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Nachhaltige Aktien, Anleihen / AIF, Crowd-Investment, Fonds / ETF
Nachhaltige Investments: 10 Anlageklassen kompakt erklärt
Was ist der Unterschied zwischen Aktien und Anleihen? Warum sind ETFs günstiger als Fonds? Was machen ELTIFs anders als AIFs? ECOreporter erklärt Ihnen zehn Geldanlageklassen und sagt Ihnen auch, womit Sie die größte nachhaltige Wirkung erzielen können.
Aktien
Wer Aktien kauft, erwirbt Anteile an einem Unternehmen und darf auf den Jahreshauptversammlungen an Abstimmungen teilnehmen. Als Mitbesitzer des Unternehmens werden Aktionäre an Gewinnausschüttungen (Dividenden) beteiligt, sie haben aber keinen Anspruch darauf, dass jedes Jahr eine Dividende gezahlt wird.
Die Gesamtrendite von Aktien-Investments ergibt sich aus den Dividenden plus den Kurssteigerungen. Auch die sind jedoch nicht garantiert. Läuft es für eine Aktiengesellschaft schlecht oder geht sie gar pleite, ist der Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Dem stehen Gewinnchancen gegenüber, die höher sind als bei den meisten anderen Anlageklassen: In den letzten Jahrzehnten warfen Aktien im Schnitt 6 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr ab. Manchmal verwirrend: Längst nicht alle Aktiengesellschaften sind börsennotiert, manche Aktie kann nur außerhalb der regulären Handelsplätze oder auch gar nicht gehandelt werden.
ECOreporter empfiehlt: Verringern Sie Ihr Risiko, indem Sie in möglichst viele, über zahlreiche Branchen und Länder verteilte Aktien investieren. Am einfachsten geht das mit Fonds und ETFs. Wollen Sie nur in Einzelaktien anlegen, sollte Ihr Portfolio mindestens 20 Papiere solider Unternehmen enthalten.
Einen Überblick über das nachhaltige ECOreporter-Aktienuniversum erhalten Sie hier.
Fonds
Mit dem Begriff „Fonds“ sind für gewöhnlich offene Investmentfonds gemeint, die in Aktien, Anleihen oder andere Fonds anlegen, keine begrenzte Laufzeit haben und problemlos öffentlich gehandelt werden können. Fonds sind genauso wie Einzelaktien oder ETFs Wertpapiere und werden in Wertpapierdepots bei Banken oder Online-Brokern aufbewahrt. Wichtig zu wissen: Rutscht der Depotanbieter in die Pleite, bleiben Sie Besitzer der Wertpapiere, denn diese gelten rechtlich als Sondervermögen und fallen nicht in die Insolvenzmasse. Vor möglichen Kursverlusten der Papiere schützt Sie das aber natürlich nicht, das bleibt Ihr Risiko.
Totalverluste sind bei Fonds unwahrscheinlich, da sie meist in viele Aktien oder Anleihen investieren. ECOreporter-Ratschlag: Achten Sie bei der Fondsauswahl darauf, in wie viele Papiere aus welchen Branchen und Ländern ein Fonds anlegt – das ist entscheidend für das Risiko. Breit aufgestellte Fonds sind auf lange Sicht meist sicherer als kleine Produkte, die beispielsweise nur in die Solarbranche oder in KI-Firmen investieren. Ebenfalls wichtig: Behalten Sie im Hinterkopf, dass Fonds mit hohen Jahreskosten von 2 Prozent oder mehr langfristig möglicherweise schlechter laufen werden als vergleichbare, günstigere Produkte. Und versuchen Sie die beim Kauf von Fondsanteilen fällig werdenden Einmalkosten (den sogenannten Ausgabeaufschlag) zu minimieren oder ganz zu umgehen. Der Ausgabeaufschlag liegt häufig bei 3 bis 5 Prozent des Kaufwertes.
Mehr zu nachhaltigen Fonds und über 100 Produkttests finden Sie hier.
