Ballard Power baut etwa Brennstoffzellen für Wasserstofffahrzeuge – doch die Nachfrage bleibt schwach. / Foto: Ballard Power

  Nachhaltige Aktien

Wasserstoff: Ballard Power will mit Umstrukturierung mehr als 30 % seiner Kosten einsparen

Der kanadische Brennstoffzellenhersteller Ballard Power hat eine Restrukturierung angekündigt, um seine Betriebskosten um mehr als 30 Prozent zu senken. Damit will das Unternehmen sich "an die verzögerte Marktakzeptanz anpassen und gleichzeitig die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Bilanzstärke erhalten". Zwei Vorstände verlassen das Unternehmen.

Das Unternehmen sehe "vor dem Hintergrund schwieriger makroökonomischer und geopolitischer Aussichten sowie anhaltender politischer Ungewissheit eine mehrjährige Verzögerung bei der Verfügbarkeit von kostengünstigem, kohlenstoffarmem Wasserstoff und Wasserstoffbetankungsinfrastruktur", wie Ballard-Chef Randy MacEwen erklärte. Im Klartext bedeutet das: Die Geschäfte von Ballard laufen schlecht, und Besserung ist mangels Nachfrage kurzfristig nicht in Sicht. Nun soll ein umfangreiches Sparprogramm gestartet werden.

Weniger Investitionen, Stühlerücken im Vorstand

Geplant sind insbesondere Stellenkürzungen, ein Zusammenstreichen von Entwicklungsprogrammen und Investitionen sowie "bestimmte Initiativen zur Verbesserung des Betriebskapitals". Auf die Produktlieferung und die Ausführung bestehender Verträge mit Kunden sollen sich die Maßnahmen nicht auswirken.

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Konkret wird etwa der langfristige Ausbau der Produktionskapazität in Texas infrage gestellt, für die dem Unternehmen von der US-Regierung Fördermittel in Höhe von 94 Millionen Dollar bewilligt wurden. Man prüfe "Finanzierungsmöglichkeiten, um unseren Finanzierungszeitplan zu verlängern und wesentliche Barauslagen zu verzögern, bis wir entsprechende Indikatoren für die Marktakzeptanz haben". Auch die Chinastrategie und ein schwach laufendes Joint Venture in der Volksrepublik sollen "strategisch überprüft" werden.

Insgesamt werde Ballard die "Investitionsintensität und das Investitionstempo drosseln, damit wir uns besser auf die verzögerte Marktakzeptanz einstellen können", so MacEwen „Wir erwarten, dass unsere Restrukturierungsmaßnahmen sich auf unsere weltweiten Aktivitäten auswirken und zu jährlichen Einsparungen bei den Gesamtbetriebskosten von über 30 Prozent führen werden, wobei ein wesentlicher Teil der jährlichen Einsparungen im Jahr 2025 realisiert wird.“

Im Zusammenhang mit der Umstrukturierung erwartet das Unternehmen, im dritten Quartal 2024 einen Restrukturierungsaufwand zu verbuchen. Zum 30. Juni 2024 verfügte Ballard über liquide Mittel in Höhe von 678 Millionen Dollar. Das Unternehmen bekräftigt seine Prognosespanne für 2024 von 145 bis 165 Millionen Dollar für die gesamten Betriebskosten (ohne Restrukturierungs- und damit verbundene Kosten) und 25 bis 40 Millionen Dollar für Investitionen.

Außerdem trennt sich Ballard von zwei Vorständen. Finanzchef Paul Dobson wird demnach mit sofortiger Wirkung von Kate Igbalode abgelöst. Der als Chief Operating Officer für die operative Leitung zuständige Mark Biznek muss zum Ende des Jahres gehen, für ihn rückt Lee Sweetland nach. Beide Managerinnen kommen aus dem Unternehmen und hatten zuvor hohe Positionen in den entsprechenden Ressorts inne.

Die Wasserstoff-Revolution lässt auf sich warten

Die Ballard-Aktie ist im Tradegate-Handel aktuell 1,2 Prozent im Minus zum Vortag und notiert bei 1,54 Euro (Stand: 13.9.2024, 9:25 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 5,5 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 58,6 Prozent an Wert verloren.

Trotz schwach laufender Geschäfte und hoher Verluste haben sich Wasserstoffunternehmen in den letzten Jahren beständig in Optimismus geübt und betont, dass der Aufbau einer umfangreichen Wasserstoffinfrastruktur zügig Fahrt aufnehmen werde. Ballard räumt nun ein, dass dies absehbar nicht geschehen wird – oder zumindest nicht in dem Tempo und Ausmaß wie vor etwa drei Jahren auf dem Höhepunkt der Wasserstoff-Euphorie noch angenommen.

Diese Euphorie ist mittlerweile deutlich abgekühlt, der Ballard-Börsenkurs hat in den letzten drei Jahren um rund 90 Prozent nachgegeben. Im zweiten Quartal 2024 hatte das Unternehmen einmal mehr einen hohen Verlust vermeldet. ECOreporter rät aktuell vom Einstieg in die Aktie ab. Auch für ein spekulatives Investment fehlen nach Einschätzung der Redaktion echte Anzeichen für eine erfolgreiche Entwicklung bei Ballard. Daran ändert auch ein harter Sparkurs des Unternehmens nichts.

Für eine detaillierte Einschätzung der Wasserstoffbranche lesen Sie das ECOreporter-Dossier Von Bloom Energy bis Linde: Das sind die spannendsten Wasserstoff-Aktien.

Ballard Power Systems: ISIN CA0585861085 / WKN A0RENB

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