Viele Firmen in der EU werden anders als geplant keine Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen müssen. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Fonds / ETF

GLS Investments: Reduzierte Berichtspflichten schaden Unternehmen

Die EU schwächt ihre Nachhaltigkeitspflichten für Unternehmen deutlich ab. Nach Einschätzung von Karsten Kührlings, Geschäftsführer der GLS Bank-Tochter GLS Investments, wird das negative wirtschaftliche Folgen haben.

Die EU wird ihr Lieferkettengesetz so stark verwässern, dass es kaum noch nachhaltige Wirkung erzeugen dürfte (ECOreporter berichtete hier). Zudem werden die Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) erheblich entschärft. Künftig sollen nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Jahresnettoumsatz ab 450 Millionen Euro verpflichtet sein, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Außerdem sinken die Anforderungen an diese Berichte. 

Ursprünglich hatte die EU geplant, eine Berichtspflicht ab 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro einzuführen. Das Vorhaben scheiterte wie bereits das Lieferkettengesetz und andere ambitionierte nachhaltige Maßnahmen am Widerstand aus einzelnen Mitgliedsländern und der Industrie. Nach Schätzungen der EU-Kommission werden 80 Prozent der bisher betroffenen Unternehmen nicht mehr unter die CSRD und das Lieferkettengesetz fallen.

"Ein verheerendes Signal"

Für GLS Investments-Geschäftsführer Karsten Kührlings sendet die EU damit „ein verheerendes Signal“. In einem Gastbeitrag für das Portal „Das Investment“ schreibt Kührlings: „Die Klimaziele werden zu einem Lippenbekenntnis.“ Viele Unternehmen hätten in den letzten Jahren Strukturen für die EU-Regelwerke aufgebaut. Diese Anstrengungen würden nun ad absurdum geführt.

Laut Kührlings bedeuten die entfallenden Berichtspflichten für mittelständische Unternehmen auch für Fondsmanager und Investoren einen großen Rückschritt, da kleinere Firmen ohnehin etwa von Ratingagenturen weniger beachtet würden, weil sie nicht so viele Daten veröffentlichen wie Großkonzerne. Bei ESG-Daten werde sich „die Lücke zwischen größeren und kleineren Unternehmen nun erheblich vergrößern“, so Kührlings bei „Das Investment“.

Auch für die Unternehmen selbst sieht Kührlings Nachteile, da Banken Nachhaltigkeitsdaten in ihre Kreditprüfungsprozesse einbeziehen und Aktien oder Anleihen möglicherweise nicht mehr in nachhaltige Fonds aufgenommen werden, wenn die Firmen nicht genügend Nachhaltigkeitsinformationen veröffentlichen. Kührlings Fazit: „Es bleibt nur zu hoffen, dass europäische Unternehmen die ökonomischen Chancen, die in einer nachhaltigen Transformation liegen, auch eigenständig ergreifen – und selbstverantwortlich eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie auf- und umsetzen und darüber berichten.“

Lesen Sie auch unser Dossier Nachhaltige Geldanlage: 10 ECOreporter-Tipps für richtig grüne Investments.

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