ETFs

Handelsplatz Frankfurt. Viele, aber längst nicht alle Finanzprodukte können über Börsen gehandelt werden. / Foto: imago, Eibner
ETFs sind börsennotierte Fonds (Exchange-Traded Funds). Bedeutet: Sie können direkt über die Börse gehandelt werden, und für sie fallen keine Ausgabeaufschläge an. Zudem sind die Jahreskosten oft sehr niedrig, da die meisten ETFs einfach passiv Aktien- oder Anleihenlisten wie den deutschen Aktienindex DAX oder den MSCI World Index nachbilden, während Fonds für gewöhnlich ein Management haben, das die Investments aktiv auswählt und dafür natürlich bezahlt werden möchte. Große ETFs berechnen häufig nur Jahreskosten von 0,1 bis 0,3 Prozent.
ECOreporter hat hier 180 nachhaltige ETFs getestet.
Anleihen
Wer eine Anleihe kauft, beteiligt sich nicht wie bei Aktien an einem Unternehmen, sondern leiht diesem lediglich Geld. Daher haben Anleihen (formal heißen sie Schuldverschreibungen) ein festes Ablaufdatum, zu dem dieses Geld vollständig zurückgezahlt wird (falls das Unternehmen nicht zahlungsunfähig geworden ist). Zudem erhalten die Anleger während der Laufzeit einer Anleihe feste Zinsen.
Wenn Sie eine Anleihe bis zum Laufzeitende halten, haben Sie kein Kursrisiko. Verkaufen Sie ein Papier vorzeitig, sind hingegen Verluste möglich, falls die Anleihe zu dem Zeitpunkt unter ihrem Einstandspreis, dem sogenannten Nenn- oder Nominalwert, gehandelt wird. Viele Anleihen sind börsennotiert, sodass Sie jederzeit sehen können, wie viel sie gerade wert sind. Bei Papieren, die nicht an einer Börse gelistet sind, ist es oft schwieriger, den aktuellen Wert festzustellen und einen Käufer zu finden. Auch für Anleihen gibt es Fonds und ETFs.
Anleihen werden nicht nur von Unternehmen auf den Markt gebracht, auch Staaten finanzieren sich über Schuldverschreibungen. Staatsanleihen wirtschaftlich stabiler Länder gelten als weitestgehend sichere Investments, weil die Ausfallrisiken und Kursschwankungen gering sind, und können eine Alternative oder Ergänzung zu Tages- und Festgeld sein.
Lesen Sie unsere Überblicke über kleine grüne Anleihen und nachhaltige Anleihen großer Konzerne.
Tages- und Festgeld
Der sicherste Weg, Geld anzulegen: Sie parken es bei einer Bank und erhalten dafür fixe Zinsen. Für Ersparnisse, auf die sie jederzeit zugreifen können möchten, ist ein Tagesgeldkonto die erste Wahl. Festgeld bringt zwar höhere Renditen, hat aber feste Laufzeiten und kann meist nicht vorzeitig gekündigt werden.
ECOreporter-Tipp: Überlassen Sie Ihr Geld nur soliden Banken aus Ländern, in denen es eine verlässliche Einlagensicherung gibt. Denn anders als Wertpapiere sind Fest- und Tagesgelder nicht grundsätzlich geschützt, wenn eine Bank bankrottgeht. In EU-Ländern ersetzt der Staat bei einer Bankenpleite 100.000 Euro pro Anleger und Institut.
Hier geht es zu unseren aktuellen Tages- und Festgeldübersicht.

Der größte deutsche ELTIF ist der auf Erneuerbare Energien ausgerichtete Klimavest der Commerzbank-Tochter Commerz Real. / Foto: Elysium
AIFs und ELTIFs
Alternative Investmentfonds (AIFs) unterscheiden sich von Aktien- oder Anleihenfonds dadurch, dass sie nicht in Wertpapiere investieren, sondern beispielsweise direkt in Erneuerbare-Energie-Parks. Wer in einen AIF einsteigt, wird häufig Kommanditist in einer Kommanditgesellschaft (KG), die etwa Betreiberfirmen von Windparks kauft. Kommanditisten sind an den Unternehmensgewinnen beteiligt. Wollen sie sich von ihren Anteilen trennen, ist dies allerdings deutlich schwieriger als bei einer Aktiengesellschaft, da es keine regulierten öffentlichen Handelsplätze für Kommanditanteile gibt. AIFs eignen sich nur für erfahrene Investoren. Zudem ist der Einstieg oft erst ab 50.000 Euro möglich.
