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Orsted muss in den USA Milliarden abschreiben
Der dänische Energiekonzern Ørsted muss eine milliardenschwere Wertberichtigung vornehmen. Auch eine Verfügung von US-Präsident Donald Trump belastet den Weltmarktführer bei Offshore-Wind. Wie sieht ECOreporter die Aktie?
Aufgrund von Verzögerungen bei Bauvorhaben und höheren Kosten im US-Offshore-Geschäft muss Ørsted 12,1 Milliarden Dänische Kronen (1,6 Milliarden Euro) abschreiben. Etwas mehr als ein Drittel davon entfällt auf eine Wertberichtigung für den 924-Megawatt-Windpark Sunrise Wind, dessen Inbetriebnahme sich von Ende 2026 auf das zweite Quartal 2027 verschiebt.
Höhere Baukosten und Zinsen
"Die heute bekannt gegebenen Abschreibungen und insbesondere die anhaltenden Herausforderungen beim Bau sind sehr enttäuschend", sagte Ørsted-Chef Mads Nipper. "Wir bleiben dem US-Markt mit seinem Potenzial für Erneuerbare Energien, die wachsende Nachfrage nach Strom zu decken und Tausende von Industriearbeitsplätzen in den USA zu schaffen, langfristig verpflichtet."
Im Premium-Bereich lesen Sie, wie ECOreporter die Ørsted-Aktie aktuell einschätzt. Weitere Analysen zu Aktien aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor finden Sie in den jeweils zweiteiligen ECOreporter-Dossiers zu Windaktien und zu Solaraktien.
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Neben den Problemen beim Bau spürt der Konzern nach eigenen Angaben auch die höheren Zinsen. Die steigenden Kapitalkosten sind laut Ørsted-Mitteilung für rund ein Drittel der Abschreibungen verantwortlich.
Seinen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erwartet Ørsted für 2024 nun bei 24,8 Milliarden Kronen (3,3 Milliarden Euro). Damit liege man immer noch im Rahmen der Prognose von 24 bis 26 Milliarden Kronen, wie der Konzern betonte. Seine vollständigen Geschäftszahlen für das abgelaufene, aber noch nicht abgerechnete Geschäftsjahr will Ørsted am 6. Februar vorlegen.
Die Ørsted-Aktie ist nach Mitteilung der Abschreibung im Tradegate-Handel aktuell 9,1 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 35,40 Euro (Stand 21.1.2025, 9:20 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 20,1 Prozent im Minus, in den letzten zwölf Monaten ging es für den Kurs um 31 Prozent abwärts.
Trump mit erstem Schlag gegen die Windkraft
Für zusätzlichen Druck auf die Ørsted-Aktie sorgt der neue US-Präsident Donald Trump. Dieser unterzeichnete kurz nach Amtsantritt am Montag viele Dekrete, die Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit schaden. Dazu gehört auch eine Verordnung, die die Vergabe von Pachtverträgen für Offshore-Windparks in US-Bundesgewässern aussetzt und die Genehmigungen sowie Kredite für Onshore- und Offshore-Windprojekte vorerst stoppt.
Ørsted kämpft wie die ganze Windbranche mit Herausforderungen, darunter weiterhin gestörte Lieferketten und die gestiegenen Zinsen. Viele ältere Verträge, die etwa Stromabnehmern gedeckelte Preise garantieren, sind deshalb nicht mehr rentabel. Gerade das US-Geschäft läuft bei Ørsted bereits länger holprig, in der Vergangenheit musste der Konzern bereits zwei Großprojekte in den Vereinigten Staaten komplett abschreiben und Milliardenverluste hinnehmen.
Unter Trump dürfte sich die Lage im wichtigen US-Markt noch verschärfen. Die Ørsted-Aktie hat seit Dezember 2020 deutlich an Wert verloren und ist auf fünf Jahre 64 Prozent im Minus. Nachdem sich der Kurs 2024 etwas stabilisiert hatte, geht es seit Trumps Wahlsieg wieder abwärts.
Dennoch: Ørsted schreibt wieder Gewinne, das Unternehmen baut seinen Anlagenbestand, auch bei Wind- und Solarparks an Land, stetig aus. Nach Aussagen des designierten US-Innenministers Doug Burgum sollen zudem Windkraftprojekte, "die sinnvoll und bereits rechtskräftig sind", weitergeführt werden.
Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Ørsted-Aktie ist mit 14 für das Geschäftsjahr 2024 und 11 für 2025 vertretbar. Für risikoaffine Anlegerinnen und Anleger bleibt die Ørsted-Aktie interessant, die hohen Börsenverluste der letzten Jahre können auch als Kaufchance gesehen werden. Allerdings erfordert ein Investment voraussichtlich mindestens für die nächsten vier Jahre starke Nerven und viel Geduld.
Ørsted A/S: ISIN DK0060094928 / WKN A0NBLH
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