Enertrag bietet zwei neue nachhaltige Anleihen an. / Foto: Enertrag SE

  Anleihen / AIF, ECOanlagecheck, Windenergie-Investments, Solarenergie-Investments

Unabhängige Analyse: Anleihen Enertrag FestZins 2033 und Enertrag FestZins 2035

Die Enertrag SE entwickelt zahlreiche Projekte in den Bereichen Windenergie, Solarenergie, grüner Wasserstoff und Batteriespeicher. Das Unternehmen hat zudem mittelbar mehrere hundert bestehende Energieanlagen, hauptsächlich Windkraftanlagen in Deutschland, im Eigenbestand und in der Betriebsführung. Die angebotenen Anleihen sollen das von Enertrag geplante Wachstum mitfinanzieren und bieten einen Zinssatz von 5,25 Prozent (Enertrag FestZins 2033) und 5,75 Prozent (Enertrag FestZins 2035) pro Jahr. Anlegerinnen und Anleger können die nachhaltigen Anleihen ab 3.000 Euro zeichnen. ECOreporter analysiert das Angebot.

Die 1998 gegründete Enertrag SE aus Brandenburg hat bislang Windenergieanlagen mit einer Gesamtnennleistung von mehr als 1.800 Megawatt (MW) in Deutschland, Frankreich und Polen errichtet. Inzwischen hat das Unternehmen auch seine ersten drei Solarprojekte mit einer Leistung von insgesamt 53 MW und Batteriespeicher in Betrieb genommen.

Umfangreiche Projektpipeline

Zum Geschäftsjahresende 2024/2025 hat Enertrag ein Portfolio an Wind-, Solar- und Wasserstoffprojekten von zusammen rund 36.200 MW (36,2 Gigawatt) weltweit in Planung und Entwicklung, davon sind 6,3 GW bereits genehmigt. Bei den diesjährigen Ausschreibungen der Bundesnetzagentur erhielten Enertrag-Gesellschaften Zuschläge für zehn Windenenergieprojekte mit ca. 350 MW Nennleistung, die überwiegend innerhalb der nächsten zwei Jahre realisiert werden sollen.

Das Emissionsvolumen der Anleihen Enertrag FestZins 2033 (Tranche A) und Enertrag FestZins 2035 (Tranche B) beträgt jeweils bis zu 8 Millionen Euro. Zudem ist eine Aufstockung auf jeweils bis zu 16 Millionen Euro möglich. Die Laufzeit beträgt bei der Tranche A acht Jahre und bei der Tranche B zehn Jahre. Abgesehen vom Zinssatz und der Laufzeit bestehen zwischen den beiden Tranchen laut Prospekt keine Unterschiede. Die Emittentin kann die Schuldverschreibungen mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende eines Quartals zur vorzeitigen teilweisen oder vollständigen Rückzahlung ordentlich kündigen. Laut Prospekt ist geplant, dass die Anleihen innerhalb von vier Monaten nach dem Ende der Zeichnungsphase in den Freiverkehr an der Börse Düsseldorf einbezogen werden.

Unternehmensprofil Enertrag SE

Die 1998 als AG gegründete Emittentin der Anleihen hat ihren Sitz in Dauerthal in der Gemeinde Schenkenberg in Brandenburg. Anfang 2022 erfolgte die formwechselnde Umwandlung in eine Europäische Gesellschaft (SE, Societas Europaea). Für die Enertrag SE gilt laut Wertpapierprospekt vom 14. November 2025 das Recht der Bundesrepublik Deutschland.

Alleinaktionärin der Emittentin ist die Uckerwerk Energietechnik GmbH aus Dauerthal. Deren geschäftsführender Gesellschafter mit einem Anteil von 51 Prozent ist Jörg Müller (Jahrgang 1964), Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Emittentin. Es wird laut Prospekt derzeit geprüft, die Beteiligung von Jörg Müller an der Uckerwerk Energietechnik GmbH zum Teil oder vollständig auf eine Stiftung zu übertragen, zu deren Stiftungsvorständen neben Jörg Müller unter anderem auch dessen Ehefrau Ute Müller ernannt werden sollen. Dadurch soll laut Prospekt die Unternehmensnachfolge transparent und langfristig geregelt werden, was zur stabilen und nachhaltigen Fortführung des Unternehmens beitragen soll.


