Dieser Klima-ETF möchte in Unternehmen investieren, die für eine nachhaltigere Wirtschaft stehen – gelingt ihm das? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: Guinness Sustainable Energy UCITS ETF

Der Guinness Sustainable Energy ETF (vormals: iClima Global Decarbonisation Enablers ETF) will nicht einfach in Unternehmen investieren, die weniger CO2 ausstoßen. Stattdessen konzentriert er sich nach eigenen Angaben auf Firmen, die für eine klimafreundlichere Wirtschaft sorgen wollen. Hält der ETF dieses Versprechen ein? Und wie hat er sich finanziell entwickelt? Lesen Sie den ausführlichen ECOreporter-Test.

Anbieter des ETFs ist die britische ETF-Plattform HanETF. Das Unternehmen ist ein Dienstleister, der ETFs für externe Vermögensverwalter auflegt. HanETF verfolgt keine übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie. Andere ETFs auf der Plattform bieten etwa gezielte Investments in Uran-Bergbau, Rüstungskonzerne und fossile Energie an.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Dezember 2020. Im Jahresvergleich ist der ETF 8,2 Prozent im Plus, der weltweite Aktienindex MSCI World legte im selben Zeitraum 12,0 Prozent zu. Auch auf drei Jahre büßte der ETF 2,9 Prozentr an Wert ein, der MSCI World gewann in dem Zeitraum 108,4 Prozent. ECOreporter hat die Finanznote zuletzt im Oktober 2025 neu berechnet.

Die Jahresgebühren sind mit 0,65 Prozent zudem höher als bei vergleichbaren ETFs, wenn auch im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds immer noch günstig. Die Wertschwankungen fallen deutlich aus, liegen aber auf dem Niveau vergleichbarer nachhaltiger ETFs. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Index nach, den der Frankfurter Anbieter Solactive im Auftrag der britischen Investmentfirma iClima Earth erstellt. Er investiert in 220 Unternehmen, die laut Beschreibung des ETFs „Produkte und Dienstleistungen zur Vermeidung von CO2-Emissionen anbieten“.

Um für ein Investment infrage zu kommen, müssen Unternehmen demnach in mindestens einem von fünf Sektoren zur CO2-Vermeidung aktiv sein, darunter Erneuerbare Energien, Verbesserungen bei Wasserverbrauch und Müllvermeidung oder auch Herstellung nachhaltiger Produkte. Nähere Angaben dazu, wie genau diese Sektoren definiert sind und was etwa ein „nachhaltiges Produkt“ ist, erhalten Anlegerinnen und Anleger aber nicht. Der Indexanbieter Solactive verweist zwar auf eine Webseite, auf der nähere Informationen zu den Kategorien zu finden sein sollen. Diese Seite ist allerdings lediglich ein Werbeauftritt von iClima, der die Möglichkeit bietet, sich auf eine Warteliste für grüne Investment-Tipps zu setzen.

Zudem werden Unternehmen zwar nach dem prozentualen Anteil der „grünen Einnahmen“ am Umsatz in verschiedene Kategorien eingeordnet, diese reichen von „Kerngrün“ (mindestens 90 Prozent grüne Einnahmen) bis „Ausbaufähig“ (20 Prozent grüne Einnahmen bei zweistelligem jährlichem Wachstum). Welche Gewichtung die unterschiedlichen Kategorien im ETF haben, wird aber nicht erklärt. Auch erhalten Anlegerinnen und Anleger keine Informationen dazu, in welche Kategorien die einzelnen Unternehmen jeweils eingeordnet werden und mit welchen Produkten und Dienstleistungen sie zum Ziel einer CO2-Reduktion beitragen.

Zusätzlich zu diesen sehr vage bleibenden Vorgaben gelten Ausschlusskriterien.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, wenn diese in Verbindung zu Geschäften mit geächteten Waffen und Nuklearwaffen stehen, Öl fördern oder gegen Arbeits- und Menschenrechte sowie Anti-Korruptions-Richtlinien verstoßen, wie sie im UN Global Compact definiert sind.

Zudem müssen die Umsätze der Unternehmen bei Erdgas unter 50 Prozent, bei Kernenergie unter 20 Prozent und bei Kohlestrom unter 1 Prozent des Gesamtumsatzes liegen. Rüstungsgeschäfte dürfen maximal 10 Prozent des Umsatzes ausmachen. Es gibt allerdings keine spezifischen Einschränkungen für zivile Waffen, wie bei vielen ETFs üblich.

Keine Einschränkungen gelten auch für Tabakprodukte, Alkohol, Glücksspiel oder Gentechnik. Eine Liste der vollständigen Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert etwa in die Atomstromerzeuger Iberdrola aus Spanien und NextEra Energy aus den USA sowie in die Gaskraftwerkbetreiber Northland Power aus Kanada, Contact Energy aus Neuseeland und Clearway Energy aus den USA. Die mit Kernkraft und Gas erzielten Umsätze liegen nach Recherchen von ECOreporter unter den relevanten Schwellen.