ELTIFs (European Long-Term Investment Funds) sind spezielle AIFs, die sich an ein breiteres Publikum richten. Bei ihnen kann man häufig schon mit kleinen Summen einsteigen, und im Gegensatz zu herkömmlichen AIFs, die feste Laufzeiten haben, ist es bei ELTIFs nach einer Mindesthaltedauer (oft zwei Jahre) möglich, Anteile an den Fondsverwalter zurückzugeben. Kritiker bemängeln an ELTIFs und AIFs die teils hohen und nicht immer transparenten Kosten, die schwierig zu prognostizierenden Renditen und die eingeschränkten Rückgabemöglichkeiten, wenn ein ELTIF nicht ausreichend liquide ist. Am besten einzuschätzen sind die Chancen und Risiken bei Mikrofinanzfonds, die meist als AIFs aufgelegt werden.
Nachrangdarlehen
Nachrangdarlehen gehören zu den beliebtesten Finanzprodukten auf Crowd-Plattformen. Das liegt nicht nur an den vergleichsweise geringen gesetzlichen Vorgaben und damit Kosten für die Anbieter, sondern auch an einer bilanziellen Besonderheit: Während das Geld, das Unternehmen über eine Anleihe erhalten, als Fremdkapital gilt, können die Zuflüsse aus einem Nachrangdarlehen teilweise als Eigenkapital verbucht werden. Daher sind Nachrangdarlehen besonders für schwach finanzierte, häufig junge Unternehmen interessant, die nicht über genügend Eigenkapital verfügen, um ausreichend Bankkredite zu bekommen.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das erhöhte Risiken, denn bei unterfinanzierten Firmen ist die Insolvenzgefahr vergleichsweise groß. Und wenn ein Unternehmen in die Pleite rutscht, stehen die Nachrangdarlehensgeber besonders schlecht da, denn ihre Ansprüche sind nachrangig, das heißt sie werden erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger, beispielsweise Banken, ihr Geld erhalten haben. Dann ist in einer Insolvenz aber häufig nichts mehr da, was verteilt werden kann. ECOreporter rät bei den meisten Nachrangdarlehensangeboten: Investieren Sie hier nur Vermögen, auf das Sie ohne größere Bauchschmerzen verzichten können.
Genussscheine
Genussscheine weisen Merkmale von Aktien und Anleihen auf. Mit dem Kauf leihen Sie einem Unternehmen Geld – oft für einen fest definierten Zeitraum, manchmal aber auch unbefristet. Dafür erhalten Sie ein Anrecht (Genussrecht) auf eine Beteiligung an den Gewinnen des Unternehmens, ähnlich einer Aktiendividende. Es kann aber auch ein fixer jährlicher Zins gezahlt werden oder ein Mix auf Gewinnbeteiligung und festem Zins. Bei Verlusten müssen Sie in der Regel kein Kapital nachschießen. Endet die Laufzeit eines Genussscheins, erhalten Sie vom Unternehmen Ihre komplette Einlage zurück.
Weil Genussscheine Wertpapiere sind, können Sie gehandelt werden, allerdings meist nicht über die Börse. ECOreporter empfiehlt Genussscheine nur erfahrenen Anlegerinnen und Anlegern, die die teils komplexen Wertpapierprospekte verstehen und die Gewinnaussichten von Unternehmen einschätzen können. Bei noch nicht profitablen Firmen ist das Risiko hoch, dass Genussrechtsinhaber über die komplette Laufzeit keine Gewinnbeteiligung erhalten. Und im Falle einer Insolvenz werden Genussscheine meist wie nachrangige Anleihen behandelt. Sprich: Es droht ein Totalverlust.
Genossenschaftsanteile

In Deutschland gibt es zahlreiche grüne Energiegenossenschaften, beispielsweise Green Planet Energy. / Foto: Marc-Oliver Schulz, Green Planet Energy
Wer sich an einer Energiegenossenschaft oder einer Genossenschaftsbank beteiligt, wird Mitglied in einer eingetragenen Genossenschaft (eG). Geldanlage steht dabei meist nicht im Vordergrund, einige Genossenschaften schütten jedoch attraktive Renditen aus und sind daher auch für Investoren interessant. Allerdings nehmen manche Genossenschaften ausschließlich Mitarbeitende und Kunden auf oder erlauben pro Mitglied nur wenige Anteilskäufe – so leicht zugänglich wie Aktien sind Genossenschaftsanteile nicht.