Der Vorstand der Enertrag SE (v.l.n.r.): Simon Hagedorn, Dr. Gunar Hering (Vorsitzender), Dr. Anne Bendzulla, Dr. Tobias Bischof-Niemz. / Foto: Enertrag SE, Jewgeni Roppel

Mitglieder des Vorstands der Emittentin sind Dr. Gunar Hering (Vorsitzender, Jahrgang 1972), Simon Hagedorn (Jahrgang 1984), Dr. Tobias Bischof-Niemz (Jahrgang 1976) und Dr. Anne Bendzulla (Jahrgang 1982). Die drei Erstgenannten sind bereits acht bis zwölf Jahre in leitenden Funktionen bei der Emittentin tätig. Dr. Gunar Hering ist auch bereit seit 2014 Vorstandsmitglied. Seit 2025 neu im Vorstand der Enertrag SE ist Dr. Anne Bendzulla, die zuvor leitende Positionen bei ThyssenKrupp und RWE Renewables innehatte.

Die Emittentin hält zum Datum des Prospektes direkt und indirekt Geschäftsanteile an insgesamt elf operativ tätigen Gesellschaften. Diese sind insbesondere in den Bereichen technische und kaufmännische Betriebsführung, Instandhaltung und Servicedienstleistungen, Netzbetrieb sowie Herstellung und Installation von Befeuerungs- und Radartechnik für Erneuerbare-Energien-Projekte tätig. Die Planung, Entwicklung und Realisierung neuer Erneuerbare-Energien-Vorhaben erfolgt dagegen überwiegend durch die Emittentin selbst, bei der auch ein Großteil des Personals im In- und Ausland angestellt ist. 

Zum 31. März 2025 zählt der Konzern der Uckerwerk Energietechnik GmbH 1.186 Beschäftigte (31. März 2024: 1.058), davon 123 (Vorjahr 120) in Frankreich angestellt. Auf die Emittentin entfallen zum 31. März 2025 787 Beschäftigte (31. März 2024: 679), davon 116 (Vorjahr 112) in Frankreich angestellt. Der Anstieg bei den Beschäftigten ging laut Prospekt im Wesentlichen auf den Aufbau der Projektentwicklung und der Verwaltung zurück.

Geschäftszahlen

Das Grundkapital der nicht börsennotierten Enertrag SE beträgt 5,8 Millionen Euro. Das Eigenkapital der Emittentin lag laut geprüftem Jahresabschluss zum 31. März 2025 bei rund 314 Millionen Euro (davon rund 306 Millionen Euro Bilanzgewinn). Die Eigenkapitalquote des Unternehmens war infolge hoher Jahresüberschüsse von rund 57 Prozent (zum 31. März 2022) auf rund 72 Prozent zum 31. März 2024 gestiegen. Im Geschäftsjahr 2024/2025 (1. April bis 31. März) verzeichnete die Emittentin ebenfalls einen Jahresüberschuss (rund 25 Millionen Euro), erhielt aber auch ein Bankdarlehen über 120 Millionen Euro. Dieses Darlehen ist laut Prospekt unbesichert, endfällig und hat eine Laufzeit bis zum 8. Mai 2029. Aufgrund der neuen Verbindlichkeiten hat sich die Bilanzsumme der Emittentin erhöht und die Eigenkapitalquote auf rund 54 Prozent zum 31. März 2025 verringert.

Das Darlehen über 120 Millionen Euro wurde laut Prospekt für allgemeine Unternehmenszwecke, insbesondere für die Finanzierung von Projekten im Bereich Windenergie, Solar und Wasserstoff, zur Verfügung gestellt. Für eine weitere externe Finanzierungsaufnahme prüft die Emittentin laut Prospekt derzeit die Möglichkeiten der Ausgabe neuer Aktien in Höhe von bis zu 33 Prozent des Grundkapitals. Neue Aktien können grundsätzlich unter anderem Bestandsgesellschaftern, im Rahmen eines öffentlichen Angebots oder institutionellen Anlegern angeboten werden. Nach Aussage der Emittentin werden bei einer Kapitalerhöhung neue Aktien tendenziell eher ausgewählten institutionellen Anlegern oder Finanzinvestoren mit einem ähnlichen Fokus wie Enertrag angeboten, dieses stehe aber noch nicht endgültig fest.


