In dem neuen Gewächshaus sollen beispielsweise Tomaten angebaut werden. / Foto: Pixabay

  Anleihen / AIF, Crowd-Investment, Crowd-Test

Anleihe-Check: Agrarvision Gewächshaus Crowdinvesting mit 6,5 % Zins plus Bonus

Die Schneebergerhof EE GmbH & Co. KG betreibt Wind- und Solaranlagen am Schneebergerhof in Gerbach in Rheinland-Pfalz. Die Anlagen sollen künftig ein Gewächshaus mit Energie versorgen, das derzeit am Schneebergerhof gebaut wird. Um das Gewächshausprojekt teilweise zu finanzieren, bietet das Unternehmen über die Plattform Wiwin ab 250 Euro Mindestzeichnung Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von rund fünf Jahre an. Der Zinssatz beträgt 6,5 Prozent pro Jahr plus eventuellem Umsatzbonus.

Durch eine Direktleitung soll das Gewächshaus das gesamte Jahr über mit Wind- und Solarstrom sowie dem Einsatz von Wärmepumpen betrieben werden. Das Gewächshaus soll eine Fläche von ca. 3.500 Quadratmetern umfassen.

Wie nachhaltig sind das Gewächshaus-Projekt, dessen Betrieb und die Produkte wie beispielsweise Tomaten? Von wem ist die Emittentin der Anleihe abhängig? Welchen wichtigen Mietvertrag hat das Unternehmen geschlossen? Wo liegen Risiken? Antworten auf diese und weitere Fragen sowie das Fazit von ECOreporter lesen Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Mehrere Projektpartner der Emittentin

Emittentin der nachrangigen Anleihe „Agrarvision Gewächshaus Crowdinvesting“ ist die Schneebergerhof EE GmbH & Co. KG mit Sitz in Gerbach. Diese wird vertreten durch ihre Komplementärin wiwi Beteiligungs GmbH, deren Geschäftsführer Matthias Willenbacher und Daniel Güttinger sind. Matthias Willenbacher, einer der beiden Gründer der juwi AG und mittelbar alleiniger Gesellschafter der wiwin GmbH, ist vielfältig mit dem Angebot verbunden. Bei dem Schneebergerhof handelt es sich um seinen Geburtshof. Willenbacher ist Gesellschafter der Emittentin sowie laut Unternehmensregister unter anderem jeweils alleiniger Gesellschafter der wiwi Beteiligungs GmbH, der WiFood Center GmbH & Co. KG und mittelbar der Witura GmbH.

Laut Anlagebroschüre ist ein zentraler Kooperationspartner der Emittentin die WiFood Center GmbH & Co. KG, die das Gewächshaus mieten und die Produktion von Obst und Gemüse übernehmen soll. Ergänzt werde das Team um Bauexperten der Witura GmbH, die sich auf nachhaltige Bauprojekte spezialisiert habe und bei der Bauplanung und -aufsicht unterstütze. 2023 wurden laut Anlagebroschüre nach Abschluss der Verträge mit den Baudienstleistern und einer Fachfirma für Gewächshausbau, Deforche Construction Group (Belgien), die technischen Details finalisiert und Ausführungspläne erstellt.

Mietvertrag mit WiFood unterschrieben

Die Emittentin der Anleihe, die Schneebergerhof EE GmbH & Co. KG, hieß ursprünglich WiWi Windkraft Kriegsfeld II GmbH & Co. KG. Einen Jahresabschluss hat die Emittentin noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht. Laut Anlagebroschüre besitzt die Emittentin eine Windenergieanlage und vier Photovoltaikanlagen. Konkrete Informationen zu den jeweiligen Anlagen (z.B. Jahr der Inbetriebnahme, Nennleistung) sind in der Anlagebroschüre (datiert auf dem 25.3.2025) und im Basisinformationsblatt (BIB, vom 18.3.2025) nicht enthalten.

