Meyer Burger steht bei der Suche nach Finazierungsmöglichkeiten unter Zeitdruck. / Foto: Meyer Burger

  Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie

Meyer Burger mit tiefroten Zahlen – Geschäftstätigkeit bedroht

Der Schweizer Solarkonzern Meyer Burger hat seinen mehrfach verschobenen Halbjahresbericht 2024 vorgelegt. Der Verlust fällt noch höher aus als erwartet – das Unternehmen kann "keine Garantie" dafür geben, dass die Geschäftstätigkeit fortgeführt werden kann.

Zwischen Januar und Juni betrug der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) 123,5 Millionen Franken, nach einem Minus von 43,3 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich vervielfachte sich der Nettoverlust von knapp 65 Millionen Franken auf 317 Millionen Franken (338 Millionen Euro).

Hohe Finanzierungslücke – Zeit drängt

Damit fiel das Ergebnis drastisch schlechter aus als von Analysten erwartet. Diese hatten im Schnitt mit einem Verlust von 103 Millionen Franken gerechnet. Meyer Burger musste eigenen Angaben zufolge deutlich höhere Abschreibungen und Wertberichtigungen auf US-Anlagen vornehmen. Das Unternehmen hatte im September seine Pläne für eine Solarzellenfertigung in den Vereinigten Staaten aufgegeben, wodurch dortige Investitionen deutlich an Wert verloren haben.

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Der Umsatz halbierte sich (laut Meyer Burger "erwartungsgemäß") auf 48,7 Millionen Franken (52 Millionen Euro). Mit der Schließung der Modulproduktion im sächsischen Freiberg im ersten Quartal 2024 hat sich die Leistungskapazität der produzierten Solarmodule auf rund 105 Megawatt (MW) reduziert. Gleichzeitig sank der Modul-Lagerbestand von 365 MW per Ende 2023 auf 340 MW zum Ende ersten Halbjahres 2024.

Meyer Burger will nun die Umsetzung seiner bereits eingeleiteten Restrukturierungs- und Finanzierungsmaßnahmen mit erhöhtem Tempo vorantreiben. Zusätzliche Liquidität soll auch durch den Verkauf von Solarmodulen aus Lagerbeständen sowie von "nicht mehr benötigten Vermögenswerten" gesichert werden. Meyer Burger zufolge gibt es eine Finanzierungslücke "in hoher zweistelliger Millionenzahl".

"In diesem Zusammenhang steht der Verwaltungsrat in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einer Gruppe von Inhabern der bestehenden Wandelschuldverschreibungen mit Fälligkeit im Jahr 2027 beziehungsweise 2029", so Meyer Burger in seiner Mitteilung zu den Zahlen. Diese hätten "ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, frisches Kapital bereitzustellen, um die bestehenden Verbindlichkeiten unter den Wandelanleihen umzustrukturieren". Vorbehaltlich der Zustimmung von Kreditgebern "strebt das Unternehmen an, die Umstrukturierung in naher Zukunft durchzuführen".

Um eine Pleite abzuwenden, muss Meyer Burger diese Restrukturierungs- und Finanzierungsaktivitäten allerdings "in sehr kurzer Frist" umsetzen, wie das Unternehmen selbst erklärt. Es gebe zudem "keine Garantie, dass dies möglich sein wird oder zu Bedingungen, die für Meyer Burger und ihre Aktionäre attraktiv sind".

Gleichzeitig fährt Meyer Burger seine Solarmodul-Produktion in Goodyear in den USA hoch. Im laufenden zweiten Halbjahr 2024 sollen deutlich mehr Module produziert werden, die das Unternehmen nach eigener Aussage aufgrund von langfristigen Abnahmeverträgen sofort verkaufen kann. Das soll sich im zweiten Halbjahr positiv auf den Umsatz auswirken. Sollte die Umstrukturierung gelingen, will Meyer Burger 2026 die Gewinnzone erreichen.

Wie steht ECOreporter zur Aktie?

Als Schweizer Wertpapier ist die Aktie von Meyer Burger in Deutschland nur eingeschränkt handelbar (mehr dazu erfahren Sie hier). Am außerbörslichen deutschen Handelsplatz der Baader Bank aus Unterschleißheim bei München notiert die Aktie aktuell 5,4 Prozent im Minus zum Vortag bei 1,20 Euro (Stand: 6.11.2024, 12:26 Uhr). Im Monatsvergleich ist die Aktie 24,7 Prozent im Minus, auf Jahressicht hat sie 98,5 Prozent an Wert verloren.

ECOreporter rät weiterhin klar vom Kauf der Meyer Burger-Aktie ab. Ob es dem Unternehmen gelingt, sich das benötigte Kapital zu besorgen, ist unsicher – wie Meyer Burger selbst erklärt. Auch sonst bleibt der Ausblick unklar. Bei der Neuausrichtung auf den US-Markt hat das Unternehmen schon mehrere Rückschläge verkraften müssen. Die Aktie ist zudem bereits seit Längerem vor allem ein Spekulationsobjekt.

Meyer Burger Technology AG: ISIN CH1357065999 / WKN A40H1E

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