ASML setzt im Anlagengeschäft weiter stark auf die Nachfrage im KI-Sektor. / Foto: ASML

  Nachhaltige Aktien

Chipausrüster ASML mit deutlich weniger Aufträgen als erwartet

Der niederländische Chipausrüster ASML hat im ersten Quartal 2025 deutlich weniger Aufträge erhalten als erwartet. Zudem belasten Gerüchte um zwei andere Unternehmen und das US-Zollchaos den Aktienkurs. An seinem Jahresausblick hält ASML dennoch fest – dank Künstlicher Intelligenz (KI).

Der Umsatz von ASML stieg im ersten Quartal im Jahresvergleich um 46 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Damit erfüllte der Konzern die Markterwartungen. Auch der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahr von 3,6 auf 3,9 Milliarden Euro. Das sind nach Umfragen der Nachrichtenagentur Reuters aber knapp 600 Millionen Euro weniger, als von Analysten vorab im Schnitt erwartet.

Prognose bestätigt – deutliche Unsicherheiten

Mit einem Nettoergebnis von 2,4 Milliarden Euro konnte ASML seinen Gewinn im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln. Die Bruttomarge verbesserte sich von 51 auf 54 Prozent.

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An der im letzten Jahr gesenkten Prognose hält ASML fest: Das Unternehmen erwartet für 2025 einen Umsatz zwischen 30 und 35 Milliarden Dollar. Wachstumstreiber soll dabei weiterhin das KI-Geschäft bleiben, laut ASML ist die Nachfrage nach wie vor stark. Auch im ersten Quartal profitierte der Konzern von Verkäufen seiner margenstärkeren modernsten UV-Lithographie-Systeme (EUV), die zur Herstellung etwa von KI-Chips notwendig sind. ASML ist hier der einzige Anbieter am Markt, die Maschinen kosten 150 Millionen Dollar pro Stück und mehr.

Allerdings bleiben die US-Zölle ein großer Risikofaktor. Aktuell sind Halbleiter-Anlagen von Einfuhrabgaben ausgenommen, und Konzerne wollen Milliarden in ihre Produktion in den USA investieren. Allerdings hat US-Präsident Donald Trump immer wieder bewiesen, dass man in seiner Wirtschaftspolitik täglich mit neuen wirren Entscheidungen rechnen muss. Schon ein Zollsatz von 20 Prozent, den Trump früher bereits für Waren aus der EU angekündigt hatte, würde den Bau einer Chipfabrik in den USA deutlich verteuern.

Hinzu kommen die anhaltenden Gerüchte, dass der taiwanesische Chiphersteller TSMC die Chipfertigung des US-Konzerns Intel übernehmen könnte. TSMC ist ASMLs größter Kunde, während Intel als erstes Unternehmen die neueste Generation von Lithografie-Anlagen bei den Niederländern bestellt hat. Intel versucht aktuell, seine Produktion zu modernisieren. Der Konzern hat hier wegen hausgemachter Fehler technologisch den Anschluss verloren.

Eine Fusion zwischen den beiden Unternehmen könnte zu einer geringeren Gesamtnachfrage für ASML führen, wie Analysten gegenüber dem "Handelsblatt" erklärten. Die Produktion würde in einem eventuellen Joint Venture effizienter aufgestellt sein als bei zwei konkurrierenden Firmen.

Und auch der KI-Sektor steht unter Druck. Im Januar war bekannt geworden, dass das chinesische Start-up Deepseek mit einfachen Chips und zu niedrigen Kosten einen leistungsfähigen KI-Assistenten entwickelt hat. Seitdem gibt es Zweifel an den aktuellen Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren und in mit ASML-Technologie gefertigte Chips.

Aktie im Korrekturmodus

Die ASML-Aktie ist nach Präsentation der neuen Zahlen im Tradegate-Handel aktuell 6,2 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 568,50 Euro (Stand: 16.4.2025, 9:37 Uhr). Die Aktie ist wegen der diversen Unsicherheiten schon seit Monaten kein Börsenliebling mehr, seit Jahresstart hat sie rund 30 Prozent an Wert eingebüßt. In den letzten zwölf Monaten ging es für den Kurs um 38 Prozent abwärts.

Grundsätzlich bleibt ASML nach Einschätzung von ECOreporter gut aufgestellt. Das Unternehmen erzielt hohe Gewinne, und die Halbleiterindustrie wird die Maschinen des unangefochtenen Weltmarktführers weiter benötigen. Das US-Zollchaos könnte den Geschäften zwar einen Dämpfer verpassen, ein Großteil der aktuellen Kurskorrektur geht aber auf Enttäuschungen im überhitzten KI-Sektor zurück. In den letzten fünf Jahren hat sich der Wert der ASML-Aktie mehr als verdoppelt.

Vorerst ist beim Kurs aber mit weiteren Schwankungen zu rechnen. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie für 2025 ist mit 25 immer noch hoch. Aktuell kommt ein Einstieg nur für risikoaffine Anlegerinnen und Anleger infrage, die eine mehrjährige Haltedauer einplanen.

ASML Holding N.V.:  ISIN NL0010273215 / WKN A1J4U4

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