Fed-Chef Kevin Warsh hat sich von Donald Trump nicht einschüchtern lassen. / Foto: Imago, VCG

  Nachhaltige Aktien, Anleihen / AIF

USA erhöhen Leitzinsen – was heißt das für die Geldanlage?

Donald Trump tobt: Die US-Notenbank Fed hat gegen seinen Willen die Leitzinsen angehoben. Für Anlegerinnen und Anleger ist das ein gutes Zeichen.

Präsident Trump hatte vor einigen Monaten mit Kevin Warsh einen neuen Notenbankchef ernannt, von dem er sich blinden Gehorsam erhoffte. Trump will das Zinsniveau in den USA niedrig halten, um die Kosten für die stark gestiegene Staatsverschuldung zu drücken und vor den Midterm-Wahlen im November bei Unternehmen und Privathaushalten mit sinkenden Kreditzinsen zu punkten.

Doch Warsh hat ihm gestern einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Leitzinsen zum ersten Mal seit drei Jahren erhöht: um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Fed reagiert damit auf die zuletzt auf 3,4 Prozent gestiegene Inflation. Das zwölfköpfige Führungsgremium der Notenbank votierte einstimmig für die Zinserhöhung. Die Fed verfolgt wie die Europäische Zentralbank das Ziel, die Inflation auf etwa 2,0 Prozent zu begrenzen.

Trump wittert eine Verschwörung gegen sich

Donald Trump wetterte nach dem Zinsentscheid, der Vorstand der Fed sei „sehr feindselig“ und wolle ihn vor den Wahlen schlecht dastehen lassen. Die Zinsen seien viel zu hoch.

Am Finanzmarkt sorgen die höheren Leitzinsen hingegen für Entspannung. Insbesondere der riesige Markt für US-Staatsanleihen, der bei einer Schieflage erhebliche negative Auswirkungen auf das Weltfinanzsystem haben kann, beruhigte sich, nachdem sich in den letzten Monaten viele Profiinvestoren von Anleihen getrennt hatten, weil sie zunehmend das Vertrauen in die US-Finanzpolitik verloren hatten. Mit der Zinsanhebung unterstreicht die Fed jetzt, dass sie ihre Aufgaben ernst nimmt und sich nicht von Trump unter Druck setzen lässt.

Stabilität ist derzeit wichtiger als Renditen

US-Aktien gaben gestern zwar leicht nach, weil steigende Zinsen Aktien unattraktiver machen. Die Kurse von US-Staatsanleihen stiegen hingegen – für viele Finanzexperten ist dies aktuell wichtiger, da ein angeschlagener Anleihenmarkt mittelfristig zur Gefahr für die Realwirtschaft und damit auch für Aktien werden kann. Vor dem gestrigen Zinsentscheid lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über der Marke von 5,0 Prozent und damit in einem Bereich, den Marktbeobachter als kritisch für die Stabilität des globalen Finanzsystems einschätzen.

Auch für private Anlegerinnen und Anleger ist die Zinsanhebung ein positives Signal. Ein instabiles US-Finanzsystem würde die Risiken an der Börse spürbar steigen lassen – und das in Zeiten, in denen viele Aktien ohnehin schon zu hoch bewertet sind. Dass die US-Notenbanker mehrheitlich mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung in den nächsten Monaten rechnen, dürfte für zusätzliche Beruhigung an den Finanzmärkten sorgen. Kurse werden möglicherweise nicht so stark steigen wie erhofft, dafür könnte das Finanzsystem aber weiter an Stabilität gewinnen.

Welche Folgen die jüngste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank für nachhaltige Geldanlagen hat, lesen Sie hier.

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