Hält ein in den USA investierter iShares-ETF die Fackel der Nachhaltigkeit hoch? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: iShares MSCI USA SRI UCITS ETF

Nachhaltig in US-Aktien investieren, dabei fossile Energien weitgehend ausschließen – das soll der iShares MSCI USA SRI ETF. Das Kürzel „SRI“ in seinem Namen steht für "Socially Responsible Investment", frei übersetzt "nachhaltiges Anlegen". Wird der ETF seinem Anspruch gerecht? Der ECOreporter-Test zeigt, wie nachhaltig dieses Produkt ist und wie es sich finanziell entwickelt hat.

Im Index vertreten sind 127 mittlere und große US-Unternehmen. Anbieter des ETFs ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA. BlackRock bemüht sich um ein nachhaltiges Image. Aber immer noch steckt ein bedeutender Anteil der von BlackRock verwalteten Gelder in Öl-, Gas- und Kohleinvestments. Wie ist es bei diesem ETF?

Finanzen / Risiko

Der ETF startete im Juli 2016. Auf ein Jahr gesehen liegt er 15,7 Prozent im Plus, der weltweite Aktienindex MSCI World stieg im selben Zeitraum noch stärker: um 25,7 Prozent. Auf fünf Jahre hat der ETF 101,4 Prozent an Wert gewonnen und entwickelte sich damit langfristig stärker als der MSCI World, der über denselben Zeitraum 82,9 Prozent zulegte. Finanziell ist der ETF also sehr gut gelaufen.

Die Jahresgebühren sind mit 0,2 Prozent ETF-typisch günstig. Der Kurs schwankte auf Sicht von drei Jahren moderat, empfohlen wird eine Haltedauer von mindestens fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI ab. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen von MSCI. Insgesamt investiert der ETF in 176 mittelgroße und große Aktiengesellschaften aus den Vereinigten Staaten.

Der ETF legt nach dem "Best-in-Class"-Verfahren an. Zunächst müssen alle Unternehmen eine bestimmte Mindestnote für „ESG“ aufweisen. Das steht für Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Aber: Was eine gute Leistung in den einzelnen ESG-Bereichen ist, dafür gibt es keine verbindlichen Standards.

Unter allen Unternehmen, die MSCI als gut genug bewertet, wird dann in jeder Branche das nachhaltigste Viertel für den ETF ausgewählt. Zusätzlich gelten Ausschlusskriterien.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen oder Atomwaffen beteiligt sind oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen. Auch die Herstellung von zivilen Schusswaffen und Tabakprodukten ist tabu.

Unternehmen dürfen zudem nicht mehr als 5 Prozent ihrer Umsätze etwa mit der Herstellung konventioneller Waffen oder mit Glücksspielangeboten erzielen.

Erzeugt ein Konzern Atomstrom, muss dessen Anteil am Elektrizitätsmix des Unternehmens – also an der Menge Strom, die das Unternehmen insgesamt in seinen verschiedenen Kraftwerken produziert – unter 5 Prozent liegen. Für andere Geschäfte mit der Nuklearindustrie, also etwa Dienstleistungen für Atomkraftwerke oder das Liefern von Technologie, gilt eine Umsatzgrenze von 15 Prozent.

Der ETF hat bei Ausschlusskriterien allerdings offene Hintertüren: So gilt für „unkonventionelle“ Öl- und Gasförderung eine Umsatzschwelle von 5 Prozent, das schließt etwa Ölsande, Schiefergas oder Bohrungen in der Arktis ein.

Unternehmen, die Öl und Gas „konventionell“ fördern, sind nur dann vollständig ausgeschlossen, wenn sie „weniger als 40 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten, Dienstleistungen oder Infrastrukturprojekten erzielen, die die Entwicklung oder Bereitstellung von Erneuerbaren Energien und alternativen Kraftstoffen unterstützen“. Worin genau eine solche „Unterstützung“ bestehen muss oder welche „Produkte“ als „Unterstützung“ gelten, ist in den öffentlich zugänglichen Unterlagen des ETFs aber nicht näher definiert.

Mit der Erzeugung von Strom aus Kohle dürfen Aktiengesellschaften maximal auf 5 Prozent des Umsatzes kommen. Bei Umsätzen aus der Kohleförderung gilt die 5-Prozent-Grenze hingegen nur, wenn die Umsätze mit dem Verkauf an andere Unternehmen erzielt werden. Kohleförderung für die eigene Stromerzeugung oder der Verkauf innerhalb des eigenen Konzerns sind nicht eingeschränkt.

Wie nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF?

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Was heißt das alles nun praktisch für die Aktien, die im ETF sind? Ein Beispiel: Der ETF investiert in den Atomkraftwerksbetreiber Exelon. Aber Exelon hat nur einen recht geringen Umsatzanteil im Bereich Atomenergie, deswegen verstößt dieses Investment des nicht gegen die Auswahlkriterien.

