Li-Cycle muss ein Neubauprojekt stoppen und braucht frisches Kapital. / Foto: Unternehmen

  Nachhaltige Aktien

Li-Cycle pausiert Bau von US-Anlage – Aktie verliert 55 %

Die kanadische Batterierecycling-Firma Li-Cycle hat die Bauarbeiten für ihre erste US-Anlage wegen gestiegener Kosten unterbrochen und will das Projekt überprüfen. Fest steht aber schon, dass mehr Geld gebraucht wird. Die Aktie stürzt dramatisch ab.

Wie Li-Cycle bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal mitteilte, schätzt das Unternehmen die Gesamtkosten des Projekts nun auf 850 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar. Bislang hatte das Budget des Projekts bei 560 Millionen Dollar gelegen.

New Yorker Projekt entscheidend für künftiges Geschäft

Angesichts dieser Entwicklungen habe der Vorstand beschlossen, die Bauarbeiten an dem Werk im US-Bundesstaat New York zu unterbrechen, bis eine Überprüfung des Projekts abgeschlossen ist, wie das Unternehmen erklärte. Auch die bereits in Betrieb befindlichen Spoke-Anlagen sollen im Hinblick auf ihre Rentabilität überprüft werden.

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Das Werk in New York soll als sogenannter Hub die in Li-Cycles Verarbeitungsanlagen ("Spokes") produzierte Schwarze Masse aufbereiten, die durch das Recycling von Schrott aus der Batterieherstellung und Altbatterien entsteht. Schwarze Masse ist eine pulverförmige Substanz, die eine Reihe wertvoller Metalle wie Lithium, Nickel und Kobalt enthält. Diese könnten nach der Wiedergewinnung etwa für die Herstellung neuer Elektroauto-Batterien genutzt werden.

Der Verkauf der wiedergewonnenen Materialien ist das anvisierte künftige Kerngeschäft des Unternehmens. Bislang verkauft Li-Cycle die Masse noch an externe Raffinerien. Die Fabrik in New York soll eigentlich die erste eigene Aufbereitungsanlage werden.

Ursprünglich hatte die Hub-Anlage bereits 2022 in Betrieb genommen werden sollen. Rund um die Eröffnung der Spoke-Anlage in Magdeburg hatte das Unternehmen dann davon gesprochen, dass die Fabrik "vor Ende 2023" in Betrieb gehen solle. In Europa ist ein Hub in Italien auf Sardinien geplant.

Wie Li-Cycle erklärte, arbeite man aktiv mit dem US-Energieministerium (DOE) zusammen, um die Bedingungen für eine Kreditzusage in Höhe von 375 Millionen US-Dollar für den Bau des Werks zu erfüllen. Allerdings würden für eine Fortsetzung des Bauprojekts nun zusätzliche Finanzmittel benötigt.

Barmittelbestand sinkt deutlich

Das dritte Quartal beendete das Unternehmen mit Barmitteln von etwa 137 Millionen Dollar, am 10. November lag der Barmittelbestand noch bei etwa 100 Millionen Dollar. Im Juni hatten sich die Finanzreserven noch auf 289 Millionen Dollar belaufen.

An einer deutschen Börse ist die Li-Cycle-Aktie bislang noch nicht gelistet. Hiesige Anlegerinnen und Anleger können das Papier etwa bei der Commerzbank über den Direkthandel der französischen Großbank Société Générale (LT Société Générale) kaufen. Dabei fallen zusätzliche Gebühren an.

Im US-Handel verlor die Li-Cycle-Aktie am gestrigen Dienstag 55 Prozent an Wert und fiel auf einen Preis von 0,66 Dollar (Stand: 14.11.2023, 22:00). Auf Jahressicht ist die Aktie 77,5 Prozent im Minus, seit dem Börsenstart im November 2021 hat sie 93 Prozent eingebüßt.

Ohne eigene Hubs zur Materialwiedergewinnung dürfte es für Li-Cycle schwierig werden, in die schwarzen Zahlen zu kommen – das bereits laufende Batterierecycling verdient bislang kein Geld. Gleichzeitig schrumpfen die Barreserven des Unternehmens rapide. Am Finanzmarkt ist das Vertrauen in Li-Cycle offenbar drastisch gesunken.

ECOreporter hat stets betont, dass die Li-Cycle-Aktie ein hochspekulatives Investment ist. Die Zukunftsaussichten haben sich nun noch einmal deutlich eingetrübt. Auch als Wette für Anlegerinnen und Anleger, die auf ihr eingesetztes Kapital verzichten können, scheint die Aktie aktuell wenig attraktiv.

Aussichtsreichere Recycling-Aktien finden Sie in unserem Dossier Müll, Schrott, Recycling: Die besten Aktien der Kreislaufwirtschaft.

Li-Cycle Holdings Corp.: ISIN CA50202P1053 / WKN A3CWUT

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