ECOreporter schreibt seit 1999 über grüne Geldanlagen - online und in gedruckten Magazinen. / Foto: ECOreporter

  Nachhaltige Aktien, Meldungen, Anleihen / AIF, Fonds / ETF

25 Jahre ECOreporter - ein Vierteljahrhundert grüner Finanzjournalismus

Pfeifendes Internet, renitente Hunde, Krisen und Auszeichnungen – ECOreporter wird 25. Zum Jubiläum eine Zeitreise.

1999

startete ECOreporter. Nachhaltigkeit? Ethik? In der Finanzbranche? Für viele Menschen Neuland. Und wieso überhaupt ein unabhängiges Magazin für so ein Randthema? Die Welt vor 25 Jahren: Der Anteil Erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung liegt in Deutschland bei etwa fünf Prozent. Die Suchmaschine Google ist seit nicht mal einem Jahr am Netz, Internetverbindungen geben pfeifende Geräusche von sich, Facebook-Gründer (später: Meta) Marc Zuckerberg ist 15 und kennt das World Wide Web vom Hörensagen. In Deutschland gibt es im Netz unabhängige Informationen über Grünes Geld unter den Adressen umweltaktie.de, umweltfonds.de, windfonds.de. Jörg Weber, auch heute noch Chefredakteur von ECOreporter.de, damals aber Reporter bei ARD und WDR, betreibt diese Seiten. Im Sommer fasst er die Inhalte unter www.ecoreporter. de zusammen. „Zu altmodisch“ ist oft der Kommentar zum neuen Namen. In Hamm startet das Ökozentrum NRW die Messe Grünes Geld. ECOreporter führt den zugehörigen Fachkongress durch.

2000

erstellt ECOreporter im Auftrag des Ökozentrums Hamm die Studie „Doppelte Dividende“. Sie beschreibt den Markt der grünen Geldanlage in Deutschland. Der Markt besteht unter anderem aus 21 offenen Umweltfonds, 10 grünen Aktienzertifikaten, 45 außerbörslich gehandelten und 24 börsennotierten Umweltaktien, dazu aus etlichen geschlossenen Windfonds. Hinzu kommt eine kleine Anzahl an Anbietern und Beratern.

2001

lässt das Ökozentrum NRW die Messe Grünes Geld im Rahmen der „Grünen Woche“ in Berlin stattfinden. Die Studie „Doppelte Dividende“ von ECOreporter wird bei einer großen Pressekonferenz vorgestellt. Der begleitende Kongress, wieder von ECOreporter organisiert, bringt Branche und Anlegende zusammen. Auf Initiative des Ökozentrum-NRW-Geschäftsführers Rauschen und anderen wird während der Messe das Forum Nachhaltige Geldanlage gegründet. Das Buch „Zukunftssicher anlegen“, ein Ratgeber für Nachhaltigkeits- und Umweltfonds, Autor Jörg Weber, erscheint im oekom Verlag. Am 11. September stürzt die Welt durch die Attentate in den USA in eine Krise.

2002

schlittert die Erneuerbare-Energie-Branche in eine Krise. Umweltaktien verlieren an Boden. ECOreporter berichtet trotz stark schwindender Einnahmen tapfer weiter, die Zugriffszahlen steigen. ECOreporter erscheint zum ersten Mal auch gedruckt – ein Vorläufer des späteren Magazins.

2003


Der ECOreporter-Wachhund Pino. / Foto: Privat

startet der „ECOfondsreporter“: Eine kostenlos nutzbare Datenbank mit allen nachhaltigen und ethischen Kriterien aller Öko- und Ethikfonds in Deutschland.

