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Wasserstoff: Thyssenkrupp Nucera mit operativem Verlust und hohen Investitionen
Das Dortmunder Wasserstoffunternehmen Thyssenkrupp Nucera hat im Geschäftsjahr 2023/24 (Oktober bis September) einen höheren Verlust hinnehmen müssen – vor allem, weil der Konzern kräftig investiert. Das auf Elektrolyseverfahren spezialisierte Unternehmen bleibt auch beim Ausblick vorsichtig.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug Nuceras Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) 14 Millionen Euro, im Vorjahr hatte noch ein operativer Gewinn von 25 Millionen Euro zu Buche gestanden. Gleichzeitig hat das Unternehmen seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit 36 Millionen Euro fast verdoppelt. Auch die Verwaltungskosten stiegen.
Deutlich mehr Wasserstoff-Aufträge
Unter dem Strich verbuchte Nucera einen Nettogewinn von 26 Millionen Euro – das lag allerdings an hohen Zinserträgen, nicht an Einnahmen aus dem Kerngeschäft des Konzerns. Im Vorjahr betrug der Gewinn aus denselben Gründen 11 Millionen Euro.
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Den Umsatz konnte Nucera um 30 Prozent auf 862 Millionen Euro steigern. Der Auftragseingang legte leicht um 4 Prozent auf 636 Millionen Euro zu. Stark lief vor allem das Geschäft mit Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff, hier stiegen die Bestellungen um 73 Prozent. Der Umsatz aus Wasserstoffgeschäften stieg um rund 60 Prozent auf 524 Millionen Euro.
Im zweiten Geschäftsfeld des Konzerns, der Chlor-Alkali-Elektrolyse, stagnierte die Nachfrage mit einem Plus von 1 Prozent etwa auf Vorjahresniveau. Das Chlor-Alkali-Geschäft unterstütze allerdings "mit starken Gewinnmargen die Expansion im Bereich des grünen Wasserstoffs", so Nucera. Bei der CA-Elektrolyse werden die wichtigen Grundchemikalien Chlor, Wasserstoff und Natronlauge aus Natriumchlorid und Wasser erzeugt.
Im laufenden Geschäftsjahr peilt Nucera einen Umsatz von 850 bis 950 Millionen Euro an. Davon soll das Segment grüner Wasserstoff zwischen 450 und 550 Millionen Euro beisteuern. "Die langfristigen Wachstumsaussichten von Thyssenkrupp Nucera sind weiterhin intakt", sagte Unternehmenschef Werner Ponikwar. Die Entwicklung von Umsatz und EBIT im aktuellen Geschäftsjahr sei überwiegend von der Abwicklung bereits vertraglich vereinbarter Projekte beeinflusst. Ende September betrug der Auftragsbestand 1,1 Milliarden Euro nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr.
Die Nucera-Aktie ist nach Präsentation der Zahlen aktuell 10,1 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 9,85 Euro (Stand: 17.12.2024, 11:34 Uhr). Im Monatsvergleich hat die Aktie 14,2 Prozent an Wert zugelegt, auf Jahressicht ist sie 41 Prozent im Minus.
Fragwürdige Kooperation in Saudi-Arabien
Thyssenkrupp Nucera ist für ein Wasserstoff-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 1 Milliarde Euro ein Schwergewicht. Allerdings sind die Risiken auch hier groß. Der Konzern wird absehbar in der Verlustzone bleiben, seit dem Börsenstart hat die Aktie etwa 60 Prozent an Wert verloren.
Zudem wird der Umsatz im Wasserstoffgeschäft besonders von dem Projekt NEOM getrieben, einer futuristischen Stadt, die in der Wüste im Nordwesten Saudi-Arabiens entsteht. Nucera ist dort Partner für eines der weltweit größten Projekte für grünen Wasserstoff. Allerdings steht NEOM international in der Kritik: Die Pläne für die Stadt sehen die Zwangsumsiedlung von etwa 20.000 Beduinen vor, Medien berichten von Zwangsräumungen und Verhaftungen. Mehrere Protestierende wurden durch Sicherheitskräfte getötet oder verhaftet und hingerichtet. 2029 sollen in NEOM mitten in der Wüste die asiatischen Winterspiele stattfinden. All das kann nachhaltigen Anlegerinnen und Anlegern Bauchschmerzen bereiten.
Thyssenkrupp Nucera AG & Co. KGaA: ISIN DE000NCA0001 / WKN NCA000
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