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ETF-Test: Invesco S&P World Energy Targeted & Screened ETF
Der Invesco S&P World Energy Targeted & Screened ETF (früher: Invesco S&P World Energy ESG ETF) will weltweit in Unternehmen aus dem Energiesektor investieren und dabei auf deren Nachhaltigkeit achten. Also ohne Öl und Kohle und dafür mit viel Erneuerbarer Energie? ECOreporter hat überprüft, ob Anlegerinnen und Anleger hier eine grüne Aktienauswahl finden.
Anbieter des ETFs ist die US-Investmentgesellschaft Invesco. Sie hat rund 7.000 Beschäftigte in 25 Ländern und ist selbst börsennotiert. Invesco legt das Geld der Kundinnen und Kunden in seiner Investmentsparte auch in Öl, Kohle, Atomkraft und Rüstung an.
Finanzen/Risiko
Der ETF startete am 12. April 2023. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, vergibt ECOreporter keine Finanznote.
Die Jahresgebühren sind mit 0,18 Prozent auch für einen ETF günstig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von sieben, besser zehn Jahren.
Nachhaltigkeitskonzept
Der ETF bildet einen Aktienindex des US-Finanzkonzerns S&P Global nach. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen von S&P Global. Insgesamt investiert der ETF weltweit in 33 mittelgroße und große Aktiengesellschaften ausschließlich aus dem Energiesektor.
Für die Aktienauswahl wendet der ETF ein zweistufiges Best-in-Class-Verfahren an. Zunächst werden aus dem Aktienuniversum des nicht-nachhaltigen Aktienindex S&P World Energy die 20 Prozent der Unternehmen gestrichen, die die schlechtesten oder gar keine ESG-Noten besitzen. Zudem werden die 10 Prozent mit der höchsten CO2-Intensität aussortiert.
Das Kürzel ESG steht für Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Im Zuge neuer EU-Vorschriften musste der ETF im Mai das "ESG" aus dem Namen streichen – um sich als ESG-ETF zu bezeichnen ist er nicht nachhaltig genug. Die CO2-Intensität wird daran gemessen, wie viel CO2 ein Unternehmen je US-Dollar Umsatz ausstößt.
Von den nach diesem ersten Schritt verbleibenden Unternehmen werden wiederum die 25 Prozent mit der schlechtesten ESG-Bewertung aussortiert. Zudem werden die Unternehmen mit der höchsten CO2-Intensität gestrichen, bis alle Unternehmen im ETF gemeinsam eine um 30 Prozent geringere CO2-Intensität als der S&P World Energy aufweisen.
Das Verfahren ist vergleichsweise schwach. Letztlich werden nur die 40 Prozent schlechtesten Aktien aussortiert. Andere ETFs haben Best-in-Class-Quoten, bei denen nur die besten 25 Prozent ins Portfolio aufgenommen werden. Zudem gibt es keine Vorschriften, dass die Unternehmen ihre CO2-Intensität jedes Jahr weiter senken müssen, wie man sie bei anderen ETFs mit Vorgaben zur CO2-Intensität findet.
Ausschlusskriterien
Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen oder Atomwaffen beteiligt sind oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen. Auch die Herstellung von zivilen Schusswaffen und Tabakprodukten ist tabu.
Bei bestimmten Geschäften muss der Anteil am Umsatz eines Unternehmens unter 5 Prozent liegen. Dazu gehören etwa die Förderung von Kohle, die Stromerzeugung aus Kohle oder die Förderung von Ölsanden. Das sind allerdings die einzigen Einschränkungen für fossile Energie. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.
So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Der ETF investiert in diverse Öl- und Gasriesen, darunter etwa Exxon, Equinor, Chevron, Shell und Total Energies. Hinzu kommen Ölservice-Konzerne wie Halliburton, Kinder Morgan, Schlumberger, Subsea 7 oder TC Energy. TC Energy aus Kanada betreibt außerdem Atomkraftwerke.
Das Portfolio wird damit dominiert von großen Öl- und Gaskonzernen sowie von Unternehmen, deren Hauptgeschäft Dienstleistungen für die Förderung fossiler Energie sind. Nicht im ETF zu finden sind dagegen Unternehmen mit einer nennenswerten Ausrichtung auf Erneuerbare Energie.
Gegen seine Anlagekriterien verstößt der ETF nicht: Für konventionelle Öl- und Gasförderung gibt es keine Beschränkung, die Förderung von Ölsanden bleibt unter der Schwelle von 5 Prozent. Die im Portfolio vertretenen Unternehmen fördern auch keine Kohle oder erzeugen Strom mit ihr.
Transparenz
Invesco veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Webseite. Dort sind auch das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien ausführlich dargestellt. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Index. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs keine Informationen.
Nachhaltige Wirkung
In einem jährlich erscheinenden "Stewardship Report" äußert sich Invesco zu seinem Abstimmungsverhalten bei ESG-Themen. Dabei bietet das Unternehmen eine Übersicht, an welchen Hauptversammlungen es teilgenommen hat, und nennt Beispiele für Abstimmungen zu bestimmten Themen. Der Überblick ist aber sehr allgemein gehalten. Zu weiterführenden Dialogen mit Unternehmen finden Anlegerinnen und Anleger keine Informationen.
Stärken:
- Keine
Schwächen:
- Schwaches Aktien-Auswahlverfahren
- Schwache Ausschlusskriterien
- Nur 33 Unternehmen im ETF
- Viele Investments in fossile Energie
Fazit
Das ESG-Auswahlverfahren ist hier nicht mehr als ein Feigenblatt, das es erlaubt, einen fossilen Energie-ETF als nachhaltig zu vermarkten. Tatsächlich an Nachhaltigkeit interessierte Anlegerinnen und Anleger sollten einen großen Bogen um das Produkt machen.
Die ECOreporter-Noten:
Finanzen: --
Nachhaltigkeit: 6,0
Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.
Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.
Ausschlusskriterien
Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:
- Geächtete Waffen
- Nuklearwaffen
- Herstellung Klein- und Leichtwaffen zivil und nicht-zivil
- Herstellung Schlüsselkomponenten von Klein- und Leichtwaffen
- Herstellung Tabakprodukte
- Verstöße gegen den UN Global Compact
Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:
- Vertrieb Klein- und Leichtwaffen (5%)
- Herstellung/Vertrieb militärischer Waffen (5%)
- Kohlebergbau (5%)
- Erzeugung Kohlestrom (5%)
- Förderung Ölsande (5%)
- Vertrieb Tabakprodukte (5%)
Daten und Fakten
Stichtag des Tests: 10.10.2024
Name des ETFs: Invesco S&P World Energy ESG UCITS ETF Acc
ISIN IE000AIFGRB9 / WKN A3D3BB
Nachgebildeter Index: S&P World ESG Enhanced Energy Index
Start des ETFs: 12.4.2023
Jährliche Gebühren: 0,18 % (Gesamtkosten)
Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)
Ertragsverwendung: thesaurierend
Fondsvolumen: 10,9 Millionen US-Dollar (10/2024)
Internet: etf.invesco.com
Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich