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Anleihen / AIF, ECOanlagecheck, Windenergie-Investments, Solarenergie-Investments
Unabhängige Analyse: Unternehmensanleihe 2025 der Energiekontor AG
Die Energiekontor AG entwickelt, errichtet und betreibt Windkraft- und Solaranlagen. Die aktuelle Pipeline des Unternehmens umfasst in fünf Ländern Projekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 12 Gigawatt. Einen Teil des für die Umsetzung der Projekte erforderlichen Kapitals soll die Unternehmensanleihe 2025 beisteuern. Die Anleihe bietet einen Zinssatz von 5,5 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von acht Jahren. Anlegerinnen und Anleger können die Anleihe ab 3.000 Euro zeichnen. ECOreporter analysiert das nachhaltige Investment.
Die 1990 gegründete Energiekontor-Gruppe mit Hauptsitz in Bremen hat bislang 153 Windparks mit einer Gesamtnennleistung von mehr als 1,3 Gigawatt (GW) und 16 Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit zusammen rund 124 Megawattpeak (MWp) Leistung projektiert und errichtet (Stand: 31.12.2024).
Umfangreiche Projektpipeline
Zahlreiche neue Wind- und Solarprojekte mit zusammen über 2,7 GW befinden sich in fortgeschrittenen Phasen der Projektentwicklung und sollen die Basis für das kurz- und mittelfristige Wachstum von Energiekontor bilden.
Für 36 Projekte mit zusammen über 1,3 GW Leistung liegen bereits die Baugenehmigungen vor. Bei den ersten diesjährigen Windkraft-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur hat Energiekontor zudem für zwölf genehmigte Windprojekte mit einer Leistung von rund 317 MW Zuschläge erhalten. Bereits im Bau befinden sich unter anderem zwei Solarparks mit zusammen rund 113 MWp in Mecklenburg-Vorpommern, die den Eigenbestand von Energiekontor erweitern sollen.
Bei der Unternehmensanleihe 2025 der Emittentin Energiekontor AG handelt es sich um Inhaber-Teilschuldverschreibungen. Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt 15 Millionen Euro. Die Emittentin kann die Schuldverschreibungen insgesamt oder anteilig mit einer Frist von zwei Monaten zum Ende eines Monats ordentlich kündigen, erstmalig zum 31. Januar 2028. Einen Börsenhandel der Anleihe plant Energiekontor nicht. Der außerbörsliche Handel ist jederzeit zulässig.
Unternehmensprofil Energiekontor
Die Energiekontor AG ist innerhalb der Energiekontor-Unternehmensgruppe die Muttergesellschaft. Vorstandsmitglieder der Emittentin sind Peter Szabo (seit 2003, Vorstandsvorsitzender seit 2011), Günter Eschen (seit 2015) und Carsten Schwarz (seit 2020). Die beiden Gründer von Energiekontor, Günter Lammers und Dr. Bodo Wilkens, bilden zusammen mit Darius Oliver Kianzad den Aufsichtsrat des Unternehmens. Lammers und Wilkens halten jeweils etwas über 25 Prozent der Aktien der börsennotierten Energiekontor AG.
Hauptgeschäftstätigkeit der Energiekontor AG ist die Planung, Entwicklung, Errichtung, Veräußerung und der Betrieb von Windparks und seit 2010 auch von Solarparks. Mittlerweile entfällt rund ein Drittel der Gesamtnennleistung der Projektpipeline auf den Solarbereich. Den Solaranteil am Gesamtgeschäft will Energiekontor in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Die Energiekontor-Gruppe hat 259 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand: 31.12.2024).

Der Vorstand der Energiekontor AG: v.l.n.r. Peter Szabo (Vorsitzender), Günter Eschen und Carsten Schwarz. / Fotos: Energiekontor
Die Energiekontor AG hält mittelbar über Beteiligungen an Betreibergesellschaften 29 Windparks und drei Solarparks in Deutschland (346 MW), drei Windparks in Großbritannien (60 MW) und vier Windparks in Portugal (38 MW) mit einer Nennleistung von zusammen ca. 444 MW im Eigenbestand (Stand: 15. Mai 2025). Gemäß den Angaben in der Energiekontor-Mitteilung für das erste Quartal 2025 befinden sich sechs Projekte mit ca. 160 MW im Bau, die mit Inbetriebnahme das Eigenparkportfolio auf mehr als 600 MW erhöhen sollen.
Das Gesamtinvestitionsvolumen für Wind-/Solarprojekte, die im laufenden Geschäftsjahr 2025 geplant und teilweise schon umgesetzt sind, beträgt laut Wertpapier-Prospekt (vom 14.7.2025, kurz: Prospekt) insgesamt rund 520 Millionen Euro. Damit wird dieses Investitionsvolumen hauptsächlich nicht durch die Anleihe (15 Millionen Euro Volumen) finanziert. Für die Projekte werden laut Prospekt in der Regel ca. 30 Prozent Eigenkapital und ca. 70 Prozent Fremdkapital (hauptsächlich von Banken) eingesetzt.
Die Fremdfinanzierungen für die jeweiligen Solar- oder Windparks erfolgen in der Regel auf Ebene der jeweiligen Tochtergesellschaften der Energiekontor AG. Daher ist die Eigenkapitalquote der Energiekontor AG laut Abschluss (HGB) zum 31.12.2024 mit rund 50,1 Prozent höher als die Eigenkapitalquote des Konzerns der Energiekontor AG.
Bei einer Bilanzsumme laut Konzernabschluss (IFRS) von rund 774 Millionen Euro beträgt die Eigenkapitalquote des Konzerns zum 31.12.2024 rund 24,1 Prozent (2023: 25,7 Prozent, 2022: 19,5 Prozent, 2021: 14,6 Prozent). Im Geschäftsjahr 2024 konnte der Energiekontor-Konzern einen Umsatz von rund 127 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von rund 22,6 Millionen Euro erwirtschaften. Beide Kennzahlen erreichten aufgrund von Projektverzögerungen nicht das Niveau der zwei Vorjahre, in denen es mehr Projektverkäufe und zudem Sondereffekte aufgrund der hohen Strompreise gab.
Der Vorstand der Energiekontor AG erwartet gemäß den Angaben in der Quartalsmitteilung vom 15.5.2025 für das Geschäftsjahr 2025 einen deutlich über dem Ergebnis des Vorjahres liegenden Konzern-Vorsteuergewinn (EBT) in einer Bandbreite von 70 bis 90 Millionen Euro (2024: 36,2 Millionen Euro). Dies setze allerdings voraus, dass der Großteil der für 2025 geplanten Transaktionen weitestgehend planmäßig realisiert werden kann und noch in diesem Jahr ergebniswirksam wird. An dem 2022 ausgegebenen Ziel-EBT von rund 120 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2028 hält der Vorstand fest (Stand: 15.5.2025).
Investitionen
Die Kosten der Emission der Unternehmensanleihe 2025 betragen laut Prospekt rund 6 Prozent des Emissionsvolumens von 15 Millionen Euro. Der Nettoerlös beträgt somit rund 14,1 Millionen Euro bei Vollplatzierung. Energiekontor plant laut Prospekt, mit dem Nettoerlös die Entwicklung, den Bau und den Erwerb von Windkraft- und Solarprojekten zu finanzieren. Auch der Kauf von Projektrechten sowie die Ablösung bestehender Kredite, die zur Finanzierung von Wind- und Solarprojekten aufgenommen wurden, sind möglich. Die konkreten Investitionen sind zum Prospektdatum noch nicht festgelegt.

Die Projektpipeline von Energiekontor besteht zu zwei Dritteln aus Windparks. / Foto: Energiekontor
Energiekontor verfügt über eine umfangreiche Pipeline an Projekten, in die Anleihekapital investiert werden könnte. Gemäß den Angaben im Geschäftsbericht 2024 hat die Energiekontor-Projektpipeline zum 31.12.2024 einen Umfang von insgesamt rund 11,2 GW in Europa und 0,9 GW an Projektrechten in den USA. Ein Drittel der Gesamtnennleistung der Pipeline entfällt auf den Solarbereich, zwei Drittel auf den Bereich Wind an Land. Von den 12,1 GW befinden sich nach Angaben der Emittentin bereits 2,7 GW in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen. Der Großteil der 12,1 GW entfällt auf die Kernmärkte von Energiekontor: Deutschland (53,3 Prozent zum 31.12.2024) und Großbritannien (28,8 Prozent, insbesondere Schottland). Weitere Ländermärkte des Unternehmens sind Frankreich (8,5 Prozent der Pipeline), USA (7,7 Prozent) und Portugal (1,7 Prozent). Von den über 1,3 GW, die 36 Projekte mit Baugenehmigungen umfassen, entfallen knapp 75 Prozent auf Großbritannien, hauptsächlich Schottland (Stand: 15.5.2025).
