Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Intel legt Fabrikpläne in Magdeburg auf Eis
Der US-Chipkonzern Intel verschiebt den Bau seiner Chipfabrik in Magdeburg um vorerst zwei Jahre. Die Maßnahme ist offenbar ein Ergebnis der umfangreichen Sparpläne des Unternehmens.
Intel will in Magdeburg eigentlich eine Chipfabrik und einen Industriepark errichten und dafür rund 30 Milliarden Euro investieren. 10 Milliarden Euro davon sollten als Subventionen von der Bundesregierung kommen. Die Ansiedlung des Konzerns sollte rund 3.000 Arbeitsplätze schaffen.
Intel muss sparen
Allerdings war zwar immer wieder von einem ersten Spatenstich zum Ende des Jahres gesprochen worden – ein offizieller Baustart für die Fabrik war aber nie angekündigt. Daher hatte es in den letzten Wochen vermehrt Spekulationen gegeben, dass das Projekt gefährdet sein könnte.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Bei Intel laufen die Geschäfte schlecht, das Unternehmen hat technologisch den Anschluss verloren und kann aktuell keine Chips nach den modernsten Standards anbieten. Im vergangenen Quartal fuhr der Konzern einen Milliardenverlust ein – und Analysten rechnen weiter mit roten Zahlen.
Intel hat deshalb Anfang August ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. So will der Konzern etwa 15.000 Arbeitsplätze abbauen, rund 15 Prozent der Belegschaft. Insgesamt möchte Intel zum kommenden Jahr mehr als 10 Milliarden Dollar einsparen. Nicht nur in Magdeburg, auch in Polen pausierte das Management nun seine Pläne – dort wollte der Konzern für 4,6 Milliarden Dollar eine Test- und Montageanlage bauen. Laut Berichten werden weitere Schritte bis hin zu einer möglichen Abspaltung der Chip-Produktion geprüft. ECOreporter berichtete hier.
Parallel zur Ankündigung der Sparpläne hatte Intel-Chef Pat Gelsinger bekräftigt, weiter in neue Werke investieren zu wollen – allerdings insbesondere in den USA. Intel möchte nicht nur seine Fertigung modernisieren, sondern auch ein Geschäft als Auftragsfertiger aufbauen.
Unklar ist, wie die Bundesregierung nun die eigentlich für Intel eingeplanten 10 Milliarden Euro nutzen wird. Diese müssten "zur Reduzierung offener Finanzfragen im Bundeshaushalt reserviert werden", erklärte Finanzminister Christian Lindner (FDP) auf der Online-Plattform X. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schrieb hingegen, die Gelder seien für den Klima- und Transformationsfonds (KTF) vorgesehen.
Die EU-Kommission hätte der Förderung für Intel noch zustimmen müssen. Sachsen-Anhalts Landesregierung hatte sich zuletzt immer wieder optimistisch gezeigt, dass die EU bis Ende des Jahres die staatlichen Hilfen freigeben und anschließend der Bau starten würde.
Intel-Chef Gelsinger hatte noch vor wenigen Monaten erklärt, dass in Magdeburg die modernsten Produktionsverfahren zum Einsatz kommen sollten, mit denen der Konzern technologisch wieder zur Konkurrenz aufschließen wolle. Der Produktionsbeginn war für 2027 oder 2028 erwartet worden.
Viele Schwierigkeiten
An der Börse kam die vorläufige Absage der Magdeburg-Pläne gut an. Im Tradegate-Handel ist die Intel-Aktie aktuell 6,4 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 19,99 Euro (Stand: 17.9.2024, 9:12 Uhr). Im Monatsvergleich notiert die Aktie 1,7 Prozent im Plus. Nachdem es für den Kurs in den letzten sechs Monaten knapp 50 Prozent abwärts ging, hat er im Jahresvergleich 44 Prozent an Wert eingebüßt.
ECOreporter sieht erst ab frühestens 2027 wieder Chancen auf solide Gewinne bei Intel. Allerdings steht mehr denn je infrage, inwieweit die ursprünglich engagierten Investitionspläne Wirkung zeigen, wenn der Konzern zusehends Projekte pausiert oder absagt. Die Redaktion hat Intel daher im August aus seiner Liste der ECOreporter-Favoriten-Aktien in der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige entfernt und durch die US-Baumarktkette The Home Depot ersetzt.
Aktuell rät ECOreporter defensiven Anlegerinnen und Anlegern von einem Kauf der Intel-Aktie ab. Wer einsteigen möchte, braucht in jedem Fall viel Geduld und Vertrauen in die Strategie des Konzerns.
Einen Überblick zu Chip-Aktien finden Sie in unserem Dossier Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Bis fast 3.000 % Plus in 5 Jahren - wo sich der Einstieg noch immer lohnen kann.
Lesen Sie auch: Nachhaltig in Künstliche Intelligenz investieren? Das sind die ECOreporter-KI-Aktientipps
Intel Corp.: ISIN US4581401001 / WKN 855681
Verwandte Artikel
09.03.26
>