Ein Urteil in einem Lizenzstreit ist wichtig für Qualcomms PC-Strategie. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Qualcomm gewinnt Lizenzstreit – Chips können weiter verkauft werden

Der US-Chipentwickler Qualcomm hat einen wichtigen Lizenzstreit mit dem britischen Halbleiter-Architekten ARM gewonnen. Dabei ging es um eine Übernahme und die Forderung von ARM nach höheren Lizenzgebühren. Da ein Punkt strittig bleibt, will ARM eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Mit der Entscheidung kann Qualcomm weiterhin Chips verkaufen, die auf der zugekauften Technologie des Start-ups Nuvia basieren. Diese ist entscheidend für Qualcomms Vorstoß in den PC- und Laptop-Markt, auf den Entwicklungen von Nuvia basiert der Qualcomm-Prozessor (CPU) "Snapdragon".

Gericht folgt Qualcomm-Argumenten – ein Punkt bleibt offen

Qualcomm hatte Nuvia 2021 für 1,4 Milliarden US-Dollar übernommen. Damit hatte der Konzern auch die CPU-Kerne von Nuvia erworben, die ARM-Technologie verwenden. ARM verlangte für die Nutzung von Nuvia-Technik durch Qualcomm daraufhin zusätzliche Gebühren. Da das US-Unternehmen sich weigerte, erklärten die Briten die Lizenz für ungültig und zogen vor Gericht. Qualcomm sollte entweder zahlen oder alle Chips mit Nuvia-Technologie vernichten.

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Nach Ansicht von ARM hätten die Lizenzbedingungen für die Nuvia-Technologie nach der Übernahme neu verhandelt werden müssen. Qualcomm hingegen argumentierte, dass die zugekauften Technologien von einer eigenen globalen ARM-Lizenz abgedeckt seien, die keine Einschränkungen hinsichtlich der möglichen Verwendungszwecke vorsehe.

Im Prozess vor einem US-Bundesgericht im Bundesstaat Delaware folgten die Geschworenen nun der Sichtweise von Qualcomm. Deren ARM-Lizenz deckt demnach auch Entwicklungen auf Basis der Nuvia-Technologie ab. Ein Streitpunkt ist jedoch offen geblieben: die Frage, ob Qualcomm vor dem Kauf von Nuvia die Zustimmung von ARM hätte einholen müssen.

Qualcomm sieht sich durch das Urteil bestätigt. "Wir freuen uns über die heutige Entscheidung", teilte das Unternehmen nach dem Urteilsspruch mit. "Die Geschworenen haben das Recht von Qualcomm auf Innovation bestätigt und bekräftigt, dass alle Qualcomm-Produkte, um die es in diesem Fall geht, durch den Vertrag von Qualcomm mit ARM geschützt sind."

ARM will dagegen aufgrund des offenen Streitpunkts eine Wiederaufnahme des Gerichtsprozesses beantragen. "Wir sind enttäuscht, dass die Geschworenen nicht in der Lage waren, einen Konsens über die Ansprüche zu erzielen", erklärte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir beabsichtigen, aufgrund der Uneinigkeit der Geschworenen eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu beantragen."

Die zuständige Richterin empfahl den Konzernen laut Reuters einen außergerichtlichen Vergleich. Im Falle einer Wiederaufnahme sei für keine Seite ein klarer Sieg zu erwarten.

Wie sieht ECOreporter die beiden Aktien?

Die Qualcomm-Aktie ist im Xetra-Handel aktuell 1,1 Prozent im Plus zum Montag, dem letzten Handelstag vor den Feiertagen. Der Kurs notiert bei 151,64 Euro (Stand: 27.12.2024, 10:05 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 1,7 Prozent im Plus, im Jahresvergleich hat sie 15,7 Prozent zugelegt.

Qualcomm ist Weltmarktführer bei Mikroprozessoren für Mobilgeräte, insbesondere Smartphones. Von diesem Geschäft möchte der Konzern aber unabhängiger werden – bis 2029 sollen neue Geschäftsbereiche rund 22 Milliarden Dollar Umsatz zusätzlich erwirtschaften. Für diese Pläne spielt das neue PC-Geschäft eine wichtige Rolle. Damit will Qualcomm auch den künftigen Ausfall von Apple als Kunde kompensieren – der iPhone-Konzern plant, Qualcomm-Chips durch eigene Entwicklungen zu ersetzen, ab 2027 könnte es soweit sein.

Die Qualcomm-Aktie hat ihren Wert in den letzten fünf Jahren knapp verdoppelt, das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Geschäftsjahr 2024/25 liegt bei eher niedrigen 14. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Konzern seine optimistischen Versprechen beim Umsatz einhalten kann und ob es tatsächlich gelingt, den Ausfall von Apple mittelfristig zu kompensieren. ECOreporter sieht die Qualcomm-Aktie derzeit als spannendes Investment mit erhöhtem Risiko.

Die ARM-Aktie notiert im Tradegate-Handel aktuell rund 2 Prozent im Plus zum Montag bei 124,40 Euro (Stand: 27.12.2024, 10:22 Uhr). Auf Monatssicht hat die Aktie 2,2 Prozent eingebüßt, im Jahresvergleich ist der Kurs um 86 Prozent gestiegen.

Chips auf Basis von ARM-Architekturen stecken in fast jedem Smartphone und in vielen Rechenzentren. Allerdings befinden sich kaum Aktien im Streubesitz. 90 Prozent der Papiere hält der japanische Investor Softbank, der das Unternehmen vor acht Jahren für 32 Milliarden Dollar gekauft hat und es im September 2023 an die Börse brachte. Das erwartete KGV der Aktie für das laufende Geschäftsjahr 2024/25 ist mit 86 hoch, nachdem der Kurs seit dem Börsenstart um rund 130 Prozent zugelegt hat. ECOreporter rät vom Kauf ab.

Qualcomm Inc.: ISIN ISIN US7475251036 / WKN 883121

ARM Holdings: ISIN US0420682058 / WKN A3EUCD

(Aktuelle Kursdaten zu den Aktien erhalten Sie, wenn Sie auf das Symbol hinter der WKN klicken.)

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