Enertrag hat bislang vor allem Windräder errichtet, installiert mittlerweile aber auch Solarparks und Batteriespeicher. / Foto: Enertrag SE

Neben der aktuellen Anleihenemission mit einem Volumen von bis zu 16 Millionen Euro bzw. bei Aufstockung von bis zu 32 Millionen Euro besteht für die Emittentin auch die Möglichkeit, sich und ihre neuen Projekte teilweise über weitere Jahresüberschüsse zu finanzieren. Im Lagebericht des Geschäftsjahres 2024/2025 (vom 8. Juli 2025) wird für das Geschäftsjahr 2025/2026 ein Jahresüberschuss von ca. 92 Millionen Euro bei einem Umsatz von ca. 550 Millionen Euro prognostiziert.

Im Geschäftsjahr 2024/2025 lag der Umsatz aufgrund von Verzögerungen von Projekten in Deutschland mit rund 181,5 Millionen Euro unter dem ursprünglichen Plan (234,1 Millionen Euro). Die Umsatzerlöse der Emittentin basieren im Wesentlichen (ca. 87 Prozent in 2024/2025) auf Projektentwicklungs- und Generalübernehmerleistungen im Rahmen der Errichtung von Energieanlagen. Vom Umsatz im Geschäftsjahr 2024/2025 wurden laut Jahresabschluss-Anhang insgesamt rund 141,5 Millionen Euro in Deutschland und rund 40 Millionen Euro in Frankreich realisiert.

Konzernprofil Uckerwerk Energietechnik

Die Enertrag SE hält viele von ihr in Deutschland errichtete Windenergieanlagen über Tochtergesellschaften im Eigenbestand. Dabei handelt es sich nach Angaben der Emittentin zum 31. März 2025 um Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen an insgesamt 435 Energieanlagen mit zusammen 958 MW Nennleistung. Zudem hält die Enertrag SE 100 Prozent der Anteile an der Enertrag Betrieb GmbH, die nach Angaben der Emittentin 1.124 Energieerzeugungsanlagen (Stand: 31. März 2025) in der technischen Betriebsführung hat. Bei 510 dieser Anlagen handelt es sich den Angaben nach um externe Energieanlagen, die nicht zum Konzern gehören.

Die Umsatzerlöse aus den Bereichen Stromverkauf und technische Betriebsführung sind überwiegend nicht im Einzel-Jahresabschluss der Emittentin verbucht, sondern entstehen bei ihren Tochtergesellschaften und sind im Konzern-Jahresabschluss der Uckerwerk Energietechnik GmbH (Muttergesellschaft der Emittentin) enthalten. Die Emittentin und ihre Tochtergesellschaften sind zwar der Hauptbestandteil des Uckerwerk Energietechnik Konzern, dieser hat aber noch weitere Gesellschaften. Daher sind beispielsweise die Umsatzerlöse des Konzerns nicht vollständig der Unternehmensgruppe der Emittentin zuzurechnen. Der Konzern hat gemäß den Angaben in seinem Konzernabschluss-Anhang für das Geschäftsjahr 2024/2025 (1. April bis 31. März) Umsatzerlöse von rund 292 Millionen Euro erwirtschaftet. Von diesen entfielen 150 Millionen Euro auf den Verkauf von Energie, 109 Millionen Euro auf den Verkauf von Projekten und 34 Millionen Euro auf Dienstleistungen und sonstige Erlöse (insbesondere aus dem Bereich Service und Instandhaltung von Windkraftanlagen). 

Die Umsatzerlöse des Konzerns in 2024/2025 wurden überwiegend in Deutschland (247 Millionen Euro) und Frankreich (45 Millionen Euro) erzielt. Die Erlöse aus der Energieerzeugung verringerten sich hauptsächlich aufgrund eines sehr windschwachen ersten Quartals 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent. Da zudem der Personalaufwand im Jahresvergleich um 21 Prozent stieg, wurde in 2024/2025 ein Konzernjahresfehlbetrag von 6,1 Millionen Euro verzeichnet.


Wasserstoff-Elektrolyseanlage von Enertrag in Osterwedding. / Foto: Enertrag SE

Mit den Umsatzerlösen aus dem Stromverkauf bedienen die jeweiligen Windpark-Betreibergesellschaften des Konzerns vorrangig ihre (besicherten) Bankdarlehen und bezahlen unter anderem die Vergütungen für Pacht, Wartung und Betriebsführung. Windpark-Betreibergesellschaften finanzieren sich in der Regel hauptsächlich mit langfristigem Fremdkapital, sodass die Eigenkapitalquote des Konzerns Uckerwerk Energietechnik GmbH zum 31. März 2025 mit rund 18 Prozent (Vorjahr: 21 Prozent) geringer ist als die der Emittentin mit rund 54 Prozent.

