Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Neue Namensregeln: Hunderte „nachhaltige“ Fonds umbenannt
Wegen einer EU-Vorschrift mussten viele Fonds und ETFs bestimmte Nachhaltigkeitsbegriffe aus ihrem Namen streichen oder strengere Auswahlkriterien anlegen. Zahlreiche Fondsanbieter entschieden sich für Ersteres.
Eine neue Vorgabe der EU-Finanzmarktaufsicht ESMA sieht vor, dass Fonds, die Begriffe wie „ESG“, „nachhaltig“ (sustainable), „Impact“ oder „Klima“ (climate) im Namen tragen, seit 21. Mai unter anderem fossile Unternehmen weitestgehend ausschließen und mindestens 80 Prozent ihres verwalteten Vermögens entsprechend ihres Namens investieren müssen.
Aus "ESG" wird "selection"
Viele Fonds waren bislang offenbar so wenig nachhaltig, dass sie die neuen Vorgaben nicht erfüllen konnten. Einige verschärften ihre Anlagekriterien, andere änderten einfach ihre Namen. Nach Recherchen der Nichtregierungsorganisationen Finanzwende, urgewald und Facing Finance sind in den letzten Monaten 674 Fonds umbenannt worden. 391 strichen Nachhaltigkeitsbegriffe aus ihrem Namen, 283 ersetzten sie durch Begriffe wie „screened“, „selection“ oder „committed“, die nachhaltig klingen, aber nicht unter die EU-Vorschriften fallen.
Heißt: Hier kann munter weiter in Öl, Kohle und andere kontroverse Branchen investiert werden. Von den 674 Fonds, die ihren Namen geändert haben, sind laut urgewald und Facing Finance 427 mit insgesamt ungefähr 13,7 Milliarden Euro in Öl-, Kohle- und Gaskonzerne investiert. Der Studie zufolge gibt es in Europa jetzt noch 3.455 Fonds, die mit ihren Namen unter die EU-Vorschriften fallen.
"Missbraucht das Vertrauen der Anlegenden"
„Was wir hier sehen, ist kein harmloses Rebranding. Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Fonds gekauft, weil sie nachhaltig investieren wollten“, sagt Alison Schultz, Referentin bei Finanzwende. „Ein bloßer Namenswechsel ersetzt keine echte Veränderung, sondern missbraucht das Vertrauen der Anlegenden und lenkt Kapital fehl, das eigentlich der ökologischen Transformation dienen sollte. So wird die Glaubwürdigkeit eines Marktes untergraben, der nur funktionieren kann, wenn in Finanzprodukten drin ist, was draufsteht."
„Statt die neuen Transparenzregeln für eine Anpassung ihrer Anlagepolitik zu nutzen, versuchen viele Fondsanbieter, sich dem durch kreative Umbenennung zu entziehen“, ergänzt Julia Dubslaff, Finanz-Analystin bei urgewald. „Das zeigt, wie wichtig Vorgaben und Aufsicht durch Politik und Behörden sind. Sie müssen klimaschädliche Investitionen in allen ESG-Fonds durch klare Regeln und bessere Kontrolle unterbinden.“
Auch die DWS benennt viele Fonds um
Die meisten Umbenennungen gab es laut der Studie beim US-Anbieter State Street, der 56 Prozent seiner von den EU-Vorgaben betroffenen Fonds einen neuen Namen gegeben hat. Dahinter folgen die Schweizer Großbank UBS (50 Prozent Umbenennungen) und die US-Vermögensverwalter Northern Trust (49 Prozent) und BlackRock (48 Prozent). Aber auch deutsche Fondshäuser haben viele ihrer unter die ESMA-Vorschriften fallenden Produkte umbenannt: Bei der DWS sind es 29 Prozent (45 Fonds), bei der Allianz 28 Prozent (10 Fonds), bei der Deka 12 Prozent (5 Fonds) und bei Union Investment 10 Prozent (10 Fonds).
„Die EU hat die Macht, glaubwürdige Regeln zu schaffen. Die Überarbeitung der SFDR-Verordnung bietet die Chance, nun endlich Klarheit zu schaffen und Schlupflöcher zu schließen. Dem bisherigen Wildwuchs bei der Benennung von ESG-Fonds müssen die EU-Aufseher endlich ein Ende setzen”, fordert Julia Dubslaff von urgewald.
„Wenn ein Fonds sich „nachhaltig“ nennt und gleichzeitig in fossile Expansion investiert, ist das schlicht Irreführung“, sagt Finanzwende-Referentin Alison Schultz. „Solche Produkte hätten längst sanktioniert werden müssen. Die Finanzaufsicht ist auch künftig gefordert, hier konsequent durchzugreifen.“
Der Teufel steckt im Detail
ECOreporter beobachtet schon seit Jahren, dass insbesondere ETFs oft deutlich weniger nachhaltig sind, als ihre Namen vorgeben. Die neuen EU-Regularien ändern dies nur teilweise, Greenwashing ist mit etwas Geschick weiterhin problemlos möglich.
Beispielsweise verzichten mittlerweile einige Fonds und ETFs auf den Begriff „Paris Aligned Benchmark“ (PAB). Der fällt unter die strengeren ESMA-Vorgaben und darf nur noch verwendet werden, wenn investierte Unternehmen ihre Treibhausgase spürbar reduzieren. ETF-Anbieter, die darauf offensichtlich nicht achten wollen, verwenden jetzt stattdessen die Bezeichnung „Climate Paris Aligned“ – ein Marketingbegriff, mit dem keine Vorgaben verbunden sind. Laien werden den Unterschied kaum erkennen.
ECOreporter wird weiter Fonds und ETFs testen. Und auch künftig schwarze Schafe im grünen Pelz klar benennen.
Die Redaktion hat in den letzten Jahren mehr als 250 Fonds und ETFs analysiert. Die Tests finden Sie hier:
Schon mehr als 150 nachhaltige ETFs im Test: Die Grünsten und die finanziell Erfolgreichsten
Nachhaltige Fonds – hier finden Sie unabhängige Tests, News, Wertentwicklungen