Anlegerinnen und Anleger sollten außerdem beachten: Für die Rückgabe von Anteilen können mehrjährige Kündigungsfristen gelten, und manchmal gibt es für Mitglieder eine Nachschusspflicht, wenn die Genossenschaft in Schwierigkeiten gerät. Das kann teuer werden.
Acht nachhaltige Genossenschaften stellt ECOreporter hier vor.
Zertifikate
Zertifikate sind formal gesehen Anleihen, die meist von Banken angeboten werden. Hier geht es allerdings oft nicht um feste Zinsen, sondern eher um riskante Spekulationsgeschäfte. Denn die Renditen von Zertifikaten (häufig auch Derivate oder strukturierte Wertpapiere genannt) hängen meistens davon ab, wie sich ein anderer Wert entwickelt, beispielsweise ein Aktienkurs oder ein Rohstoffpreis. Steigen oder fallen diese sogenannten Basiswerte wie erhofft, sind hohe Gewinne möglich. Tun sie das nicht, ist oft das komplette eingesetzte Kapital verloren.
ECOreporter rät von komplexen Zertifikaten wie Turbo-, Faktor- oder Knock-out-Papieren grundsätzlich ab. Die Verlustrisiken sind hoch, die Kosten oft auch, die Anlagebedingungen verstehen teils nicht mal Finanzexperten, und zudem ist das Kapital nicht geschützt, falls der Anbieter Insolvenz anmeldet. Laut der deutschen Finanzaufsicht BaFin verlieren die meisten Anlegerinnen und Anleger mit Zocker-Zertifikaten Geld. Verbraucherschützer warnen schon lange davor, dass Kosten und Renditen bei Zertifikaten in keinem fairen Verhältnis zueinander stehen.
Und was ist mit nachhaltiger Wirkung?
Wer sein Geld nachhaltig anlegt, möchte nicht nur eine angemessene Rendite erhalten, sondern auch die Welt ein kleines Stück besser machen. Und das geht tatsächlich – allerdings unterscheiden sich die Anlageklassen hier deutlich.
Mit Aktien und Anleihen erzielen Sie nur dann eine direkte nachhaltige Wirkung (Impact), wenn Sie die Papiere bei der Erstausgabe oder einer Kapitalerhöhung kaufen. Dann fließt Ihr Geld in das jeweilige Unternehmen, das damit soziale oder ökologische Vorhaben finanzieren kann. Erwerben Sie Wertpapiere hingegen an einer Börse, überweisen Sie den Kaufpreis nicht an das Unternehmen, sondern an die letzte Besitzerin oder den letzten Besitzer – was die mit dem Geld machen, werden Sie nicht erfahren.
Analog gilt: Beteiligen sich Ihre Fonds oder ETFs an Kapitalerhöhungen oder Erstausgaben, kann Ihr Kapital eine nachhaltige Wirkung erzielen (tiefgrüne Fonds achten häufig auf solche Käufe, ETFs meist nicht). Ansonsten ist zumindest indirekter Impact möglich, falls die Fonds oder ETFs ihre Stimmrechte auf Hauptversammlungen wahrnehmen oder Nachhaltigkeitsdialoge mit Unternehmen führen.
Eröffnen Sie ein Tages- oder Festgeldkonto, vergibt die Bank aus Ihren Einlagen teilweise Kredite, etwa für Solaranlagen, Null-Energie-Häuser oder soziale Projekte. Sie finanzieren solche Vorhaben dann indirekt mit. Nachhaltige Banken haben strenge Impact-Kriterien für ihre Kreditvergabe.
Bei Nachrangdarlehen, Genussscheinen, AIFs, ELTIFs und Genossenschaftsbeteiligungen fließt Ihr Geld noch direkter dort hin, wo es Gutes tun kann. Wie groß der Impact ist, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Zertifikate haben meist keine nachhaltige Wirkung.
Lesen Sie auch unser Dossier Nachhaltige Geldanlage: 10 ECOreporter-Tipps für richtig grüne Investments.