Das Anlagevermögen des Konzerns (725 Millionen Euro zum 31. März 2025) besteht zu 93 Prozent aus Sachanlagen. Dabei handelt es sich überwiegend um Energieerzeugungsanlagen, die innerhalb des Konzerns entwickelt und realisiert wurden und mit Konzernanschaffungskosten angesetzt werden. Die Buchwerte der Projekte sind daher in der Regel niedriger als ihre Marktwerte, die bei einem externen Verkauf realisiert werden könnten. Durch die Eliminierung interner Projektverkäufe in Verbindung mit dem Ausbau der installierten Kapazitäten innerhalb des Konzerns werden daher stille Reserven aufgebaut, sodass der buchmäßige Konzern-Eigenkapitalwert nicht das volle Wertpotenzial der in der Bilanz erfassten Betriebsvermögen darstellt.

Investitionen

Der Netto-Emissionserlös aus den beiden Anleihen beträgt laut Prospekt, wenn sie vollplatziert und nicht aufgestockt werden, rund 15,2 Millionen Euro. Bei einer Vollplatzierung des aufgestockten Volumens sind es bis zu rund 30,4 Millionen Euro. Dieses Kapital plant die Emittentin als Bestandteil der Gesamtfinanzierung in ihr weiteres Wachstum zu investieren. Konkrete Erneuerbare-Energien-Projekte, in die das Anleihekapital investiert werden soll, stehen laut Prospekt noch nicht fest.

Die Emittentin verfügt aber über ein umfangreiches Entwicklungs-Portfolio an Erneuerbare-Energien-Projekten, in die das Anleihekapital investiert werden könnte. Laut Prospekt hat sie zum 31. März 2025 ein Entwicklungs-Portfolio von rund 36,2 GW in Planung und Entwicklung. Ungefähr 7,8 GW davon sind in Deutschland, ca. 3,3 GW in Frankreich, ca. 8,9 GW in Südafrika, ca. 2,4 GW in Polen und 13,8 GW in weiteren Märkten, davon 10,5 GW in Namibia für das grüne Wasserstoff-Projekt Hyphen. Weiterhin entwickelt die Emittentin laut Prospekt auch Windenergieprojekte in Spanien und Portugal, Ghana, Marokko, Vietnam sowie im lateinamerikanischen Raum. Zudem werden erste vorbereitende Tätigkeiten für mögliche Markteintritte in weitere Länder getätigt.

Vom gesamten Entwicklungsportfolio entfallen rund 19,5 GW auf Windenergie, rund 10,4 GW auf Solarenergie und rund 6,3 GW auf Wasserstoffprojekte und andere Derivate (z.B. Ammoniak) sowie Batterieprojekte. Darüber hinaus hat laut Prospekt die Enertrag Netzinfrastruktur GmbH, eine vollständige Tochtergesellschaft der Emittentin, 3.000 MW an Kapazitäten für den Bau von Umspannwerken in ihrem Projektportfolio.

Von ihrem Portfolio-Gesamtvolumen zum 31. März 2025 sind nach Angaben der Emittentin rund 0,5 GW in einer Vorstudienphase, das Hyphenprojekt mit 10,5 GW plus weitere rund 16,2 GW in früher Entwicklung, rund 2,5 GW im Genehmigungsverfahren, rund 6,3 GW bereits genehmigt und rund 0,2 GW im Bau. Alleine im Laufe des Geschäftsjahres 2024/2025 wurden Erneuerbare-Energien-Projekte mit insgesamt 3,3 GW genehmigt, davon 427 MW in Deutschland,
151 MW in Frankreich, 54 MW in Polen und 2,7 GW in Südafrika.

Zwischen dem Erhalt einer Genehmigung und dem Betriebsbeginn eines Windparks kann ein längerer Zeitraum von ein bis mehr als zwei Jahren liegen. In dieser Phase werden üblicherweise bereits Infrastruktur (z.B. Umspannwerke) errichtet sowie die Windkraftanlagen bestellt. Die Zahlungen dafür erfolgen nach Angaben der Emittentin in vielen Fällen in mehreren Abschnitten. Daher wird in dieser Zeit besonders viel Kapital benötigt, das die Emittentin teilweise durch die Emission der Anleihen aufbringen will.

