Grafenschlag ist das erste Wind/Solar-Hybridprojekt der WEB Windenergie AG. / Foto: Unternehmen

  Nachhaltige Aktien, Anleihen / AIF

WEB Windenergie mit 20 Millionen Euro Gewinn – Börsengang nächstes Jahr?

Die WEB Windenergie AG hat 2024 das Ergebnis ihres Rekordjahres 2023 nicht erreicht. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen blickt das Unternehmen aber auf ein gutes Geschäftsjahr zurück und konnte die bisher größte Zahl an Inbetriebnahmen innerhalb eines Jahres verbuchen. Windkraft- und Solaranlagen mit zusammen 151,6 Megawatt (MW) Leistung gingen ans Netz, wodurch die Kraftwerkskapazität auf 743,1 MW stieg. Um das geplante weitere Wachstum zu finanzieren, evaluiert der Vorstand derzeit einen Börsengang des Unternehmens.

Die 1999 gegründete WEB Windenergie AG (W.E.B)  mit Sitz in Wien ist das Mutterunternehmen der W.E.B-Gruppe. Haupttätigkeiten der Gruppe sind die Projektentwicklung und der Betrieb von Kraftwerken für Erneuerbare Energien mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Windkraft. Angesichts der vorliegenden Informationen zur Projektpipeline ist zu erwarten, dass der Solaranteil und auch die internationalen Märkte (außerhalb Österreichs und Deutschlands) in der Gruppe weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Niedrigere Strompreise: Umsatz sinkt auf 170 Millionen Euro

Die Umsatzerlöse des Konzerns der WEB Windenergie AG (W.E.B-Gruppe) fielen nach dem Ausnahmejahr 2023 erwartungsgemäß niedriger aus und erreichten aufgrund der rückläufigen Strompreise 170,4 Millionen Euro (2023: 231,8 Millionen Euro). Entsprechend verringerte sich auch das Konzernergebnis von 52,7 Millionen Euro auf 20,3 Millionen Euro.

W.E.B-Finanzvorstand Michael Trcka zeigt sich dennoch zufrieden mit diesem Ergebnis: „Nach den außergewöhnlichen Entwicklungen der Jahre 2022 und 2023 haben sich die Strompreise wieder normalisiert. Das Jahresergebnis 2024 zeigt deutlich, dass wir auch bei niedrigeren Strompreisen stabile finanzielle Ergebnisse erzielen können.“

Große Windparks in Italien und Kanada

2024 gingen bei der W.E.B Wind- und Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt 151,6 MW neuer Leistung ans Netz. 55,6 MW davon stammten aus Österreich und Deutschland. Mit dem Windpark Ariano in Italien wurde der mit einer Gesamtleistung von 84 MW bisher größte Windpark im Portfolio der W.E.B in Betrieb genommen.

Florian Müller, W.E.B-Vorstand für Project Development: „2024 war für uns das Jahr der Inbetriebnahmen, 2025 geht es mit unverminderter Kraft weiter. Bereits in den ersten Wochen des laufenden Jahres haben zwei neue Photovoltaik-Anlagen in Niederösterreich mit einer Gesamtleistung von 0,7 MW die Stromproduktion aufgenommen. In den nächsten Monaten werden Windräder in Österreich und Deutschland mit einer Gesamtleistung von rund 40 MW ans Netz gehen. In Kanada stehen wir ebenfalls in den Startlöchern. Dort sind die Anlagen für unser Projekt Weavers Mountain mit einer geplanten installierten Leistung von 94,4 MW bestellt.“ Gemäß den Angaben im Konzernabschluss umfasst der geplante Windpark Weavers Mountain 16 Windturbinen mit 5,9 MW je Anlage und soll voraussichtlich Ende 2026 ans Netz gehen.

Investition über Aktien und Anleihen möglich

2024 konnte die WEB Windenergie AG auch auf dem Kapitalmarkt Erfolge verzeichnen. Die im letzten Jahr begebene W.E.B-Anleihe wurde in rund sechs Wochen platziert und war mit einer Zeichnungssumme von 50 Millionen Euro die bislang erfolgreichste Emission in der Unternehmensgeschichte.

ECOreporter hat das börsennotierte Angebot hier ausführlich analysiert.

Aus welchem Erneuerbare-Energien-Geschäftsfeld ist W.E.B nun komplett ausgestiegen? Welche Kapitalmaßnahme ist noch für dieses Jahr geplant? Wie hat sich der Aktienkurs des Unternehmens entwickelt? Wie sehen die Beweggründe und der Zeitplan für einen Börsengang aus? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Strategischer Fokus auf Windkraft und Photovoltaik

Für ihr weiteres Wachstum setzt die W.E.B im Rahmen ihrer strategischen Fokussierung auf Windkraft und Photovoltaik. Daher wurde 2024 mit dem Verkauf der Wasserkraftwerke Eberbach (Deutschland) und Imst (Österreich) das Geschäftsfeld Wasserkraft geschlossen. Im Gegenzug nutzt die W.E.B nach eigenen Angaben vermehrt die Synergien zwischen Wind- und Sonnenenergie und eröffnete 2024 ihren ersten Hybridpark in Grafenschlag in Österreich. Diese Kombination optimiere die Nutzung der vorhandenen Netzinfrastruktur und steigere die Effizienz des Standorts. Im nächsten Schritt ist die Installation eines Batteriespeichers geplant, um künftig noch gezielter auf alternierende Wind- und Sonnenstunden reagieren zu können.