Laut BIB gibt es für das im Bau befindliche Gewächshaus bereits einen unterschriebenen Mietvertrag, der Mieterlöse von 231.000 Euro pro Jahr vorsieht. Im Jahr 2030 soll sich der Mieterlös auf 244.000 Euro erhöhen. Die Umsätze der Emittentin entstehen laut Anlagebroschüre zu großen Teilen aus den Erträgen ihrer Windenergie- und Photovoltaikanlagen. Die Emittentin geht laut Anlagebroschüre für ihr Geschäftsjahr 2025 von Betriebsausgaben von 291.500 Euro aus.

Wohin fließt das Anleihekapital?

Der Gesamtnennbetrag der Anleihe „Agrarvision Gewächshaus Crowdinvesting“ beträgt bis zu 990.000 Euro. Mit dem Emissionserlös beabsichtigt die Emittentin laut BIB, das Gewächshaus inklusive Wärmepumpe zu errichten. Insbesondere werde in die technische Ausstattung, die für die Produktionsaufnahme notwendigen Betriebsmittel sowie finale Infrastrukturmaßnahmen investiert. Ein wesentlicher Teil des Kapitals soll in die Integration erneuerbarer Energietechnologien fließen. Die geplante Inbetriebnahme ist laut BIB im Juli 2025.

Das gesamte geplante Projektvolumen für den Bau des Gewächshauses und die damit verbundenen Maßnahmen beläuft sich laut Anlagebroschüre auf etwa 3 Millionen Euro, davon sind geplante 1,86 Millionen Euro Baukosten. Die Finanzierung erfolgt laut Plan insbesondere mit der „Kurzanleihe Agrarvision Gewächshaus“, welche die Emittentin im Februar 2025 mit einem Emissionsvolumen von 750.000 Euro über Wiwin platziert hat, sowie dem aktuellen „Agrarvision Gewächshaus Crowdinvesting“. Die Laufzeit der nachrangigen Kurzanleihe Agrarvision Gewächshaus endet bereits am 31.12.2025, sodass die Emittentin bereits im Januar 2026 das Kapital für eine plangemäße Rückzahlung benötigt.

Laufzeit und Zins

Die Laufzeit der Schuldverschreibungen „Agrarvision Gewächshaus Crowdinvesting“ beginnt am 25. März 2025 und endet mit Ablauf des 31. März 2030. Der Zinssatz beträgt 6,5 Prozent pro Jahr.

Zudem ist jährlich nachträglich eine Bonuskomponente möglich, deren Eintritt und Höhe vom erzielten Jahresumsatz der Emittentin für die Geschäftsjahre 2025 bis 2029 abhängt. Bei einem Jahresumsatz von mehr als 1,25 Millionen Euro beträgt die Bonuskomponente laut BIB 1,0 Prozent, bei einem Jahresumsatz von mehr als 1,35 Millionen Euro sind es 1,5 Prozent. Die Emittentin prognostiziert in ihrer Anlagebroschüre Umsatzerlöse von 1.295.500 Euro (2025), 1.431.000 Euro (2026), 1.381.000 Euro (2027), 1.231.000 Euro (2028) und 2.131.000 Euro (2029).

Die Schuldverschreibungen werden laut BIB vorbehaltlich des Rangrücktritts und der vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre jeweils am 15. Geschäftstag nach dem 31. März eines Kalenderjahres in Höhe von 1/10 des Nennbetrages, erstmalig zum 31. März 2026, sowie am 15. Geschäftstag nach dem Laufzeitende in Höhe von 6/10 des Nennbetrages zurückgezahlt. Die Schuldverschreibungen werden laut BIB nicht an einer Börse gehandelt. Eine ISIN und WKN wurde nicht vergeben.

Nachhaltigkeit

Im Gewächshaus am Schneebergerhof sollen beispielsweise Tomaten produziert werden. Der Anbau von Tomaten in Gewächshäusern in Deutschland erfordert im Winter sehr viel Energie, weil Tomaten Wärme und Licht zum Wachstum brauchen. Der Energiebedarf ist gemäß verschiedener Studien um ein Vielfaches höher als beim Anbau von Tomaten im Winter im Südspanien (inklusive deren Transport nach Deutschland). Da beim Gewächshaus Schneebergerhof Erneuerbare Energien zum Einsatz kommen sollen, ist es möglich, dass dort in einer vollständigen Klimabilanz die CO2-Emissionen je Kilogramm Tomaten trotzdem geringer ausfallen werden.