Kritisch sehen können Anlegerinnen und Anleger auch die Aktie des weltgrößten Solarmodulbauers Jinko Solar aus China. Gegen das Unternehmen gibt es Vorwürfe der Zwangsarbeit, die Jinko Solar zurückweist. Generell unter Nachhaltigkeitsaspekten schwierige Investments in chinesische Unternehmen machen mit knapp 6 Prozent die zweitgrößte Position im ETF hinter den USA mit 44 Prozent aus und liegen knapp vor dem Anteil deutscher Aktien (5,2 Prozent).

Der ETF investiert aber auch in zahlreiche sehr grüne Unternehmen, darunter Windanlagenbauer wie Vestas aus Dänemark und Nordex aus Hamburg und Solarkonzerne wie der israelische Wechselrichterhersteller SolarEdge oder der US-Solaranlagenanbieter Sunrun. Ebenfalls in der Aktienliste: die Grünstromerzeuger Verbund (Österreich) und Neoen (Frankreich) und die Wasserstoffunternehmen Nel (Norwegen) und Bloom Energy (USA).

Die Bandbreite der Investitionen reicht von Elektrofahrzeugherstellern wie den Schwergewichten Tesla aus den USA und BYD aus China über Wasserversorger und -aufbereiter wie die US-Konzerne American Water Works und Ecolab bis zu Unternehmen, die auf vegane Ernährung spezialisiert sind, etwa der US-Fleischersatzhersteller Beyond Meat oder der schwedische Hafermilchproduzent Oatly.

Etwas konventionellere Unternehmen sind beispielsweise der Münchner Technologiekonzern Siemens oder der österreichische Karton- und Verpackungshersteller Meyer Burger, denen ECOreporter eine gute Nachhaltigkeitsbilanz bescheinigt.

Transparenz

HanETF veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Webseite. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien stellt der Finanzkonzern online knapp dar. Der Indexanbieter Solactive liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index, auf die der ETF immerhin transparent verlinkt. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Der iClima Global Decarbonisation Enablers ist einer von zwei ETFs, für die HanETF nach eigener Angabe Stimmrechte durch den Dienstleister Glass Lewis ausüben lässt. Allgemeine Richtlinien für Abstimmungen zu ESG-Themen finden Anlegerinnen und Anleger auf der Webseite von Glass Lewis. HanETF veröffentlicht keinen eigenen Report zu ausgeübten Stimmrechten in Zusammenhang mit dem ETF. Auch macht der Anbieter keine Angaben zu Dialogen mit Unternehmen.

Stärken

  • Viele sehr grüne Investments
  • Gute Verteilung auf zahlreiche nachhaltige Sektoren
  • Mit 220 Aktien relativ breit aufgestellter ETF
  • Keine Investments in Ölförderung
  • Strenger Ausschluss von Kohlegeschäften

Schwächen

  • Wenig Transparenz bei Aktienauswahl-Kriterien
  • Investments in Atomkraft
  • Investments in Erdgas
  • Schwache Wertentwicklung

Fazit

Zwar wäre es wünschenswert, dass Anlegerinnen und Anleger mehr darüber erfahren, wie Unternehmen die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten für den ETF nachweisen müssen. Doch steht unter dem Strich ein sehr nachhaltiges Aktienpaket, das dazu noch breit aufgestellt ist. Lediglich einige Investments in Atomkraft und Erdgas sind diskussionswürdig, außerdem ethische Fragen in Bezug auf chinesische Unternehmen. Die Aussage des ETFs, nicht nur in „weniger schlechte“ Unternehmen investieren zu wollen, sondern in solche, die aktiv zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen, scheint durch die Aktienauswahl insgesamt aber gedeckt. Leider kann der ETF finanziell bislang nicht überzeugen.

ECOreporter-Noten:

Finanzen: 4,5

Nachhaltigkeit: 3,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Ölförderung
  • Verstöße gegen UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Stromerzeugung mit Atomkraft (20%)
  • Stromerzeugung aus Kohle (1%)
  • Geschäfte mit Gas (50%)
  • Herstellung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor (40%)
  • Rüstung und Militärverträge (10%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 5.1.2024

Stichtag des Tests Finanzen: 29.10.2025

Name des ETFs: iClima Global Decarbonisation Enablers UCITS ETF

ISIN: IE00BNC1F287 / WKN: A2QG4B

Nachgebildeter Index: iClima Global Decarbonisation Enablers Index

Start des ETFs: 3.12.2020

Jährliche Gebühren: 0,65% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 28 Millionen Euro (1/2024)

Internet: hanetf.com

Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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