Sind Staatsanleihen aus Schwellenländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (im Foto Dubai), Saudi-Arabien und China ein nachhaltiges Investment? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: iShares JP Morgan Advanced $ EM Bond UCITS ETF

Der iShares JP Morgan Advanced $ EM Bond UCITS ETF (früher: iShares J.P. Morgan ESG $ EM Bond ETF) setzt nicht auf Aktien, sondern auf Anleihen – und das ausschließlich aus Schwellenländern. Welche Länder damit gemeint sind, welche Ansprüche an Nachhaltigkeit der ETF stellt und wie das Portfolio konkret aussieht, lesen Sie im ECOreporter-Test.

Anbieter des ETFs ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA. BlackRock bemüht sich um ein nachhaltiges Image, ein bedeutender Anteil des verwalteten Geldes steckt aber immer noch in Öl-, Gas- und Kohleinvestments.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im November 2019. Auf ein Jahr gesehen hat er 6,7 Prozent an Wert gewonnen und damit deutlich mehr als der weltweite Anleihenindex Merrill Lynch Global, der nur 0,7 Prozent zulegte. Auf drei Jahre betrachtet büßte der ETF 16,4 Prozent ein, der Merrill Lynch Global verlor nur 10,5 Prozent. Die von ECOreporter getestete Version des ETFs ist "Hedged to Euro", was bedeutet, dass gegenüber den in US-Dollar notierten Anleihekursen ein fester Euro-Wechselkurs festgelegt ist. Das soll Anlegerinnen und Anleger gegen Wechselkursschwankungen absichern. Die Nachhaltigkeitsbewertung bleibt davon unberührt.

Die Jahresgebühren fallen mit 0,5 Prozent etwas höher aus als bei anderen nachhaltigen ETFs, bleiben insgesamt aber günstig. Die Wertschwankungen sind sehr niedrig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Index der US-Großbank J.P. Morgan ab. Insgesamt investiert der ETF in 778 Anleihen, die von Staaten und quasi-staatlichen Stellen ausgegeben wurden. Eine Quasi-Staatsanleihe wird nicht von einem Staat, sondern von einer privaten Gesellschaft ausgegeben, an der die jeweilige Regierung mit mehr als 50 Prozent beteiligt ist.

Sämtliche Anleihen werden in US-Dollar gehandelt und stammen aus Schwellenländern, also Staaten wie Brasilien, Ägypten oder Guatemala, nach Definition der Finanzwirtschaft aber auch etwa China, Südkorea und Ungarn. Entscheidend für diese Kategorisierung ist neben der Größe einer Volkswirtschaft etwa die freie Handelbarkeit der Landeswährung und der Marktzugang für ausländische Unternehmen.

Damit eine Anleihe für den ETF infrage kommt, muss ihr staatlicher oder quasi-staatlicher Emittent eine bestimmte Mindestpunktzahl bei der ESG-Bewertung durch J.P. Morgan erhalten. ESG steht für die Kriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Anlegerinnen und Anleger finden bei diesem ETF keine Informationen, wie die ESG-Bewertung für einzelne Emittenten konkret aussieht. Im Zuge neuer EU-Vorschriften musste der ETF im Mai das "ESG" aus dem Namen streichen – um sich als ESG-ETF zu bezeichnen ist er nicht nachhaltig genug.

Alternativ wird eine Anleihe auch dann für den ETF akzeptiert, wenn sie ein sogenannter Green Bond ist. Ein Green Bond ist eine Anleihe, mit der ausschließlich in Projekte investiert wird, die einen messbaren Beitrag zum Umwelt-, Natur- oder Klimaschutz leisten. Um für den ETF als Green Bond zu gelten, muss eine Anleihe durch die britische Climate Bonds Initiative als grün zertifiziert werden. Auch dazu, welche Anleihen im ETF-Portfolio als Green Bonds eingestuft sind, gibt es vom Anbieter keine Angaben.

Für den ETF werden nur Anleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens zweieinhalb Jahren berücksichtigt. Für quasi-staatliche Emittenten gelten zudem Ausschlusskriterien.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen beteiligt sind oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen. Auch die Förderung von Ölsanden und Kohle sowie die Produktion von Tabakprodukten ist tabu.

