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Verbio startet industrielle Produktion erneuerbarer Chemikalien
Rapsöl statt Erdöl: Der Leipziger Biokraftstoffhersteller Verbio hat diese Woche in Bitterfeld die eigenen Angaben zufolge erste industrielle Anlage zu Herstellung biobasierter Chemikalien eingeweiht.
In der 100 Millionen Euro teuren Anlage können laut Verbio auf Basis von Rapmethylester jährlich bis zu 60.000 Tonnen Biochemikalien produziert werden, beispielsweise erneuerbare Kohlenstoffe, die fossile Rohstoffe in Schmierstoffen, Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kunststoffen ersetzen können. Bislang hatte Verbio Rapmethylester nur zur Herstellung von Biokraftstoffen verwendet.
Robustere Lieferketten
„Mit der neuen Anlage ergänzen wir unsere Bioraffinerie um eine weitere Wertschöpfungsstufe auf einer etablierten Rohstoffbasis“, sagte Verbio-Chef Claus Sauter. „Mit der Verarbeitung von europäischem Rapsöl stärken wir die regionale Landwirtschaft und die Unabhängigkeit von störanfälligen globalen Lieferketten. Das ist neben dem Nachhaltigkeitsaspekt von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
„Europa wird auf Dauer nicht über günstige fossile Rohstoffe mit anderen Weltregionen konkurrieren können. Unsere Chance liegt darin, neue Wertschöpfung auf Basis erneuerbaren Kohlenstoffs hier aufzubauen“, erläuterte Michael Carus, Gesellschafter des nova-Instituts, bei der Einweihung der Anlage. „Entscheidend ist, dass solche Lösungen nicht im Pilotmaßstab bleiben, sondern industriell skaliert werden. Die Anlage in Bitterfeld zeigt, welches Potenzial biobasierte Rohstoffe für eine wettbewerbsfähige und resilientere Chemieproduktion in Europa haben.“
Stark schwankende Aktie
In den letzten zwölf Monaten hat die Verbio-Aktie ihren Wert mit einem Plus von 114 Prozent mehr als verdoppelt. Im Xetra-Handel kostete das Papier gestern 25,84 Euro (Stand: 7.10.2026, 10:36 Uhr). Seit Ende März sinkt der Kurs, auf drei Monate gesehen ist er 15 Prozent im Minus. Auf fünf Jahre betrachtet hat er 51 Prozent eingebüßt.
Verbio steigerte den Umsatz in seinem Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025/26 um 18,5 Prozent zum Vorjahr auf 1,9 Milliarden Euro. Da das Unternehmen höhere Verkaufspreise durchsetzen und bessere Margen erzielen konnte, vervielfachte sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 14,2 auf 194 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente der Konzern 63,9 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr ein Nettoverlust von 137,9 Millionen Euro angefallen war.
Verbio verdient sein Geld vor allem mit drei Biokraftstoffen: Biodiesel, Bioethanol und Biomethan. Biodiesel wird herkömmlichem Diesel beigemischt, Bioethanol vor allem Benzin – etwa für E10. Biomethan entsteht bei Verbio unter anderem aus landwirtschaftlichen Reststoffen und kann beispielsweise als Kraftstoff oder als Ersatz für fossiles Erdgas eingesetzt werden.
Eine ECOreporter-Einschätzung der Verbio-Aktie lesen Sie hier.
Verbio Vereinigte BioEnergie AG: ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W
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