Infineon wartet darauf, dass sich die Lager der Kunden leeren. / Foto: Infineon

  Nachhaltige Aktien

Infineon: Nach Gewinneinbruch fallen 1.400 Stellen weg

Die Erholung in Teilen der Chip-Branche lässt länger auf sich warten als erhofft. Beim größten deutschen Halbleiterkonzern Infineon sind Umsatz und Gewinn zuletzt deutlich zurückgegangen. Jetzt wird noch stärker der Rotstift angesetzt. Wie reagiert die Aktie?

Infineon setzte im letzten Quartal 3,7 Milliarden Euro um. Das sind 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Unternehmensangaben zufolge sitzen viele Kunden weiterhin auf hohen Lagerbeständen und bestellen daher weniger neue Chips. Weil Infineon deshalb seine Produktionskapazitäten nicht auslasten kann, Fixkosten aber in unveränderter Höhe anfallen, ist der Nettogewinn im letzten Quartal um die Hälfte auf 403 Millionen Euro eingebrochen.

Infineon-Finanzvorstand Sven Schneider rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit Leerstandskosten von 800 Millionen Euro. In einem normalen Jahr sind es 150 Millionen Euro.

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Der Konzern will deshalb jetzt 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen und Jobs in Billiglohnländer verlagern. Zudem sollen andere, bereits länger angekündigte Sparmaßnahmen weiterhin wie geplant durchgeführt werden. Die Entlassungen dürften vor allem das Werk in Regensburg betreffen, in dem Chips verpackt werden – laut Infineon-Chef Jochen Hanebeck sind hier die Kosten zu hoch.

Eine schnelle Geschäftserholung erwartet Hanebeck nicht, für das am 30. September endende aktuelle Bilanzjahr geht er mittlerweile von 15 Milliarden Euro Umsatz aus. Im Mai lag die Prognose noch bei 15,1 Milliarden Euro, im Februar sogar bei 17 Milliarden Euro.

Was momentan für Infineon spricht: Die Umsätze mit Chips für die Automobilindustrie, das wichtigste Segment des Konzerns, sind zuletzt wieder gestiegen und entwickeln sich auch im Branchenvergleich gut.

Im aktuell sehr angespannten Börsenumfeld hat die Infineon-Aktie heute 0,8 Prozent an Wert verloren und kostet derzeit 29,45 Euro (Stand 5.8.2024, 11:07 Uhr). Der Kurs schwankte in den letzten Jahren deutlich, hat sich langfristig aber positiv entwickelt. Im Jahresvergleich ist die Aktie 23 Prozent im Minus, auf fünf Jahre gesehen hat sie 81 Prozent zugelegt.

Keine Aktie für defensive Anleger

ECOreporter sieht weiter Potenzial bei der Aktie. Im Geschäftsjahr 2022/23 hatte Infineon einen Rekordgewinn erzielt, und auch in der aktuellen Flaute erreicht der Konzern noch solide Margen. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für das laufende Geschäftsjahr und 14 für 2024/25 ist die Aktie vertretbar bewertet.

Ein Risiko bleibt die Abhängigkeit Infineons vom chinesischen Markt. Der Konzern erzielt ungefähr ein Drittel seines Umsatzes in China, und die chinesische Regierung drängt einheimische Unternehmen dazu, künftig möglichst viele Halbleiter selbst zu fertigen - auch im für Infineon wichtigen Automobilbereich. Die Aktie ist damit nach Einschätzung der Redaktion keine Option für vorsichtige Anlegerinnen und Anleger. Risikofreudigere Investoren mit langem Anlagehorizont können hingegen weiterhin mit einer kleinen Position einsteigen.

Lesen Sie auch unser Dossier Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Bis 1.800 % Plus in fünf Jahren.

Infineon Technologies AG: ISIN DE0006231004 / WKN 623100

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