Der Uranatlas 2026 sieht entscheidende Zusammenhänge zwischen militärischer und ziviler Atomkraft. / Symbolbild: Pixabay

  Erneuerbare Energie

Uranatlas 2026 warnt vor Atomwaffen und Kernenergie

Anlässlich des 15. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März und des 40. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April warnt der Uranatlas 2026 vor einem neuen nuklearen Wettrüsten und besonders auch vor dem Einfluss Russlands.

Die zivile Atomkraft ist eng verknüpft mit der nuklearen Aufrüstung. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der Uranatlas 2026, den die Nuclear Free Future Foundation (NFFF), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Umweltstiftung Greenpeace, die Ärzteorganisation IPPNW und das deutsche Anti-Atomkraft-Bündnis ".ausgestrahlt" herausgegeben haben. Von den 65 derzeit im Bau befindlichen Atomkraftwerken (AKW) werden laut der Untersuchung 63 in oder von Atomwaffenstaaten gebaut.

Deutschland soll sich stärker für atomare Abrüstung einsetzen

Die Organisationen hinter dem Atlas appellieren daher gemeinsam an die Bundesregierung, sich für nukleare Rüstungskontrolle, einen erneuten New-Start-Vertrag und Abrüstung einzusetzen. Der New-Start-Vertrag war das letzte große Abkommen zur nuklearen Abrüstung zwischen den USA und Russland. Er lief im Februar aus.


Der Uranatlas 2026 warnt besonders vor dem Einfluss des russischen Atomkonzerns Rosatom. / Foto: Nuclear Free Future Foundation

Die Herausgeberinnen und Herausgeber des Atlas seien "überzeugt, dass zu einer langfristig effektiven nuklearen Abrüstung auch der Ausstieg aus der Atomenergie gehört", so Angelika Claußen, Co-Vorsitzende von IPPNW. "In Deutschland müssen wir diesen Ausstieg noch vollenden, indem wir die Urananreicherung und die Produktion von Brennelementen beenden. Gerade jetzt, da öffentlich über europäische Atomwaffen mit deutscher Beteiligung spekuliert wird, wäre dies ein wichtiges Zeichen für Abrüstung und eine friedliche Zukunft mit erneuerbaren Energien."

Gleichzeitig warnen die Organisationen vor dem Bau von sogenannten Small Modular Reaktoren (SMR) und damit dem Wiedereinstieg in die Atomkraft in Deutschland. Gerade Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatten Derartiges zuletzt wiederholt gefordert.

"Kleine sogenannte smarte Reaktoren sind teuer, gefährlich und unwirtschaftlich. Zudem scheitern weltweit immer mehr Projekte an den horrenden Kosten und fehlender Wirtschaftlichkeit", sagt Susanne Gerstner, stellvertretende Vorsitzende des BUND. "Der SMR-Hype ist eine Nebelkerze, die unnötig Steuergelder verbrennt. Deutschland ist aus gutem Grund mit Zustimmung der Union aus der Atomkraft ausgestiegen, daran gibt es nichts zu rütteln."

Besonders warnen die Organisationen davor, dass die Abhängigkeit Europas und der Welt von der global vernetzten Uran-Industrie, insbesondere von Russland, trotz des Ukraine-Kriegs weiter gewachsen sei. "Der russische Staatskonzern Rosatom ist treibende Kraft beim Bau neuer Atomkraftwerke und geopolitischer Arm des Kremlchefs Putin", so die Organisationen in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Von den 24 Atommeilern, die derzeit außerhalb Chinas und Russlands gebaut werden, führt Rosatom laut dem Uranatlas bei 17 den Bauauftrag aus. Hinzu kommt der Handel mit Uran und Brennelementen: Rosatom gehört demnach zu den fünf größten Uranbergbaufirmen der Welt, die zusammen über 75 Prozent der Uranförderung kontrollieren.

Bei der Urananreicherung und der Herstellung von Brennelementen ist die Abhängigkeit noch größer: Ein erheblicher Teil des weltweiten Bedarfs kommt laut der Untersuchung von Rosatom. Der Atlas kritisiert, dass der russische Staatskonzern über ein Joint Venture mit der französischen Orano-Tochter Framatome am deutschen Standort Lingen an der Brennelemente-Fertigung für osteuropäische AKW russischer Bauart beteiligt werden soll.

"Die Bundesregierung muss die Kapazitätserweiterung untersagen und die Atomgeschäfte mit dem Kreml in Lingen beenden", so Bettina Ackermann von der Anti-Atom-Organisation ".ausgestrahlt". "Die Abhängigkeit Europas von Uran und Brennelementen aus Russland ist ohnehin schon so groß, dass trotz des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine der gesamte Atomsektor Russlands bislang nicht sanktioniert worden ist. Diese Abhängigkeit darf durch eine mögliche Zusammenarbeit mit Rosatom am Standort Lingen nicht noch weiter wachsen.“

Bernd Riexinger, Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung, ergänzt: "Atomkraft schafft große geopolitische Abhängigkeiten. Russland nutzt über seinen Staatskonzern Rosatom alle verfügbaren Hebel, um seinen politischen Einfluss zu vergrößern. So baut Rosatom nicht nur in Ägypten das erste AKW mit vier Meilern, sondern hat mit 18 weiteren Staaten Atomabkommen zum Bau von Atomkraftwerken geschlossen, obwohl die wenigsten überhaupt die technische Infrastruktur besitzen, um den Strom eines Großkraftwerks nutzen zu können. Das ist vollkommen unsinnig."

"Neokoloniale Strukturen" beim Uranbergbau

Hinzu kommen die Folgen des Uranabbaus. Die Versuche von US-Präsident Donald Trump, den Uranbergbau im eigenen Land wiederzubeleben und mehr Uran aus Kanada zu beziehen, gehen zu Lasten der First Nations, die unter den gesundheitlichen Folgen des Uranbergbaus leiden, so Atomkraftexperte Heinz Smital von Greenpeace.

Horst Hamm, geschäftsführender Vorstand der NFFF und Projektleiter des Uranatlas, sieht "neokoloniale Strukturen im Uranbergbau". Uran "wurde und wird zu großen Teilen vom Land indigener Völker in Kanada, Australien, Niger und den USA oder in autoritären Staaten wie Kasachstan und Russland abgebaut", so der Experte. "Uranbergbau schädigt die Lebensgrundlagen in den jeweiligen Regionen massiv und verstößt gegen die Menschenrechte. Uranbergbau muss verboten werden."

Der aktualisierte Uranatlas 2026 erklärt auf 64 Seiten mit Grafiken und Karten den Weg des Urans. Neue Kapitel zum Atomeinstieg der Türkei und zum russischen Staatskonzern Rosatom zeigen die geopolitischen Abhängigkeiten und den Zusammenhang von friedlicher und militärischer Nutzung der Atomkraft. Der Uranatlas kann unter www.nuclear-free.com/uranatlas heruntergeladen werden oder über die E-Mail-Adresse [email protected] bestellt werden.

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