Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Erneuerbare Energie, Meldungen
Erreicht Europa seine Windenergieziele in der Nordsee nicht?
Bis 2030 sollen sich in der Nordsee Windräder mit einer Leistungskapazität von 120 Gigawatt (GW) drehen. Doch von dieser Marke sind die Anrainerstaaten noch weit entfernt.
Aktuell sind in der Nordsee Windparks mit insgesamt nur 34 GW installiert, davon 7,4 GW in deutschen Hoheitsgewässern. Einer Analyse der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) zufolge muss das Ausbautempo um den Faktor sieben erhöht werden, um die Ziele bis 2030 noch erreichen zu können.
Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sei das nicht realistisch, sagte Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie Offshore, dem „Handelsblatt“. „Nur mit Planungssicherheit und einem verlässlichen Marktdesign können wir den notwendigen Ausbau der Windenergie auf See in der erforderlichen Geschwindigkeit realisieren“, so Thimm.
Viele Flächen werden gar nicht vergeben
Das 120-GW-Ziel hatten sich Deutschland, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Großbritannien, Irland und die Benelux-Staaten 2023 gesetzt, um unabhängiger von Energieimporten aus Russland zu werden. Die Marktbedingungen im Windkraftbereich sind allerdings schon seit geraumer Zeit schwierig, unter anderem wegen gestiegener Kosten. Als weitere Gründe nennt BCG längere Bauphasen, Unklarheiten beim Verkauf des erzeugten Stroms und Schwächen in staatlichen Auktionen. 2025 seien nur 64 Prozent der ausgeschriebenen Flächen in der Nordsee an Projektentwickler vergeben worden. Bei der deutschen August-Ausschreibung für Windkraftanlagen auf See waren sogar überhaupt keine Gebote eingegangen (ECOreporter berichtete hier).
Ein Problem für die Windbranche sind die Risiken bei der Vermarktung des Stroms aus großen Offshore-Parks. Können die Entwickler nicht genügend lukrative langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs) etwa mit Industriekonzernen abschließen, rentieren sich die Anlagen möglicherweise nicht. BCG empfiehlt, ähnlich wie etwa in Großbritannien auf zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs) umzusteigen. Diese garantieren den Parkbetreibern feste Preise. Liegt der Strommarktpreis über den garantierten Vergütungen, gleicht der Staat die Differenz aus. Ist es umgekehrt, erhält der Staat die zusätzlichen Erlöse. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnet CfDs als Option, will sie allerdings erst 2027 in seine Ausschreibungen integrieren.
Verbesserungsbedarf sieht BCG auch in den Lieferketten. Derzeit reichten die Produktionskapazitäten in Europa nur aus, um die Ausbauziele zu 48 Prozent zu erreichen. Ohne Lieferanten von anderen Kontinenten werde man nicht vorankommen. Problematisch sei dabei die hohe Abhängigkeit von Steuerungselektronik aus Asien – nicht zuletzt aus sicherheitspolitischen Gründen.
Beim diesjährigen Nordseegipfel, der gestern in Hamburg stattfand, vereinbarten die Anrainerstaaten, künftig noch enger beim Ausbau der Offshore-Windkraft zusammenzuarbeiten und die Rahmenbedingungen zu verbessern. Im Gegenzug verpflichtete sich die Windenergiebranche, die Stromerzeugungskosten bis 2040 um 30 Prozent zu senken und weitere 9,5 Milliarden Euro in den Offshore-Bereich zu investieren. Dadurch sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre 91.000 neue Jobs geschaffen werden.
Ob Deutschland 2025 seine Ausbauziele für Wind- und Solarenergie erreicht hat, erfahren Sie hier.
Lesen Sie auch die zweiteilige ECOreporter-Übersicht zu Windaktien.
Bleiben Sie immer gut informiert: Abonnieren Sie den kostenlosen ECOreporter-Newsletter.