Ökologische Wirkung


Umspannwerk von Enertrag in Bertikow. / Foto: Enertrag SE

Das Anleihekapital finanziert voraussichtlich insbesondere die Errichtung weiterer Windparks (inklusive Umspannwerke) und zudem Projekte in den Bereichen Solar, grüner Wasserstoff und Batteriespeicher. Abhängig von der Entwicklungs- und Errichtungsdauer der einzelnen Projekte kann das Anleihekapital während der Laufzeit der Schuldverschreibungen somit voraussichtlich mehrfach für ökologisch sinnvolle Projekte eingesetzt werden.

Enertrag entwickelt verstärkt Projekte auch im Bereich grüner Wasserstoff, Speichertechnologien und Sektorenkopplung. Unter Sektorenkopplung ist die Verzahnung von Strom, Wärme, Industrie und Verkehr zu verstehen, damit die Erneuerbaren Energien bestmöglich genutzt und integriert werden können. Im Vergleich zum Stromsektor gibt es in den Sektoren Wärme, Industrie und Verkehr noch erheblichen Nachholbedarf hinsichtlich der Reduzierung von CO2-Emissionen. Die Emittentin arbeitet mit einer eigenen Fachabteilung derzeit an mehreren Projekten im Bereich der Sektorenkopplung, sodass auch in diesem Unternehmensbereich eine zusätzliche positive ökologische Wirkung möglich ist.

Risiko

Die Emittentin entwickelt und errichtet Erneuerbare-Energien-Anlagen. Insbesondere in frühen Projektentwicklungsphasen kann ein hohes Risiko bestehen, dass Projekte sich deutlich verzögern oder scheitern. Aber auch in späteren Entwicklungs- und in Bauphasen, in denen in der Regel bereits hohe Kosten angefallen sind, können Projekte noch scheitern. Es ist auch möglich, dass bereits entwickelte Projekte nicht mehr wirtschaftlich realisiert werden können, weil zwischenzeitlich die Anlagen-, Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind und/oder der Strommarktpreis gesunken ist. 

In Deutschland, dem Kernmarkt der Emittentin, gab es in den letzten zwei Jahren viele neue Baugenehmigungen für Windenergieanlagen. Dadurch erhöht sich der Wettbewerb bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur, der zu geringeren Zuschlagswerten führt. Zudem kann es hinsichtlich der Verfügbarkeiten von Komponenten zu Engpässen kommen, die den Bau von Windenergieanlagen verzögern können. Das Bundeswirtschaftsministerium plant Veränderungen der Rahmenbedingungen für neue Wind- und Solarprojekte, wodurch sich deren Wirtschaftlichkeit verschlechtern könnte. Solange die Pläne noch nicht gesetzgeberisch umgesetzt worden sind, besteht eine Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen, welche die Entwicklung und Umsetzung von neuen Projekten erschweren und verzögern kann.

Auch in weiteren regionalen Märkten besteht das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen für neue Projekte verschlechtern. Beispielsweise besteht in Frankreich, Polen und auch auf EU-Ebene das Risiko, dass rechtspopulistische Parteien und Politiker an Einfluss gewinnen, die oftmals insbesondere Windenergieanlagen ablehnend gegenüberstehen. In den außereuropäischen Märkten, beispielsweise in Südafrika, bestehen teilweise erhebliche politische Risiken. Ein zentrales Problem, das etablierte und neue Märkte betrifft, ist der zu langsame Netzausbau. Grüner Wasserstoff ist preislich noch nicht wettbewerbsfähig und nicht etabliert, sodass Projektentwickler insbesondere in diesem Markt von politischer Unterstützung abhängig sind.

Die Emittentin ist mittelbar an zahlreichen Windparks beteiligt, bei denen beispielsweise in windschwachen Jahren das Risiko besteht, dass Stromerlöse unter der Prognose bleiben. Die Emittentin plant, in den nächsten Jahren zu wachsen und zahlreiche neue Projekte zu realisieren, und hat dafür ihre Verbindlichkeiten bereits deutlich erhöht. Es ist möglich, dass sich während der Laufzeit der Anleihen die Rahmenbedingungen in mehreren Märkten der Emittentin verschlechtern und das Unternehmen in der Folge seine Verbindlichkeiten nicht vollständig bedienen kann. Für Anlegerinnen und Anleger besteht das Risiko, dass Rückzahlungen der Anleihen verzögert, nur teilweise oder nicht erfolgen.