2004

erscheint der SPIEGEL mit dem Titel „Windmühlenwahn“ – ein Verriss der Erneuerbaren Energie. Die Spiegel-Redakteure Harald Schumann und Gerd Rosenkranz hatten zuvor eine Story zur deutschen Energiewirtschaft geschrieben, die das komplett anders darstellte und die Chancen und Vorteile der Erneuerbaren schilderte. Sie wurde nicht im SPIEGEL abgedruckt. ECOreporter.de veröffentlicht diesen nicht erschienenen SPIEGEL-Text. Großes Medienecho. Die Messe Grünes Geld wird Teil der Internationalen Anlegermesse (IAM) in Düsseldorf. Im September 2004 startet ECOreporter eine Neuerung: Wer die Seite lesen will, muss ein Abo abschließen. Es ist eine Unabhängigkeitserklärung – die Redaktion will ihre wirtschaftliche Basis nicht auf Werbeeinnahmen aufbauen. Überraschende Reaktion: Die meisten Leser loben das Modell und buchen. Die Wachhund-Rubrik mit dem Mischlingshund Pino aus einem Tierheim warnt nun vor dubiosen Angeboten.

2005

setzt die neue CDU-Regierung in NRW das Ökozentrum NRW stark unter Druck. Um Arbeitsplätze zu retten, übernimmt ECOreporter die Messe Grünes Geld und den Fernlehrgang ECOanlageberater samt Personal. Ein Kraftakt. Wegen eines kritischen Artikels verklagt ein Finanzunternehmen einen ECOreporter-Redakteur – und verliert mit Pauken und Trompeten. „Reich beschenkt“: Das ist der Titel des ersten gedruckten Magazins von ECOreporter.

2006

zieht ECOreporter.de in ein neues Büro. Es hat sogar eine Terrasse und einen winzigen Garten. Was bei den Lebenspartnerinnen von ECOreporter-Mitarbeitern die Vorstellung beflügelt, Hunde anzuschaffen, die dann als Rudel das Büro bereichern könnten.

2007

steht Jörg Weber im Urlaub am Strand der Ostsee, die Kinder buddeln im Sand. Anruf auf dem Handy: Ein cholerischer ECOreporter-Leser schreit und schimpft über die Redaktion und droht eine Schadensersatzklage über mehrere Millionen Euro an. Wenig später geht in der Redaktion ein Anwaltsschreiben mit einer entsprechenden Forderung ein. Noch einmal ruft der erzürnte Herr an. Ihn stört, dass sein Unternehmen bei ECOreporter in der Wachhundrubrik steht. Weber weist nach, dass alle Fakten richtig sind. Einige Zeit später wird der zornige Herr angeklagt. Die Drohung gegen ECOreporter zieht er zurück. Jörg Weber nimmt beim Sustainability-Kongress in Bonn den „Award für engagierten Journalismus“ entgegen.

2008

löst die Lehmann-Pleite die Bankenkrise aus, später folgt die Eurokrise, alles zusammen ergibt die Finanzkrise, unter der die systemrelevanten Banken deutlich weniger leiden als die Menschen, die sie beraten haben.

2009

erscheinen die Analysen von nachhaltigen, geschlossenen Fonds, Genussrechten, Anleihen, Genossenschaftsanteilen und anderen Produkten erstmals unter dem Namen „ECOanlagecheck“. Der Nachfolger des Wachhunds Pino heißt Bootsmann. Er ist im Kleinkrieg mit der Terrierhündin Lucie, die einem ECOreporter-Redakteur gehört. Lucie markiert ihre vermeintlichen Vorrechte gegenüber Bootsmann auf dem Teppich. Der wird ausgetauscht. Bootsmann rächt sich, indem er gezielt durch das hintere Lüftungsgitter die Zentraleinheit des Rechners von Lucies Herrchen flutet. Der Rechner wird ausgetauscht.


Olaf Scholz, die B.A.U.M.-Vorstände Martin Oldeland und Maximilian Gege, ECOreporter-Chefredakteur Jörg Weber. / Foto: Spiegel

2010

wird ECOreporter eingeladen, auf renommierten Journalistenkongressen die eigenen Recherchemethoden darzustellen.

2011

überreicht Hamburgs damaliger Erster Bürgermeister und späterer Bundeskanzler Olaf Scholz den B.A.U.M-Umweltpreis an Jörg Weber. ECOreporter veröffentlicht eine Magazin-Ausgabe zu den Energie-Lügen, die von Politik und Wirtschaft mit Millionenaufwand gestreut werden und von etlichen Medien dankbar wiedergekäut werden.

