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Bericht: Intel-Übernahme durch Qualcomm wird unwahrscheinlicher
Im September war bekannt geworden, dass der US-Chipentwickler Qualcomm Interesse an einer Übernahme des kriselnden Konkurrenten Intel haben soll. Doch Qualcomm sind die Hürden für einen Kauf wohl zu hoch, wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet.
Über die möglichen Übernahmepläne hatte das "Wall Street Journal" im September berichtet. Qualcomm sehe sich aber mit einer Reihe von "Komplexitäten" konfrontiert, so Bloomberg nun. Eine Intel-Übernahme würde umfangreiche kartellrechtliche Prüfungen erfordern, unter anderem in China. Die Volksrepublik ist trotz der Exportbeschränkungen durch die USA der wichtigste Markt für beide Konzerne.
Möglicher Teilkauf oder neuer Versuch?
Zudem wäre ein möglicher Intel-Kauf für Qualcomm auch finanziell ein Kraftakt: Zwar laufen die Geschäfte bei dem Spezialisten für Smartphone-Chips deutlich besser als bei Intel. Aber die Marktkapitalisierung ist mit umgerechnet 168 Milliarden Euro nicht so viel höher als bei Intel mit rund 100 Milliarden Euro. Zudem ist Intel hoch verschuldet.
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Ob die Übernahmepläne komplett vom Tisch sind, geht aus dem Bloomberg-Bericht allerdings nicht hervor. Beide Konzerne lehnten der Agentur zufolge eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Laut Bloomberg ist für Qualcomm derzeit am ehesten ein Kauf von Teilen von Intel oder eine Wiederbelebung des Interesses zu einem späteren Zeitpunkt denkbar.
Bei Intel laufen die Geschäfte schlecht: Zwar ist das Unternehmen nach wie vor klarer Marktführer bei PC- und Laptop-Prozessoren, doch im Smartphone-Geschäft und bei Chips für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) spielt der Konzern praktisch keine Rolle. Zudem hat Intel durch strategische Fehler auch in der Fertigung technologisch den Anschluss verloren.
Mit seinem Fertigungsprozess Intel 18A will der Konzern bis Ende 2025 den Weltmarktführer TSMC wieder überholen und die Nummer eins der Branche werden. Doch das ist Zukunftsmusik. Derzeit schreibt Intel rote Zahlen und hat sich ein drastisches Sparprogramm verordnet, inklusive umfangreichem Stellenabbau. Das betrifft auch den Ausbau der Produktion: Die Pläne für eine Chipfabrik in Magdeburg wurden ebenso auf Eis gelegt wie ein weiteres Milliardenprojekt in Israel.
Qualcomm wiederum möchte unabhängiger von seinem Smartphone-Geschäft werden, aus dem aktuell noch mehr als 70 Prozent der Umsätze stammen. Vor wenigen Tagen stellte der Konzern Pläne vor, wonach neue Geschäftsfelder bis 2029 rund 22 Milliarden Dollar zusätzlichen Umsatz bringen sollen. Dazu gehören auch Prozessoren für PCs – Anfang des Jahres stellte der Konzern hier seinen ersten Chip mit dem Markennamen Snapdragon X vor.
Qualcomm belastet aktuell ein Patentstreit mit dem US-Chiparchitekten Arm. Das Unternehmen liefert Baupläne für die Chips anderer Hersteller – praktisch alle Qualcomm-Prozessoren basieren auf Arm-Designs. Arm hat wegen des Streits einen Lizenzvertrag gekündigt, es droht ein Verkaufsstopp für Snapdragon-Chips. Zudem wird Qualcomm den Großkunden Apple in den nächsten Jahren verlieren, weil dieser eigene Chips entwickelt. Nach Schätzungen von Qualcomm könnte es 2027 soweit sein, die neuen Geschäftsfelder sollen den Ausfall mehr als ausgleichen.
Wie schätzt ECOreporter die Aktien ein?
Die Intel-Aktie ist im Tradegate-Handel aktuell 1,4 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 23,35 Euro (Stand: 26.11.2024, 9:23 Uhr). Im Monatsvergleich hat die Aktie 9,8 Prozent zugelegt, auf Jahressicht ist sie 42,0 Prozent im Minus.
ECOreporter sieht bei Intel erst ab 2027 wieder Chancen auf solide Gewinne. Die Aktie hat stetig an Wert verloren, auf fünf Jahre betrachtet ist der Kurs um rund 56 Prozent gesunken. Zwar genießt der Konzern starke politische Rückendeckung und erhält hohe Subventionen. Aktuell rät die Redaktion defensiven Anlegerinnen und Anlegern wegen der großen Unsicherheiten aber vom Kauf der Intel-Aktie ab.
Die Qualcomm-Aktie notiert im Tradegate-Handel aktuell unverändert zum Vortag bei 151,60 Euro (Stand: 26.11.2024, 9:23 Uhr). Im Monatsvergleich ist das Papier 4,6 Prozent im Minus, auf Jahressicht hat es 29,6 Prozent gewonnen.
Die Qualcomm-Aktie hat ihren Wert in den letzten fünf Jahren knapp verdoppelt, das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Geschäftsjahr 2024/25 liegt bei eher niedrigen 14. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Konzern seine optimistischen Versprechen bezüglich der geschäftlichen Expansion einhalten kann und ob es tatsächlich gelingt, den Ausfall von Apple mittelfristig zu kompensieren. ECOreporter sieht die Qualcomm-Aktie derzeit als Investment mit erhöhtem Risiko, schätzt sie aber als attraktiver ein als Intel.
Intel Corp.: ISIN US4581401001 / WKN 855681
Qualcomm Inc.: ISIN US7475251036 / WKN 883121
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