Infineon hat einen jahrelangen Rechtsstreit über die Ausgliederung seines Speicherchip-Geschäfts beendet. / Foto: Infineon

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Millionenvergleich: Infineon einigt sich mit Qimonda-Insolvenzverwalter

Der Halbleiterhersteller Infineon hat sich im jahrelangen Rechtsstreit um die Insolvenz seiner Speicherchip-Tochter Quimonda auf eine Einigung eingelassen. Der Konzern aus Neubiberg bei München leistet eine Millionenzahlung.

Infineon einigte sich laut eigener Mitteilung mit dem Qimonda-Insolvenzverwalter auf eine Zahlung von 753,5 Millionen Euro. Die Vergleichssumme ergibt sich demnach aus 800 Millionen Euro abzüglich Anrechnungsbeträgen aus früheren Verträgen mit dem Insolvenzverwalter. Ursprünglich hatte der Insolvenzverwalter rund 3,4 Milliarden Euro zuzüglich Zinsen gefordert.

Infineon bleibt "von der Unbegründetheit der Klage überzeugt"

Mit dem Vergleich werde der seit Ende 2010 am Landgericht München I anhängige Rechtsstreit beendet, so Infineon in der Mitteilung. Alle Rechtsstreitigkeiten und Ansprüche des Insolvenzverwalters gegen Infineon seien damit vom Tisch. Das Gericht muss den Vergleich noch feststellen.

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Infineon will für den Vergleich seine für den Rechtsstreit gebildeten Rückstellungen von 212 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Der darüber hinausgehende Betrag werde das Ergebnis 2024 und den Cashflow aus nicht fortgeführten Aktivitäten belasten, so das Unternehmen. Die Zahlung soll aus vorhandenen Barmitteln erfolgen.

Infineon hatte sein Speichergeschäft 2006 ausgegliedert. Anfang 2009 hatte Quimoda Insolvenz beantragt, nachdem ein drastischer Preisverfall bei Speicherchips zu hohen Verlusten geführt hatte. Allein in Deutschland waren davon 4.600 Beschäftigte betroffen, neben der Zentrale in München vor allem im Chipwerk Dresden. Zudem hatte Qimonda eine Fabrik im US-Bundesstaat Virginia. Die Schwierigkeiten bei Qimonda hatten mehrfach auch die Bilanz von Infineon belastet.

Der Quimoda-Insolvenzverwalter hatte Infineon unter anderem vorgeworfen, das Speicherchip-Geschäft zu überhöhten Preisen ausgegliedert zu haben. Der Konzern hatte zunächst angekündigt, sich durch alle Instanzen dagegen zur Wehr zu setzen.

Nun erklärte Infineon, man sei zwar weiter von der Unbegründetheit der Klage überzeugt. Diese gerichtlich feststellen zu lassen, hätte jedoch eine weitere langjährige Prozessführung vorausgesetzt, womöglich über mehrere Instanzen hinweg, und wäre mit einer hohen Unsicherheit verbunden gewesen. Die jetzige Entscheidung habe daher auf einer Abwägung der Prozess- und sonstigen Risiken beruht. Der getroffene Vergleich sei letztlich "für beide Seiten akzeptabel".

Die Infineon-Aktie startete heute mit einem deutlichen Minus in den Handel, erholte sich aber wieder und notiert aktuell praktisch unverändert zum Vortag bei 32,05 Euro (Stand: 23.8.2024, 12:09 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 3,6 Prozent im Plus, im Jahresvergleich hat sie 2,5 Prozent an Wert eingebüßt.

Aktie nur für Risikofreudige

Nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2023/24 hatte Infineon Anfang August angekündigt, 1.400 Stellen zu streichen und Jobs in Billiglohnländer zu verlagern. Zudem sollen andere, bereits länger angekündigte Sparmaßnahmen weiterhin wie geplant durchgeführt werden. Das Unternehmen leidet gerade im Automobilsektor unter einer geringeren Nachfrage.

ECOreporter sieht weiter Potenzial bei der Aktie. Im Geschäftsjahr 2022/23 hatte Infineon einen Rekordgewinn erzielt, und auch in der aktuellen Flaute erreicht der Konzern noch solide Margen. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für das laufende Geschäftsjahr und 14 für 2024/25 ist die Aktie vertretbar bewertet.

Ein Risiko bleibt die Abhängigkeit Infineons vom chinesischen Markt. Der Konzern erzielt ungefähr ein Drittel seines Umsatzes in China, und die chinesische Regierung drängt einheimische Unternehmen dazu, künftig möglichst viele Halbleiter selbst zu fertigen - auch im für Infineon wichtigen Automobilbereich. Die Aktie ist damit nach Einschätzung der Redaktion keine Option für vorsichtige Anlegerinnen und Anleger. Risikofreudigere Investoren mit langem Anlagehorizont können hingegen weiterhin mit einer kleinen Position einsteigen.

Lesen Sie auch unser Dossier Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Bis fast 3.000 % Plus in 5 Jahren - wo sich der Einstieg noch immer lohnen kann.

Infineon Technologies AG: ISIN DE0006231004 / WKN 623100

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