seit Jahren vertraglich festgeschrieben, und jetzt explodieren die Kosten, während gestörte Lieferketten, etwa bei Stahl, die Produktion verzögern. Attraktive Gewinne sind hier derzeit selbst mit vorausschauender Planung kaum möglich.

Ökostrom ist unschlagbar günstig

Aber das ist nur die eine Seite der Klimawende-Medaille. Denn grundsätzlich bleiben Erneuerbare Energien ein Wachstumsmarkt. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die Installationszahlen grüner Kraftwerke in den nächsten Jahren weiter stark steigen werden – nicht nur wegen der Klimaziele vieler Länder, sondern auch weil Wind- und Solarstrom mittlerweile schlicht günstiger ist als Strom aus neuen fossilen Kraftwerken. Und die Nullzinsphase ist zwar vorbei, die Kreditzinsen dürften aber kaum noch weiter steigen, da die Leitzinsen ihren Höhepunkt wahrscheinlich weitestgehend erreicht haben.

Hinzu kommt: Viele Unternehmen sind in der aktuellen Krise effizienter geworden, haben ihre Beschaffungsstrategien verbessert und ihre Verkaufspreise angehoben. Dazu kommt politischer Rückenwind, etwa für die europäische Windbranche. Bei Firmen, die hochwertige Produkte anbieten und vernünftig wirtschaften, stehen die Chancen gut, dass die Ergebnisse künftig wieder deutlich besser ausfallen werden – und die Aktienkurse steigen. Die Nachfrage nach regenerativer Energie wird hoch bleiben, wichtig sind jetzt robuste Kalkulationen und langfristige Planungen.

Kurskorrekturen auf hohem Niveau


Die Aktie des Solarwechselrichter-Herstellers SolarEdge war lange zu teuer. Mittlerweile ist sie wieder vertretbar bewertet. / Foto: SolarEdge

Was in der Diskussion um die Kurseinbrüche bei grünen Aktien und Fonds häufig vergessen wird: Vor den hohen Verlusten waren viele Kurse stark gestiegen, weil die Unternehmen in Zeiten günstiger Kredite und teils sehr hoher Energiepreise Rekordgewinne erzielten. Zudem waren Erneuerbare Energien vor dem Ukraine-Krieg und der damit einhergehenden Versorgungskrise ein beliebtes Investment-Thema, auch bei einflussreichen institutionellen Anlegern. In der Folge gewannen viele Aktien so stark an Wert, dass sie irgendwann klar überteuert waren. Die Kursverluste der jüngeren Vergangenheit sind zum Teil auch Reaktionen auf diese Überbewertungen, viele Aktien erscheinen mittlerweile wieder deutlich angemessener bewertet.

Und auf lange Sicht können sich Anlegerinnen und Anleger oft weiterhin über gute Renditen freuen. Die eingangs erwähnten Fonds green benefit und LSF Active Solar beispielsweise notieren auf fünf Jahre gesehen nach wie vor mehr als 100 Prozent im Plus und sind damit um einiges besser gelaufen als der Gesamtmarkt.

Was also jetzt tun?

ECOreporter rät davon ab, Aktien oder Fonds nur deshalb zu verkaufen, weil sie sich in den letzten Monaten nicht gut entwickelt haben. Wer an der Börse nachhaltig investiert, sollte dies grundsätzlich mit einem langen Anlagehorizont tun. Bei Fonds empfiehlt die Redaktion meist eine Haltedauer von sieben, zehn oder besser noch mehr Jahren. Breit gestreute Fonds- und Aktien-Portfolios haben in der Vergangenheit auf lange Sicht fast immer positive Renditen gebracht und waren erfolgreicher als andere Geldanlagen. Dazu gehört aber auch, schlechte Phasen auszusitzen und sich von zwischenzeitlich roten Zahlen nicht verrückt machen zu lassen (Sparpläne können die Gefahr von Panikverkäufen senken).

Allerdings heißt das nicht, dass Sie schlechte Erneuerbare-Energien-Aktien (oder schlecht zusammengestellte Fonds) mit durchschleppen sollten. Unternehmen, die schon in der Niedrigzinsphase Margenprobleme hatten, werden auch in den nächsten Jahren vermutlich keine soliden Gewinne erzielen. Und bei Firmen, die ihre Wind- oder Solarparks vor allem in politisch instabilen Ländern errichten, dürften die Geschäftsrisiken eher zu- als abnehmen. Vorsichtig sollten Sie auch sein, wenn Unternehmen hoch verschuldet sind – steigende Finanzierungskosten stellen grüne Energiefirmen bereits jetzt vor große Herausforderungen.

Von welchen Aktien Sie eher die Finger lassen sollten, sagt Ihnen ECOreporter in seinen täglichen Meldungen und in den ausführlichen Überblicken zu Windaktien, Solaraktien und Wasserstoffaktien. Und wir teilen auch mit, wenn wir bei aussichtsreichen Unternehmen nach Kursrücksetzern Kaufgelegenheiten sehen.

Bei Fonds-Investments bitte beachten: Erneuerbare-Energien-Fonds sind wegen ihrer geringen thematischen Streuung besonders anfällig für starke Kursschwankungen. ECOreporter empfiehlt diese Fonds nicht als Basisanlage für Ihr Depot – Energie-Fonds eignen sich eher als grüne Beimischung. Solide nachhaltige Basisanlagen finden Sie hier.

Und abschließend – auch wenn es weiter oben schon gesagt wurde – noch einmal der wichtigste Anlagegrundsatz, gerade in einer zukunftsträchtigen Branche wie den Erneuerbaren Energien: Bleiben Sie lange investiert – dadurch dürften Ihre Chancen auf gute Renditen deutlich steigen.

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