Wohlgemerkt: Diese Kriterien gelten nur für Unternehmen im Staatsbesitz, nicht für Staaten selbst. Für diese werden keine eigenen Ausschlüsse, wie etwa das Vollstrecken der Todesstrafe, formuliert. Eine Liste aller Ausschlüsse finden Sie im Premium-Bereich.

So nachhaltig sind die Anleihen in diesem ETF

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Obwohl das Portfolio des ETFs zu 90 Prozent aus Staatsanleihen besteht, finden sich auch diverse Anleihen von Unternehmen im Staatsbesitz. Darunter etwa die staatlichen Öl- und Gaskonzerne Heritage Petroleum Company aus Trinidad & Tobago, Empresa Nacional del Petróleo aus Chile, Pertamina aus Indonesien und Quatar Energy aus Katar. Auch Anleihen der Flughäfen Mexiko City und Panama-Tocumen sind vertreten.

Weit schwerer wiegt jedoch vor allem das Investment in Anleihen aus zahlreichen Staaten mit kritischer Menschenrechtslage. So stecken im ETF Staatsanleihen der Ölnationen bzw. Ölemirate Abu Dhabi, Bahrain, Dubai, Katar, Saudi-Arabien, Schardscha und der Vereinigten Arabischen Emirate als Föderation. Auch Staatsanleihen anderer Diktaturen sind vertreten, etwa Jordanien, Ägypten und China. In allen Ländern gelten individuelle Rechte und die Meinungsfreiheit als stark eingeschränkt, zudem wird die Todesstrafe weiterhin vollstreckt.

Auffällig nachhaltige Investments gibt es im ETF nicht. Im besten Fall sind Staatsanleihen von Nationen wie Polen, Montenegro oder Chile unauffällig. Den größten Einzelposten im ETF machen Anleihen aus Saudi-Arabien aus.

Transparenz

Der Anbieter iShares veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Auswahlprinzip ist dort sehr knapp dargestellt. Der Indexanbieter J.P. Morgan liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index. Anlegerinnen und Anleger finden keine Informationen dazu, unter welchen Bedingungen insbesondere Staaten eine positive ESG-Bewertung erhalten.

Nachhaltige Wirkung

Bei einem Kauf von neu ausgegebenen Staatsanleihen fließt das Geld an den jeweiligen Staat, hat also eine unmittelbare Wirkung auf staatliche Projekte. Ob eine solche Wirkung etwa bei der Finanzierung von Ölstaaten und Diktaturen nachhaltig sein kann, erscheint aber fraglich. Zu etwaigen Dialogen mit Staaten oder Unternehmen finden Anlegerinnen und Anleger mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Stärken

  • Keine

Schwächen

  • Kein ernsthaftes Nachhaltigkeitskonzept erkennbar
  • Investments in Öl- und Gasunternehmen
  • Investments in Diktaturen mit Todesstrafe

    Fazit

    Wie der ETF Nachhaltigkeit definiert, bleibt angesichts der Anleihen in seinem Bestand ein Rätsel. Fest steht: Wer diesen ETF kauft, investiert in Anleihen von Staaten, die in großem Stil fossile Brennstoffe fördern und Menschenrechte verletzen. Ein neuer Tiefpunkt dafür, was unter dem Label "nachhaltig" vertrieben wird.

    Die ECOreporter-Noten:

    Finanzen: 3,7
    Nachhaltigkeit: 6,0

    Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

    Ausschlusskriterien

    Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle*:

    • Geächtete Waffen
    • Zivile Waffen
    • Förderung Ölsande
    • Förderung Kohle
    • Erzeugung Kohlestrom
    • Herstellung Tabakprodukte
    • Verstöße gegen den UN Global Compact

    Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle*:

    • Herstellung/Vertrieb Waffen für Militär und Sicherheitskräfte (10%)

    * Ausschlüsse gelten lediglich für quasi-staatliche Emittenten von Anleihen, also Unternehmen in Staatsbesitz. Für Staaten als Emittenten von Anleihen sind keine Ausschlusskriterien formuliert.

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests: 25.6.2024

    Name des ETFs: iShares JP Morgan Advanced $ EM Bond UCITS ETF - EUR ACC H

    ISIN: IE00BKP5L730 / WKN: A2PTCF

    Nachgebildeter Index: J.P. Morgan ESG Emerging Market Bond Index Global Diversified

    Start des ETFs: 20.11.2019

    Jährliche Gebühren: 0,5 % (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 2,5 Milliarden US-Dollar (6/2024)

    Internet: www.ishares.com

    Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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