Heiße Tage sind auch für viele nachhaltige Firmen eine große Herausforderung. / Foto: Pixabay

  Meldungen, Finanzdienstleister, Fonds / ETF

GLS Investments: Europas Wirtschaft ist unzureichend auf Hitze vorbereitet

Trotz wachsender Risiken schützen europäische Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ausreichend vor großer Hitze. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die GLS Bank-Tochter GLS Investment Management durchgeführt hat.

Die GLS Investments befragte im Rahmen ihres aktiven Engagements im europäischen Investorennetzwerk Shareholders for Change (SfC) 22 börsengelistete Unternehmen aus dem GLS-Anlageuniversum, die im Jahr 2025 zusammen mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten. Unterstützt wurde der Vermögensverwalter dabei von den SfC-Mitgliedern Etica Funds, EB-SIM and Sanso Longchamp sowie auf wissenschaftlicher Ebene der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).

Im Fokus stand die Frage, wie die Unternehmen Hitzeschutz konkret umsetzen und wo Lücken bestehen. Befragt wurden vor allem Betriebe aus Sektoren, die besonders hitzebedingten Risiken ausgesetzt sind, wie die Energie- oder Logistikbranche.

Die Umfrage untersuchte unter anderem, wie die Unternehmen Hitzerisiken erkennen und bewerten, welche Hitzeschutzmaßnahmen sie bereits einsetzen und ob Frühwarn- und Überwachungssysteme existieren. Auch die Vorbereitung auf häufigere und intensivere Hitzewellen wurde abgefragt. 

Bewusstsein vorhanden, Umsetzung lückenhaft

Die Ergebnisse zeichnen ein gemischtes Bild: Viele der befragten Unternehmen erkennen das Thema Hitze als wesentlich an und schätzen ihre eigenen Maßnahmen als ausreichend ein – doch nur wenige erfüllen nach Einschätzung von KLUG und GLS Investments die Anforderungen an strukturierten Hitzeschutz. Nur 43 Prozent der befragten Unternehmen haben die Auswirkungen von Hitze am Arbeitsplatz systematisch erfasst, etwa durch anonyme Beschwerden über Hitzebelastung. Rund 30 Prozent der Firmen haben bisher keine systematischen Hitzeschutzpläne ausgearbeitet.

Positiv hervorzuheben sind laut GLS Investments die Ansätze einiger Vorreiterunternehmen: Diese erfassen Hitzerisiken systematisch und überprüfen Maßnahmen kontinuierlich. Dazu gehört auch die Identifizierung besonders vulnerabler Personengruppen und die Evaluierung der Arbeitsorte nach ihrem Risiko für Hitzestress. Konkrete Einzelmaßnahmen zum Hitzeschutz sind weit verbreitet. So haben alle befragten Firmen nach eigenen Angaben technische und bauliche Maßnahmen umgesetzt, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Hitze zu schützen – meist durch technische Lösungen wie Klimaanlagen, seltener auch durch die Begrünung von Fassaden und Dächern. Weitere in der Breite eingeführte Maßnahmen umfassen die Bereitstellung von Getränken, an Hitze angepasste Ernährung in der Kantine oder flexible Arbeitszeiten.

Übergeordnetes Ziel der Umfrage war es, den Stand des Auf- und Umsetzens von Schutzmaßnahmen durch die Unternehmen zu dokumentieren und Hitzeschutz als festen Bestandteil von Arbeitsschutz, Klimaanpassung und Risikomanagement in Firmen zu etablieren.

Hitze bleibt ein unterschätztes Risiko

„Die Praxis zeigt: Selbst im sozial-ökologischen Investmentbereich erhält das Thema Hitzeschutz sowohl auf Unternehmens- als auch auf Investorenseite bislang zu wenig Aufmerksamkeit“, heißt es im Fazit der GLS Investments. „Dabei sprechen die Fakten für sich: So steigt das Risiko für Hitze bedingt durch die Klimaerwärmung konstant an, besonders in Städten und Ballungszentren, in denen viele Menschen arbeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bezeichnet Hitze als größtes Gesundheitsrisiko der Klimakrise und schätzt, dass weltweit 2,4 Milliarden arbeitende Menschen und damit über 70 Prozent der weltweit erwerbstätigen Bevölkerung Hitze besonders ausgesetzt sind. Allein in Deutschland verursacht ein Hitzetag mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius nach wissenschaftlichen Schätzungen aufgrund sinkender oder ausfallender Arbeitsleistung Kosten in Höhe von 431 Millionen Euro.“

Drei Forderungen an Unternehmen

Das Investorennetzwerk SfC will den angestoßenen Dialog mit den Unternehmen weiterführen. Drei zentrale Forderungen stehen dabei im Mittelpunkt:

1. Hitzestress als Risiko anerkennen – verpflichtend und messbar

Unternehmen müssen Hitzestress systematisch in ihre Arbeits- und Risikobewertungen integrieren, Hitzeexposition erfassen und gesundheitliche Auswirkungen erkennen.

2. Verantwortung übernehmen – Hitzeschutz konsequent umsetzen

Hitzeschutz braucht klare Zuständigkeiten auf Managementebene sowie wirksame technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen – von Kühlung und Verschattung bis zu flexiblen Arbeitszeiten, Pausen, Trinkwasser und geeigneter Schutzausrüstung.

3. Beschäftigte schützen – einbeziehen, informieren, schulen, befähigen

Partizipation, Frühwarnsysteme, regelmäßige Schulungen und transparente Kommunikation sind unverzichtbar, damit Beschäftigte sich bei extremer Hitze wirksam schützen können.

ECOreporter-Tests von nachhaltigen Fonds, die die GLS Investments initiiert hat, finden Sie hier.

Verwandte Artikel

08.04.26
 >
30.03.26
 >
06.03.26
 >
26.02.26
 >
19.12.24
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x