Im ETF sind auch zahlreiche Konzerne der Öl- und Gasindustrie, etwa die Pipeline- und Ölfeldbetreiber Baker Hughes, Halliburton und Kinder Morgan oder der Ölraffineriebetreiber Phillips 66. Ist die Erdölbranche nicht ausgeschlossen bei diesem ETF? Nein, nur teilweise. Diese Unternehmen fördern nicht selbst Öl und Gas. Deshalb auch hier: keine Verletzung der eigenen Regeln des ETFs. Nur: Diese Aktiengesellschaften bieten Technologie und Dienstleistungen, ohne die die Förderung von Öl nicht möglich wäre.

Es gibt aber auch grüne Aktien im ETF, etwa den Solarkonzern Enphase Energy. Als überdurchschnittlich nachhaltig einzustufen sind auch der Wasserversorger American Water Works, der Konsumgüterhersteller Church & Dwight oder der Computerchipproduzent Intel.

Insgesamt investiert der ETF sehr konventionell und nicht übermäßig nachhaltig. Unter den zehn größten Positionen des ETFs sind etwa der Chipkonzern Nvidia, Tesla und Walt Disney.

Transparenz

Der Anbieter iShares veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind dort knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, finden Anlegerinnen und Anleger keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

BlackRock als Mutter des Anbieters iShares übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. In einem jährlichen „Stewardship-Report“ des Finanzkonzerns finden Anlegerinnen und Anleger allgemeine Informationen zur Stimmrechtspolitik von BlackRock, etwa, an wie vielen Hauptversammlungen das Unternehmen teilgenommen hat. Hierzu gehört auch eine Angabe darüber, wie viele Anträge zu Nachhaltigkeitsthemen BlackRock im vergangenen Jahr nach eigener Aussage unterstützt hat – allerdings erhalten Anlegerinnen und Anleger keine Informationen zum Inhalt dieser Anträge oder zu den betroffenen Konzernen. Auch zu Dialogen mit investierten Unternehmen finden sich keine Angaben.

Also: sehr schwammig. Was soll man mit der Information anfangen, dass soundsoviel Anträge zu Nachhaltigkeitsthemen unterstützt wurden? Zumal Nachhaltigkeit auch Definitionssache ist. Die EU findet Atomstrom nachhaltig - wer in Reichweite der alten belgischen oder französischen Atommeiler lebt, wird das wahrscheinlich anders sehen.

Stärken:

  • Günstige Gebühren
  • Sehr gute finanzielle Entwicklung
  • Keine Investments in Kohle

Schwächen:

  • Sehr konventionelle Aktienauswahl
  • Ausschlusskriterien mit vielen Lücken
  • Investments in Öl- und Gasunternehmen
  • Investments in Atomkraft

Fazit

Zahlreiche Lücken in den Ausschlusskriterien erlauben Investments in Öl, Gas, Atomenergie und Waffen. Die Ansprüche der meisten nachhaltigen Anlegerinnen und Anleger dürfte dieser ETF nicht erfüllen. Nachhaltigkeit ist hier mehr Marketing als Inhalt.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 1,8

Nachhaltigkeit: 5,3

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Herstellung Tabakprodukte
  • Herstellung zivile Waffen
  • Öl- und Gasförderung*
  • Besitz von Kohlereserven
  • Besitz von Ölsandreserven
  • Verstöße gegen den UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Vertrieb Tabakprodukte (5%)
  • Herstellung Alkohol (5%)
  • Vertrieb Alkohol (15%)
  • Herstellung Pornografie (5%)
  • Vertrieb Pornografie (15%)
  • Herstellung konventionelle Waffen (5%)
  • Herstellung und Vertrieb Rüstungsgüter (10%)
  • Glücksspielangebote (5%)
  • Geschäfte mit Glücksspielanbietern (15%)
  • Gentechnik in Pflanzen und Saatgut für menschlichen Verzehr (5%)
  • Geschäfte mit Atomkraft (15%)
  • Förderung von Kohle für externen Verkauf (5%)
  • Unkonventionelle Öl- und Gasförderung (5%)
  • Förderung Ölsande (5%)
  • Förderung Schiefergas (5%)
  • Erzeugung Kohlestrom (5%)

Weitere Ausschlusskriterien:

  • Anteil Atomkraft am Gesamt-Strommix (5%)
  • Anteil Atomkraft an Kraftwerkskapazitäten (5%)
  • Anteil Kohlestrom am Gesamt-Strommix (5%)
  • Anteil Öl- und Gasstrom am Gesamt-Strommix (5%)

* wenn weniger als 40 % der Einnahmen mit Produkten, Dienstleistungen oder Infrastrukturprojekten erzielt werden, die die Entwicklung oder Bereitstellung von Erneuerbaren Energien und alternativen Kraftstoffen unterstützen

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 8.7.2024

Name des ETF: iShares MSCI USA SRI UCITS ETF

ISIN: IE00BYVJRR92 / WKN: A2AFC0

Nachgebildeter Index: MSCI USA SRI Select Reduced Fossil Fuel Index

Start des ETF: 11.7.2016

Jährliche Gebühren: 0,20 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 6,4 Milliarden US-Dollar (7/2024)

Internet: www.ishares.com/de

Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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