In zahlreichen als grün beworbenen Fonds und ETFs finden sich weiterhin fossile Energiekonzerne. / Foto: Shell

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Greenwashing: Viele nachhaltige Fonds investieren weiter in Öl und Kohle

Jeder dritte angeblich nachhaltige Fonds hält Wertpapiere von Unternehmen, die ihr Geld mit fossilen Energien verdienen. Das geht aus einer neuen Studie der Nichtregierungsorganisationen urgewald und Facing Finance hervor.

Die beiden NGOs haben über 14.000 als nachhaltig ausgewiesene europäische Fonds und ETFs analysiert. Das Ergebnis: Knapp 4.800 von ihnen sind mit insgesamt mehr als 120 Milliarden Euro in Unternehmen investiert, die ihr fossiles Energiegeschäft ausbauen oder keinen glaubhaften Ausstiegsplan für Kohle haben, der mit den Pariser Klimazielen übereinstimmt. Laut urgewald stecken alleine 23,5 Milliarden Euro aus „grünen“ Fonds in den Öl- und Gasriesen TotalEnergies, Shell, ExxonMobil, Chevron, Eni und BP, die allesamt fossile Expansionspläne verfolgen. In Unternehmen mit wachsendem Kohlegeschäft sind nachhaltige Fonds mit 4,5 Milliarden Euro investiert, Spitzenreiter ist hier mit 770 Millionen Euro der Schweizer Bergbaukonzern Glencore.

„Unternehmen, die in Zeiten der Klimaüberhitzung fossile Expansionsprojekte vorantreiben, gefährden unsere Zukunft“, sagt urgewald-Finanzanalystin Julia Dubslaff. „Wer so massiv gegen den Nachhaltigkeitsgedanken verstößt, hat insbesondere in ESG-Fonds nichts verloren. Dass mehr als jeder dritte Fonds, der ökologische oder soziale Merkmale bewirbt, dennoch in expandierende fossile Konzerne investiert, führt klimabewusste Anleger*innen in die Irre. Die Politik muss solche Investitionen in allen ESG-Fonds durch klare Regeln unterbinden.“

Ganz vorne mit dabei: die Deutsche Bank-Tochter DWS

Die meisten nachhaltigen Fonds und ETFs mit fossilen Investments kommen laut der Studie von der US-Bank JPMorgan Chase, die mit 105 Finanzprodukten mehr als 10 Milliarden Euro in klimaschädliche Unternehmen angelegt hat. Auf Platz zwei und drei folgen die Deutsche Bank-Tochter DWS mit 8,7 Milliarden Euro, verteilt auf 178 Fonds und ETFs, und der US-Vermögensverwalter BlackRock (8,3 Milliarden Euro in 188 Produkten). Auf Rang sechs steht die Allianz mit 3,7 Milliarden Euro in 133 Fonds. Fossile Investments in Milliardenhöhe finden sich auch bei der Sparkassentochter Deka und bei Union Investment, dem Fondshaus der Volks- und Raiffeisenbanken.

Von den aktiv gemanagten Fonds deutscher Anbieter, die Begriffe wie „nachhaltig“ oder „ESG“ im Namen tragen, hat der UniNachhaltig Aktien Infrastruktur mit 19,8 Prozent die höchste Quote fossiler Investments. Dahinter folgen der UniInstitutional Aktien Infrastruktur Nachhaltig (19,5 Prozent) und der DWS Invest ESG Next Generation Infrastructure (16,8 Prozent). Bei ETFs sind der Studie zufolge Produkte der DWS am stärksten in fossile Unternehmen investiert.

urgewald und Facing Finance begrüßen die neuen Leitlinien der EU-Marktaufsichtsbehörde ESMA, die es Fonds und ETFs ab 21. Mai untersagen, sich nachhaltig oder klimafreundlich zu nennen und gleichzeitig in Öl- oder Kohlekonzerne zu investieren. Entsprechende Finanzprodukte müssen deshalb in den nächsten Wochen entweder ihre Namen ändern oder ihre fossilen Wertpapiere verkaufen. Ersteres haben einige bereits getan (ECOreporter berichtete hier).

"Eine vertane Chance für den Verbraucherschutz"

Laut der NGO-Studie fallen allerdings zwei Drittel der analysierten Fonds und ETFs nicht unter die neuen EU-Leitlinien, weil sie keine nachhaltigkeitsbezogenen Begriffe im Namen tragen – dann greifen die ESMA-Vorgaben nicht.

„Gerade Kleinanleger*innen blicken kaum durch im ESG-Dschungel und werden oftmals gar nicht ahnen, in welch schmutzige Unternehmen sie ihr Geld investieren“, erläutert Frederike Potts, Finanz-Analystin bei Facing Finance. „Die ESMA-Leitlinien schaffen hier wenigstens bei Fonds mit Nachhaltigkeits- und Umweltbegriffen Abhilfe. Doch auch die fossilen Investitionen in anderen ESG-Fonds müssen gestoppt werden. Vollkommen unverständlich ist, warum Fonds mit dem Begriff „Transition“ an Geldanlagen in Unternehmen festhalten dürfen, die mit fossilen Expansionsprojekten die Transformation unserer Energiesysteme ausbremsen. Wenn diese Lücken nicht geschlossen werden, ist es eine vertane Chance für den Verbraucherschutz in Europa.“

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