Britische Windparkprojekte verkauft Energiekontor gemäß den Angaben im Geschäftsbericht 2024 in der Regel, sobald sie baureif sind (ready to build). Bei Wind- und Solarprojekten in Deutschland übernimmt Energiekontor dagegen in der Regel auch die schlüsselfertige Errichtung und Inbetriebnahme. Daher ist der Kapitalbedarf (je MW) der Emittentin für deutsche Projekte meistens höher als für britischen Projekte. In Frankreich und den USA ist Energiekontor erst seit einigen Jahren aktiv, sodass der Kapitalbedarf dort bislang geringer ist. In den USA plant das Unternehmen laut Geschäftsbericht 2024, sich zunächst weiterhin auf den Verkauf der gesicherten und gegebenenfalls weiterentwickelten Projektrechte zu beschränken, um den Kapitaleinsatz zu begrenzen. In den kommenden fünf Jahren plant Energiekontor laut Geschäftsbericht keinen Eintritt in einen weiteren Ländermarkt.
Ökologische Wirkung
Der Nettoerlös aus der Anleiheemission soll insbesondere die Projektentwicklungen und die Bauzeiten von Wind- und Solarparks finanzieren. Nach Angaben der Emittentin sind die Projektrealisierungszeiten infolge eingeschränkter Marktverfügbarkeiten von Windkraftanlagen und anderen für die Projektrealisierung benötigten Großkomponenten wie Umspannwerken und Transformatoren unverändert lang. Die langen Lieferzeiten der Anlagen- und Komponentenhersteller beträfen gleichermaßen den Wind- und Solarbereich. Daher besteht bei der Emittentin für die Projekte ein Bedarf an Vor-, Zwischen- und Refinanzierungen. Das Anleihekapital gibt Energiekontor daher die Möglichkeit, mehr Projekte und diese ohne finanziell bedingte Verzögerungen zu realisieren.
Durch die Veräußerung der Projekte an Investoren bzw. durch den Betrieb der Eigenparks soll das eingesetzte Kapital dann wieder an die Energiekontor AG zurückfließen, sodass weitere Projektentwicklungen und Bauzeiten finanziert werden können. Daher ist es möglich, dass das Anleihekapital im Erfolgsfall während der Anleihelaufzeit mehrfach Projekte mit einer deutlich positiven ökologischen Wirkung finanziert.
Risiken

Energiekontor realisiert ausschließlich grüne Energieprojekte. / Foto: Energiekontor
Der Energiekontor-Konzern entwickelt und errichtet Windkraftanlagen und Solaranlagen. Insbesondere in frühen Projektentwicklungsphasen kann ein hohes Risiko bestehen, dass Projekte sich deutlich verzögern oder scheitern. Aber auch in späteren Entwicklungs- und in Bauphasen, in denen in der Regel bereits hohe Kosten angefallen sind, können Projekte noch scheitern. Es ist auch möglich, dass bereits entwickelte Projekte nicht mehr wirtschaftlich realisiert werden können, weil zwischenzeitlich die Anlagen-, Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind und/oder der Strommarktpreis gesunken ist. Bei Windenergieanlagen, Solarmodulen und anderen Großkomponenten haben sich die Investitionskosten nach Angaben der Emittentin deutlich erhöht. Auch habe sich bei den Komponenten die Verfügbarkeit, Lieferfähigkeit und die Lieferzuverlässigkeit in letzter Zeit nachteilig entwickelt, wodurch sich Projekte zeitlich verschieben können.
Für die Emittentin besteht das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen in ihren beiden Kernmärkten Deutschland und Großbritannien, auf die über 80 Prozent ihrer Projektpipeline entfallen, künftig ungünstig entwickeln. Es ist möglich, dass sich auf Ebene der EU, von EU-Ländern, des Bundes, der Bundesländer und/oder der jeweiligen Kommunen politische Mehrheiten bilden, die den Zubau an Wind- und Solarparks abbremsen wollen. In den USA hat die Emittentin aufgrund der politischen Situation die Aktivitäten im Bereich der Windkraft-Entwicklung erst einmal zurückgefahren. Teilweise auf politisches Versagen ist auch der schleppende Netzausbau zurückzuführen, wodurch sich beispielsweise bei Projekten von Energiekontor in Großbritannien Netzanschlusstermine und Projektverkäufe verschieben. Auch in Deutschland und Frankreich gibt es das Problem, dass sich Netzanschlüsse verzögern.