Allerdings wird in Deutschland der Strombedarf noch nicht vollständig mit Erneuerbaren Energien gedeckt und der Wärmebedarf bislang überwiegend noch mit fossilen Energien. Insofern kann es nachhaltiger sein, den im Winter in Deutschland erzeugten Wind- und Solarstrom über Wärmepumpen zum Heizen von Wohngebäuden zu verwenden als für die Produktion eines nicht notwendigen Konsumguts wie Tomaten.

Letztlich muss sich aber auch ein Unternehmen wie WiFood an den Wünschen der Kundinnen und Kunden orientieren, um wirtschaftlich agieren zu können. Grundsätzlich besteht für Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit, im Winter das Gemüse zu verzehren, das im Herbst/Winter im Freiland in Deutschland geerntet wird. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wäre das die beste Option.

Grundsätzlich ist eine Beurteilung der Nachhaltigkeit komplex, da sie nicht nur die CO2-Bilanz beinhaltet. Beispielsweise ist es möglich, dass aufgrund von Wasserknappheit der Tomatenanbau in einigen Regionen in Südspanien mit so schwerwiegenden Schäden für ökologisch wertvolle Naturräume verbunden ist, dass die Nachhaltigkeitsbilanz für den Gewächshausanbau im Winter in Deutschland positiver ist, insbesondere bei innovativen Projekten wie dem Gewächshaus am Schneebergerhof.

Hohe Risiken

Beim der angebotenen Kapitalanlage handelt es sich um unbesicherte, nachrangige und tokenbasierte Schuldverschreibungen, die mit einer vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre ausgestattet sind. Die Zahlungsansprüche aus den Schuldverschreibungen können aufgrund der vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre bereits vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dauerhaft nicht durchsetzbar sein, und der Ausschluss dieser Ansprüche kann dauerhaft und für unbegrenzte Zeit wirken.

Das geplante Gewächshaus befindet sich in der Bauphase. Es bestehen unter anderem die Risiken, dass sich die Fertigstellung verzögert, die Baukosten außerplanmäßig steigen und Baumängel auftreten. Da die Emittentin auf Gesellschafterebene mit wichtigen Projektpartnern verflochten ist, besteht ein Potenzial für Interessenskonflikte, die zu Ungunsten der Emittentin gelöst werden könnten. Zudem besteht unter anderem das Risiko, dass wichtige Projektpartner der Emittentin, beispielsweise die Mieterin des Gewächshauses, ausfallen und Verträge nicht erfüllen können. Es ist zudem möglich, dass die Windenergie- und Solaranlagen der Emittentin mit zunehmendem Alter reparaturanfälliger werden.

Die Emittentin kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten, bis hin zur Insolvenz. Dies kann laut Anlagebroschüre insbesondere der Fall sein, wenn das Unternehmen geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat oder eine etwaig erforderliche Anschlussfinanzierung nicht einwerben kann. Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, ihr eingesetztes Kapital zu verlieren.

ECOreporter-Fazit

Das Konzept des Agrarvision Gewächshauses am Schneebergerhof ist nachhaltiger als das von konventionellen, mit fossilen Energien im Winter produzierenden Gewächshäusern. Allerdings stellt sich die Frage, ob man beispielsweise auf Tomaten aus Deutschland im Winter nicht verzichten könnte, zumindest solange Erneuerbare Energie in Deutschland noch nicht im Überfluss vorhanden ist. Da zudem die Angebotsunterlagen zu der Anleihe teilweise wenig aussagekräftig sind, müssen auch die Emittentin und ihre wirtschaftliche Perspektive mit Fragezeichen versehen werden.

Verwandte Artikel

20.04.26
 >
06.03.25
 >
27.02.25
 >
13.02.25
 >
20.03.26
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x