Stärken

  • Sehr erfahrene und am Markt etablierte Enertrag-Gruppe
  • Hoher Eigenbestand an Windpark-Beteiligungen
  • Umfangreiche Projektpipeline in mehreren Märkten
  • Hohe Jahresüberschüsse in den letzten sechs Geschäftsjahren
  • Diversifizierung insbesondere durch Ausbau des Solargeschäfts
  • Eigenkapitalquote der Emittentin über 50 Prozent
  • Tochter mit über 1.000 Windkraftanlagen in der Betriebsführung

Schwächen

  • Projektentwicklungs- und Baurisiken
  • Teilweise unsichere Rahmenbedingungen in mehreren Märkten
  • Markt für grünen Wasserstoff noch nicht etabliert
  • Kündigungsregelung der Anleihe



Fazit:

Finanziell

Die Enertrag SE hat in den letzten sechs abgeschlossenen Geschäftsjahren Überschüsse von zusammen rund 204 Millionen Euro erzielt. Aufgrund der nicht ausgeschütteten Gewinne war die Eigenkapitalquote der Emittentin deutlich auf über 70 Prozent gestiegen. Um die  umfangreiche Pipeline mit genehmigten und baureifen Wind- und Solarprojekten realisieren zu können, hat das Unternehmen inzwischen mehr Fremdkapital aufgenommen, wodurch sich die Eigenkapitalquote auf 54 Prozent verringert hat. Derzeit ist aber die Ausgabe neuer Aktien in der Prüfung, wodurch die Eigenkapitalbasis der Emittentin wieder deutlich gestärkt werden könnte. Das kann auch der Fall sein, wenn der für das Geschäftsjahr 2025/2026 prognostizierte Jahresüberschuss von ca. 92 Millionen Euro annähernd erreicht wird. Aufgrund der erfolgreichen Geschäftsjahre kann die Emittentin aus einer Position der Stärke agieren, um auch bei derzeit teilweise unsicheren Rahmenbedingungen Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Projektpipeline zu erreichen. Die Enertrag SE verfügt zudem über einen hohen Eigenbestand an Windenergieanlagen, über den sie mittelbar relativ kontinuierliche Einnahmen erzielen kann. Dadurch reduziert sich die Abhängigkeit von den gegebenenfalls stark schwankenden Erlösen aus dem Projektentwicklungsgeschäft.

Nachhaltigkeit

Das Anleihekapital finanziert voraussichtlich hauptsächlich die Entwicklung und Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen mit dem Schwerpunkt Windkraft und erzielt so eine hohe positive ökologische Wirkung. Zudem entwickelt die Emittentin innovative Projekte im Bereich der Sektorenkopplung, die ökologisch und volkswirtschaftlich für eine ganzheitliche Energiewende wichtig sind.

ECOreporter-Empfehlung

Die Enertrag SE ist insbesondere in ihrem Heimatmarkt gut und chancenreich positioniert und verfügt über zahlreiche baureife Projekte. Eine Stärke der Emittentin ist zudem ihr hoher mittelbarer Eigenbestand an bestehenden Windparks. Damit können Erlösschwankungen im Bereich der Entwicklung und Errichtung von Projekten teilweise kompensiert werden, wodurch sich die finanzielle Stabilität des Unternehmens erhöht. Das Zins/Risiko-Verhältnis der beiden Anleihen kann nach Einschätzung von ECOreporter als marktgerecht gelten.


Basisdaten

Emittentin: Enertrag SE, Dauerthal
Anlageform: Inhaber-Schuldverschreibungen (Anleihe)
Mindestzeichnungssumme: 3.000 Euro
Emissionsvolumen: bis zu 8 Millionen Euro (Tranche A), bis zu 8 Millionen Euro (Tranche B)
Laufzeit: 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2033 (Tranche A) bzw. bis 31. Dezember 2035 (Tranche B)
Zinssatz: 5,25 Prozent (Tranche A) und 5,75 Prozent (Tranche B)
Prospektbilligung: CSSF (luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde)
Handelbarkeit: Börse Düsseldorf innerhalb von vier Monaten nach Vertriebsende (Plan)
ISIN: DE000A460NZ6 (Tranche A), DE000A460P36 (Tranche B)

Verwandte Artikel

04.05.26
 >
03.10.25
 >
26.09.25
 >
31.07.25
 >
04.07.25
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x