Der Energiekontor-Konzern verkauft einen Teil der realisierten Windkraft- und Solaranlagen nicht, sondern übernimmt sie in den Eigenbestand. Mit der Stromerzeugung in eigenen Wind- und Solarparks hat der Konzern im Jahr 2024 hauptsächlich durch den Stromverkauf Umsatzerlöse von rund 69 Millionen Euro erwirtschaftet. Beim Eigenbestand handelt es sich bislang hauptsächlich um Windkraftanlagen, deren Erträge abhängig vom Windaufkommen starken jährlichen Schwankungen unterliegen können. Zudem bestehen beispielsweise die Risiken, dass sich die erzielbaren Strompreise verringern und/oder schwerwiegende Schäden an den Anlagen auftreten, deren Reparaturkosten nicht (mehr) durch Versicherungen und/oder Gewährleistungen der Anlagenhersteller abgedeckt sind.
Der weit überwiegende Teil der Investitionsvolumina für ihre Wind- und Solarprojekte wird nach Angaben der Emittentin durch Banken finanziert, deren Kredite in der Regel besichert sind. Die Anleihe ist dagegen nicht besichert. Insgesamt hat die Energiekontor-Gruppe laut Prospekt in den vergangenen Jahren nach Abzug der bereits zurückgezahlten Anteile ca. 129 Millionen Euro (Stand: 1.6.2025) von privaten Investorinnen und Investoren durch die Emission von Anleihen eingeworben. Ein hohes Marktzinsniveau zu den Rückzahlungszeitpunkten könnte gegebenenfalls notwendige Anschlussfinanzierungen erheblich erschweren und verzögern. Für Anlegerinnen und Anleger besteht das Risiko, dass Rückzahlungen der Anleihe verzögert, nur teilweise oder nicht erfolgen.
Stärken
- Sehr erfahrene und am Markt etablierte Energiekontor AG
- Umfangreiche Projektpipeline
- Hoher Eigenbestand an Windparks
- Jeweils über 20 Millionen Euro Konzerngewinn in den letzten fünf Geschäftsjahren
- Diversifizierung durch weiteren Ausbau des Solarbereichs
Schwächen
- Projektentwicklungsrisiken
- Realisierungsrisiken aufgrund gestiegener Bau- und Finanzierungskosten
- Kein Börsenhandel der Anleihe geplant
Fazit
Finanziell
Der Energiekontor-Konzern hat sich seit 2020 wirtschaftlich und finanziell erfolgreich entwickelt. Die letzten vier Geschäftsjahre brachten Konzerngewinne von zusammen rund 187 Millionen Euro. Weil die Emittentin die Gewinne nur teilweise ausgeschüttet hat, ist die Konzern-Eigenkapitalquote deutlich von unter 15 Prozent auf über 24 Prozent Ende 2024 gestiegen. Positiv ist aus Sicht von Zeichnerinnen und Zeichnern der Anleihe auch der geplante Ausbau des Eigenbestandes zu bewerten, da sich so die stillen Reserven und die finanzielle Stabilität des Unternehmens erhöhen können. Es besteht das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen für neue Wind- und Solarprojekte in den Ländermärkten der Emittentin künftig ungünstig entwickeln. Insbesondere in ihrem Heimatmarkt sowie in Schottland ist die Energiekontor AG aber gut und chancenreich positioniert und verfügt dort über zahlreiche bereits genehmigte Projekte.
Nachhaltigkeit
Das Anleihekapital soll voraussichtlich hauptsächlich die Entwicklung und Realisierung von neuen Windkraft- und Solarprojekten finanzieren. In dem Fall ist eine deutlich positive Nachhaltigkeitswirkung des Anleihekapitals zu erwarten.
ECOreporter-Empfehlung
Der Energiekontor-Konzern hat den Vorteil, dass er durch den hohen Eigenbestand an Wind- und Solarparks über relativ kontinuierliche Einnahmen verfügt. Damit können Schwankungen im Bereich Projektentwicklungen und Projektverkäufe teilweise kompensiert werden, wodurch sich die finanzielle Stabilität der Energiekontor AG erhöht. Das Zins/Risiko-Verhältnis der Anleihe kann nach Einschätzung von ECOreporter als marktgerecht gelten.
Basisdaten
Anbieterin und Emittentin: Energiekontor AG, Bremen
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Teilschuldverschreibung)
Emissionsvolumen: 15,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 3.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: 1.12.2025 bis 30.11.2033
Zinssatz: 5,5 Prozent pro Jahr
Prospektbilligung: BaFin
Handelbarkeit: kein Börsenhandel geplant
ISIN: DE000A4DFTT3
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