Aktienkurs gefallen

Die Jahre 2022 und 2023 waren für W.E.B nicht nur Ausnahmejahre in Bezug auf den Strompreis und das Ergebnis, sondern auch für den Kurs ihrer vinkulierten Namensaktien.

Da die W.E.B-Aktie bislang nicht börsennotiert ist, wird auch kein Kurs gebildet. Eine Kauf- bzw. Verkaufsabwicklung wird aber kostenlos auf einer Online-Plattform, dem Traderoom von W.E.B, angeboten. Der Jahresdurchschnittspreis der Aktie im Traderoom lag 2023 bei 173,50 Euro (2022: 196,52 Euro; 2021: 112,97 Euro). Der nach dem starken Preisanstieg in 2022 folgende Rückgang hat sich auch 2024 fortgesetzt. So lag der Durchschnittspreis der Aktie im vierten Quartal 2024 nur noch bei 116,17 Euro, aber deutlich höher als vier Jahre zuvor (92,82 Euro). Die Durchschnittspreise werden von W.E.B aus den Transaktionen via Traderoom ermittelt.

Im Jahr 2024 wechselten insgesamt 55.125 Aktien mit einem Volumen von rund 7,5 Millionen Euro mit Unterstützung des Traderooms ihre Besitzerinnen und Besitzer. Außerhalb des Traderooms wurden im Berichtsjahr 2024 29.744 Aktien übertragen. Davon ist der W.E.B  nach eigenen Angaben bei 9.268 Aktien der Transaktionspreis bekannt. Dieser betrug im Schnitt 126,03 Euro.

Die Dividendenpolitik der Emittentin zielt auf eine möglichst stabile Ausschüttungsquote ab. Es soll ein Drittel des Konzernergebnisses ausgeschüttet werden. Der Aufsichtsrat schloss sich dem Vorschlag des Vorstands an, vom Bilanzgewinn (Einzelabschluss 2024) von 20.524.275,58 Euro eine Ausschüttung von 7.297.860,90 Euro (2,30 Euro je Aktie) vorzunehmen und den Rest in Höhe von 13.226.414,68 Euro auf neue Rechnung vorzutragen.

Börsengang in der Prüfung

Im März 2025 hat die W.E.B Aktionärsdialoge im Zeichen eines möglichen Börsengangs durchgeführt. Der Vorstand erläuterte dort die Beweggründe hinter der Evaluierung einer Börsennotierung: Im Vordergrund stehe die Finanzierung der langfristigen Wachstumsstrategie sowie die nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens. Eine Börsennotierung könnte nicht nur den Zugang für neue Investorinnen und Investoren erleichtern, sondern auch die Aktionärsstruktur erweitern.

Aktuell diene der W.E.B Traderoom als funktionales „Schwarzes Brett“ für Kauf- und Verkaufsangebote, doch seine begrenzte Bekanntheit könne zu Unsicherheiten bei potenziellen Anlegerinnen und Anlegern führen. Ein geregelter Markt würde hier nach Einschätzung des Vorstands für mehr Transparenz und Sicherheit sorgen.

Besonders betont wurde, dass die W.E.B trotz einer möglichen Börsennotierung ihrer Linie treu bleiben will. Ziel sei es, weiterhin gezielt private Anlegerinnen und Anleger anzusprechen, eine breite Beteiligung sicherzustellen und künftige Kapitalmaßnahmen auf eine stabile Basis zu stellen. Dabei bleibe der Fokus klar: die Finanzierung nachhaltiger Energieprojekte sicherstellen und die Unabhängigkeit der W.E.B bewahren.

Laut Unternehmenspräsentation sieht der mögliche Zeitplan für einen Börsengang der WEB Windenergie AG wie folgt aus:

  • 2025: Evaluierung Börsengang und voraussichtlich Kapitalerhöhung mit Namensaktien
  • Mai 2026: Beschlussvorlage Börsengang in der Hauptversammlung
  • 2026 (bei erfolgter Zustimmung): Vorbereitung des Börsengangs
  • Winter 2026/27: Börsengang mittels Kapitalerhöhung (IPO)

Analyse von ECOreporter

ECOreporter hat das Unternehmen ausführlich analysiert. Wie sieht das Geschäftsmodell der WEB Windenergie AG und ihrer Gruppe konkret aus? Wie sind die Perspektiven von W.E.B? Auf welche Länder verteilt sich die Projektentwicklungspipeline? Welche Stärken und Schwächen haben die WEB Windenergie AG und ihr Konzern?

Antworten auf diese und weitere Fragen sowie das Fazit von ECOreporter erhalten Sie hier in der ausführlichen Analyse.

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