Tesla streitet vor Gericht weiter um eine Milliardenvergütung für Konzernchef Elon Musk. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Tesla: Rechtsstreit um Milliardenvergütung für Musk geht weiter

Der juristische Streit um ein 56-Milliarden-Dollar-Gehaltspaket für Tesla-Chef Elon Musk geht in die nächsten Runde. Nachdem die Aktionäre des US-Elektroautobauers die Vergütung ein zweites Mal abgesegnet haben, wollen die Anwälte des US-Autobauers bewirken, dass ein Gericht die Zustimmung anerkennt.

Das Vergütungspaket war bereits 2018 geschnürt worden, eine Gerichtsentscheidung hatte es jedoch Anfang 2024 nach der Klage eines Anlegers gestoppt. Die zuständige Richterin hatte befunden, dass Musk bei der Vereinbarung des Pakets zu viel Einfluss im Hintergrund gehabt habe. Es sei deshalb kein faires Verfahren gewesen.

Auch Anwälte fordern Milliarden

Mitte Juni war das Gehaltspaket durch Tesla erneut zur Abstimmung gestellt und – trotz des Widerstands mehrerer institutioneller Großaktionäre – angenommen worden. ECOreporter berichtete hier. Das Management des Autobauers argumentierte, dass mit dem Gerichtsentscheid alle Aktionäre ausreichend darüber informiert wurden, wie das Paket entstanden sei. Die Anlegerinnen und Anleger könnten daher beurteilen, ob Musk zu viel Einfluss gehabt habe.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Die Tesla-Anwälte fordern nun in einem Antrag, dass das zuständige Gericht im US-Bundesstaat Delaware das Votum der Tesla-Aktionäre zugunsten des Vergütungspakets anerkennen soll. Die Entscheidung vom Januar, mit der die Vergütung für ungültig erklärt wurde, müsse aufgehoben werden.

Die Anwälte des ursprünglichen Klägers argumentieren wiederum, dass die Abstimmung keine rechtliche Wirkung habe. Die einzige Möglichkeit für Tesla, das Urteil vom Januar anzufechten, sei, beim Obersten Gerichtshof von Delaware Berufung einzulegen.

Allerdings, so die Anwälte des Aktionärs, könne Tesla erst in Berufung gehen, wenn ein weiterer Streit um die Bezahlung der Anwaltskosten geklärt sei. Nach der Niederlage im Januar muss Tesla die Kosten der Gegenseite tragen.

Die aufgerufene Summe ist enorm: Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg übereinstimmend berichten, hatten die Anwälte ursprünglich selbst ein Aktienpaket mit einem Wert von mehr als 5 Milliarden Dollar gefordert. Nun erklärten sie laut den Nachrichtenagenturen, eine Barzahlung von mindestens 1,1 Milliarden Dollar zu akzeptieren. Dies sei zwar "ungerechtfertigt niedrig", durch den Status der Entscheidung als Präzedenzfall aber gerechtfertigt.

Tesla forderte das Gericht auf, den Gebührenstreit beiseitezulassen und über die Auswirkungen des Aktionärsvotums zu entscheiden. Das könnte wiederum die Anwaltskosten drastisch senken. Das Gericht wird sich Anfang Juli wieder mit dem Fall befassen.

Der gewaltige Bonus soll Musk laut Konzern auch dafür motivieren, sich mehr auf Tesla und weniger auf andere Unternehmungen wie X oder die Weltraumfirma Space X zu konzentrieren. Insgesamt leitet Musk neben Tesla noch sechs weitere Firmen. Der Milliardär hatte wiederum öffentlich erklärt, sich weniger um Tesla kümmern zu wollen, sollte er die Milliardenzahlung nicht erhalten.

Die Tesla-Aktie notierte im Tradegate-Handel am Montagnachmittag 0,2 Prozent im Minus zum Freitag bei 170,90 Euro (Stand: 24.6.2024, 16:58 Uhr). Auf Monatssicht hat die Aktie 4,9 Prozent an Wert gewonnen, im Jahresvergleich ist sie 22,5 Prozent im Minus.

Große Entlassungswelle

Wirtschaftlich läuft es aktuell holprig für Tesla. Im ersten Quartal 2024 ging die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge erstmals seit vier Jahren im Vergleich zum Vorjahr zurück. Aktuell baut der Konzern im großen Stil Stellen ab. Seit Ende 2023 hat Tesla seine weltweite Belegschaft um mehr als 14 Prozent reduziert, wie der US-Sender CNBC berichtet. Ursprünglich war von einer Reduzierung um 10 Prozent die Rede gewesen. Tatsächlich würde Konzernchef Musk selbst sogar eine Reduzierung der Belegschaft um 20 Prozent anstreben, so Bloomberg.

Musk macht ein Investment in die Tesla-Aktie mit seinen öffentlichen Äußerungen bereits seit längerer Zeit zur Gewissensfrage. Auch die Arbeitsbedingungen bei Tesla sorgen regelmäßig für Kritik.

Der zuvor stark gestiegene Tesla-Kurs schwankt seit Ende 2021 zudem stark und hat immer wieder deutlich nachgegeben. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie für 2024 ist mit 80 trotz Kursrücksetzern in den letzten Monaten hoch, für 2025 liegt es bei ebenfalls hohen 58. ECOreporter rät vorsichtigen Anlegerinnen und Anlegern weiterhin vom Kauf der Tesla-Aktie ab.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Tesla, BYD, Nio, Polestar: 10 Elektroauto-Aktien im Crash-Test

Tesla Inc.:  ISIN US88160R1014 / WKN A1CX3T

Verwandte Artikel

14.06.24
 >
10.06.24
 >
04.06.24
 >
24.04.24
 >
27.08.25
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x