2012

bezieht ECOreporter ein neues Büro in Dortmund – dieses Mal ohne Garten. Die Redaktion wird mit dem Umweltpreis „Earthday Pionier“ ausgezeichnet. Die Bundesregierung säbelt die Erneuerbare-Energie-Branche bewusst in Stücke, in der Folge verlieren zehntausende Deutsche ihren Job. Was in den Medien wenig Echo findet. Stattdessen überschwemmt weiterhin die Welle von Falschberichterstattung zur Erneuerbaren Energie die Öffentlichkeit.

2013

erneuert ECOreporter.de die Internetseite – über 40.000 Artikel ziehen um. Viele Solarunternehmen gehen pleite – ECOreporter.de verliert dadurch etliche langjährige professionelle Kunden. Neue private Abos gleichen das aus. Im September startet ECOreporter.de das „ECOreporter-Siegel für Nachhaltige Geldanlagen“. ARD, ZDF, RTL, Regionalsender, Spezialsender, dutzende Radiosendungen, überregionale Zeitungen, Regionalblätter und viele Fachzeitschriften berichten.

2014

übernimmt Tobias Karsten mit Ecoeventmanagement die Messe Grünes Geld.

2015

startet ECOreporter die Entwicklung der ECOfondstests: Nach einem ausgeklügelten Schema sollen nachhaltige Fonds auf einer einzigen Seite komplett und übersichtlich dargestellt und bewertet werden. Finanziell und vor allem im Bereich Nachhaltigkeit.

2016

erscheinen die ersten ECOfondstests. Sie zeigen die richtig guten Fonds genauso wie diejenigen, die mehr Greenwashing als echte Nachhaltigkeit bieten.

2017

ist mal ein recht normales Jahr in der Redaktion. Der Redakteur für die Wachhundrubrik beschäftigt sich mit den dunklen Seiten der Deutschen Lichtmiete, Professor Claudia Kemfert spricht im Interview über die Blockaden für die Erneuerbare Energie, die ECOreporter:Edition bringt ein Buch über ethisches Investment in Schwellenländern heraus.

2018

entwickelt ECOreporter das Prüfschema für den ETF-Test.

2019

testet ECOreporter auch ETFs, der Test ähnelt dem ECOfondstest. Nur: Die Nachhaltigkeitsnoten sind im Schnitt bei ETFs deutlich schlechter. Gegen Ende des Jahres hat der Crowd-Investment-Test Premiere. Im Lauf der nächsten Jahre wird sich zeigen: Die Warnungen vor den Risiken vieler Crowd-Investments sind berechtigt.

2020

wirbelt der Corona-Virus die Welt durcheinander. Mehr Menschen lesen ECOreporter.

2021

fasst ECOreporter die Weiterbildungsangebote des Verlags unter der Marke ECOreporter-Akademie zusammen, die nun Prof. Dr. Thomas Meuser leitet. Neben ECOanlageberater- Lehrgängen starten auch die ersten Kurse in der Exklusiv-Kooperation mit den Geno-Akademien des Deutschen Genossenschaftsverbandes. Die EU-Kommission präsentiert ihre Überlegungen, Investments in Atomkraft und Gas als nachhaltig zu definieren (was später auch realisiert wird).

2022

zieht ECOreporter wieder virtuell um. Über 60.000 Berichte hat die Redaktion im Lauf der Jahre geschrieben, sie alle finden eine neue Heimat im leistungsfähigen, superschnellen Redaktionssystem. Der große Redaktionswachhund Bootsmann wechselt im Alter von 15 Jahren in den Hundehimmel.

