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Mikrofinanz: Darum sind Kreditzinsen von 30 % oder mehr kein Wucher
Mikrofinanzfonds erzielen eine hohe soziale Wirkung. Kritiker stören sich aber an den oft hohen Zinsen für die Kleinstkredite, die mit diesen Fonds finanziert werden. Der Frankfurter Mikrofinanzanbieter Invest in Visions erklärt, warum die Mikrokreditzinsen nicht das Niveau haben können, das wir hierzulande gewohnt sind.
Mikrofinanzfonds sammeln in den Industrieländern Kapital ein und verleihen es an Mikrofinanzbanken in Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese Institute vergeben Darlehen an Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer, die sich damit eine wirtschaftliche Existenz aufbauen. Für viele Menschen sind Mikrokredite die einzige Möglichkeit, sich auf seriösem Wege Geld zu beschaffen.
"Ein kostenintensives Geschäftsmodell“
Die Zinsen für die Kleinstkredite liegen in vielen Ländern des Globalen Südens bei etwa 15 bis 30 Prozent. Das klingt nach sehr viel, hat aber nachvollziehbare Gründe. „Mikrofinanz ist ein kleinteiliges und kostenintensives Geschäftsmodell“, erläutert Michael Zink, Chief Customer Officer von Invest in Visions (IIV), in einem Blog auf der IIV-Website. „Endkreditnehmer können ihre wirtschaftliche Aktivität häufig nicht formal nachweisen. Dennoch müssen Mikrofinanzinstitute die Kreditwürdigkeit prüfen und laufend validieren. Dazu führen Kundenberater Vor-Ort-Besuche durch, um die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und die Rückzahlungsfähigkeit einzuschätzen. Je entlegener die Region und je häufiger die erforderlichen Besuche, desto höher die operativen Kosten.
Neben Personal- und allgemeinen Betriebskosten stellt der Finanzaufwand den größten Kostenblock dar – dazu zählen Zinszahlungen auf Kundeneinlagen, Fremdfinanzierungskosten für die Darlehen der Mikrofinanzfonds, Rückstellungen zur Risikovorsorge sowie Kosten für Währungsabsicherung und Konvertierung. Viele Institute tauschen die vom IIV Mikrofinanzfonds bereitgestellten Mittel über die lokale Notenbank in die jeweilige Landeswährung, was Konvertierungskosten verursacht. Unter Berücksichtigung der kurzen Laufzeiten, geringen Kreditvolumina, intensiven Kundenbetreuung sowie des allgemein erhöhten Zinsumfelds können daher Zinssätze zwischen 15 und 30 Prozent pro Jahr je nach Land und Region ökonomisch angemessen sein.“
Die Renditen sind moderat
Nach Angaben von Zink betragen die durchschnittlichen Zinsen, die der IIV Mikrofinanzfonds für neu abgeschlossene Darlehen erhält, auf US-Dollar-Basis derzeit ungefähr 7,0 bis 7,5 Prozent und auf Euro-Basis etwa 5,0 bis 5,5 Prozent. Die Kapitalrendite der Partnerinstitute des IIV Mikrofinanzfonds lag laut Zink im dritten Quartal 2025 bei durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr – kein hoher Wert.
Michael Zink erläutert das Zustandekommen der Zinsen für die Endkunden in dem Blog-Beitrag anhand eines konkreten Beispiels mit besonders hohen Zinssätzen: „Das Mikrofinanzinstitut BRAC in Tansania vergibt sogenannte „Microfinance and Agri Finance loan products“ mit Zinssätzen von 3,5 bis 5 Prozent pro Monat ohne Stellung von Sicherheiten. Das entspricht einem nominalen Zinssatz von 42 bis 60 Prozent. Die durchschnittliche Darlehenshöhe in dem Programm liegt bei 379 US-Dollar. Die Darlehen haben eine reguläre Laufzeit von 6 bis 12 Monaten, allerdings sind die Darlehen „amortisierend“ ausgestattet, das bedeutet, sie werden über die Laufzeit komplett getilgt. Die Kostenbelastung für das Mikrofinanzinstitut ist immens. Zu den durchschnittlichen Personalkosten von 70 US-Dollar pro Darlehen kommen Refinanzierungskosten von ca. 12 Prozent in lokaler Währung und andere operative Kosten, Steuern und Ausfälle. Für reguläre Banken wäre dieses Geschäft uninteressant, darum gibt es die Mikrofinanzinstitute wie BRAC, die trotz geringer Margen die finanzielle Inklusion vorantreiben.“
Obwohl die Zinsen nominal hoch sind, profitieren die meisten Endkunden von den Mikrokrediten. „Viele Kleinstunternehmer in Entwicklungs- und Schwellenländern erzielen bereits mit geringem Kapitaleinsatz prozentual hohe Erträge“, schreibt Zink. „Dadurch sind sie oft in der Lage, ihre Kredite innerhalb kurzer Zeit vollständig zu tilgen. Rückzahlungsquoten von über 95 Prozent bestätigen die Tragfähigkeit des Modells und die Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmenden.“ Die einzige Finanzierungsalternative seien für viele Kundinnen und Kunden „informelle Kreditgeber bzw. Kredithaie, die mitunter Zinsen von über 20 Prozent pro Woche (!) verlangen und bei der Durchsetzung ihrer Forderungen wohl selten verantwortungsvolle Standards einhalten“.
Den kompletten Blog-Beitrag können Sie hier lesen.
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