2023

nimmt Smilla den Wachhund-Posten ein: Die Hündin, die von einer Tierschutzinitiative als Welpe in Portugal gefunden wurde, lebt sich schnell in der Redaktion ein. Seltsamerweise tauchen auf Schreibtischen und aus Schubladen Hundefuttervorräte auf – Smilla verteilt ihre Zuneigung dementsprechend. Der hundertste ETF-Test erscheint. Das ECOreporter-Magazin warnt davor, Demokratie als Selbstverständlichkeit anzusehen.

2024

berechnet ECOreporter immer noch den alten Abo-Preis. Wenigstens ein Produkt, das die Inflationsrate bremst! Prompt sinkt die Rate im Lauf des Jahres. Scherz… Die Internet-Abos für ECOreporter bilden das wirtschaftliche Rückgrat der Redaktion und des Verlags, der immer noch unabhängig ist. Was nicht sinkt: die Kurse der meisten nachhaltigen ECOreporter-Aktien-Favoriten. Man reibt sich die Augen. Kriege, Krisen und ihre Folgen rücken noch näher. Die nachhaltige Geldanlage bleibt recht stabil. Nun will die EU auch Investments in Rüstung als nachhaltig anerkennen. ECOreporter brütet über Plänen für neue redaktionelle Angebote.


Stimmen zum ECOreporter-Jubiläum:


Matto Barfuss. / Foto: Privat

"Unserem Planeten eilt die Zeit davon. Mehr denn je brauchen wir Konzepte und deren Umsetzungen, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Und präzisen Journalismus, der die Fakten und Zusammenhänge erkennt und darstellt – unabhängig und gut recherchiert. Dafür danke ich dem Team von ECOreporter!"

Matto Barfuss, Tierfilmer, Künstler. Lebte unter anderem in Kenia mit einer Gepardenfamilie, jüngster Kinofilm: „Pambara – brauchen wir einen Boss?“ In der Hauptrolle: Erdmännchen Eddi Erdmann.


Horst Hamm. / Foto: Stella Lindner

"Alle zwei, drei Tage schlägt der Newsletter von ECOreporter in meinem Postfach auf. Und fast immer werfe ich einen Blick hinein. Denn ECOreporter ist für mich seit einer gefühlten Ewigkeit eine Institution, die mir in bestmöglicher Weise hilft, den immer unüberschaubarer werdenden Markt ökologisch ausgerichteter Fonds und Geldanlagen einzuschätzen und nachhaltige Angebote von grün angestrichenen unterscheiden zu können. Dass die Redaktion jetzt ihren 25sten Geburtstag feiert, freut mich ungemein. Denn ich bin überzeugt, dass sich mit einer konsequent nachhaltigen Geldanlage die Welt verändern lässt. ECOreporter hilft dabei mit jeder einzelnen Meldung."

Dr. Horst Hamm arbeitet seit 1985 als Umweltjournalist, war drei Jahre Chefredakteur des Umweltmagazins Globus, 18 Jahre Mitglied der natur-Redaktion, ist Mitgründer des MehrWERT-Magazins und entwickelte 2019 den Uranatlas. Heute arbeitet er als freier Journalist und geschäftsführender Vorstand der Nuclear Free Future Foundation.


Christiane von Hardenberg. / Foto: Privat

"ECOreporter ist für mich die Informationsquelle, wenn es um nachhaltige Geldanlage geht: Super recherchiert, fundiert und gut aufbereitet. Herzlichen Glückwunsch zum 25-jährigen Bestehen und auf mindestens weitere 25 Jahre!"
Christiane von Hardenberg, FAZ- und ZEIT-Kolumnistin, Bestsellerautorin, Investorin.


Stefan Schaltegger. / Foto: Leuphana Universität Lüneburg

"Nachhaltige Entwicklung geschieht nur, wenn sich viele engagieren. Zuverlässige Informationen zur Umsetzung und Finanzierung der Energiewende, wie sie ECOreporter seit 25 Jahren liefert, sind für das Engagement von Bürgern und Investoren unverzichtbar."

Professor Dr. Stefan Schaltegger, Leiter des Centre for Sustainability Management und MBA Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg.

Dieser Artikel stammt aus dem gedruckten ECOreporter-Magazin 2024, das Sie hier bestellen können.

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