Nvidia ist an der Börse extrem hoch bewertet – bei Rücksetzern kann es daher zu beträchtlichen Verlusten kommen. / Foto: Nvidia

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Nvidia verliert 279 Milliarden Dollar Börsenwert – US-Kartellwächter stellen Fragen

Der US-Chipentwickler Nvidia hat mit einem Kursrücksetzer am Dienstag rund 279 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren. Offenbar steigt die Skepsis bezüglich der kurzfristigen Chancen für Künstliche Intelligenz (KI). Gleichzeitig gerät Nvidia einem Bericht zufolge ins Visier der Kartellwächter in den USA.

Die Nvidia-Aktie verlor am Dienstag an ihrer US-Heimatbörse Nasdaq bis Handelsschluss 9,5 Prozent. Beobachter werteten dies gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters als Zeichen dafür, dass Investoren vorsichtiger gegenüber Technologien rund um KI werden.

Kartellbehörden fordern Informationen an

Bis zu seinem Rekordhoch zur Jahresmitte hatte sich der Nvidia-Kurs 2024 fast verdreifacht. Anfang Juni war der Konzern an der Börse erstmals mehr als 3 Billionen US-Dollar wert. Aufgrund der hohen Marktkapitalisierung bedeutete der Kursrückgang einen Verlust von 279 Milliarden Dollar an Börsenwert. Laut Reuters hat noch nie ein US-Unternehmen an einem Tag so viel an Wert verloren. Zum Vergleich: Der in der Krise steckende US-Chipriese Intel ist an der Börse noch rund 86 Milliarden Dollar wert.

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Ein wesentlicher Grund für den deutlichen Einbruch dürfte die Sorge sein, dass sich die hohen Investitionen in KI nur langsam auszahlen könnten. Experten des Fondsanbieters BlackRock schrieben am Dienstag in einer Mitteilung an Kunden, in einigen neueren Studien werde bezweifelt, dass die Einnahmen aus KI allein die Investitionswelle in die Technologie rechtfertigen würden. Zuletzt hatte Nvidia am Finanzmarkt zudem mit einer zu wenig optimistischen Prognose enttäuscht.

Nvidia könnten in den USA außerdem Kartellermittlungen bevorstehen. Das US-Justizministerium habe bei Nvidia und anderen Unternehmen Informationen eingefordert, berichtet der Finanzdienst Bloomberg. Die Nachricht erschien allerdings erst nach dem drastischen Einbruch an der Börse. Die Kartellwächter seien unter anderem besorgt, dass Nvidia es Kunden erschweren könnte, zur Konkurrenz zu wechseln, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Die Prüfung des Justizministeriums sei von Nvidias Plänen zur Übernahme der Firma RunAI ausgelöst worden, die Software zur Verwaltung von KI-Computern anbietet, so Bloomberg. Die Wettbewerbshüter fragten demnach auch nach, ob Kunden, die nur Nvidias Technik verwenden, bessere Konditionen bekämen.

Das US-Justizministerium wollte den Bericht auf Anfrage laut Bloomberg nicht kommentieren. Nvidia betonte in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur, das Unternehmen gewinne am Markt dank der Stärke seines Angebots.

In Frankreich läuft bereits eine Kartelluntersuchung gegen Nvidia. Der Konzern beherrscht nicht nur rund 80 Prozent des Marktes für KI-Prozessoren. Das Unternehmen bietet zudem auch eine auf die eigenen Produkte zugeschnittene Programmiersoftware namens CUDA an, die mit Chips anderer Firmen nicht kompatibel ist. Frankreichs Wettbewerbshüter kritisierten in einem Bericht, dass Kunden so praktisch im Ökosystem von Nvidia "eingeschlossen" würden. Mehr dazu lesen Sie hier.

Aktie bleibt überhitzt

Die Kursverluste von Nvidia setzten sich am Mittwochmorgen zunächst fort, aktuell ist die Aktie im Tradegate-Handel 3,5 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 94,30 Euro (Stand: 4.9.2024, 9:36 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 2,6 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 108,6 Prozent zugelegt.

ECOreporter hat wiederholt vor Rücksetzern bei der überhitzten Nvidia-Aktie gewarnt und dabei auch auf die Risiken wegen möglicher Kartellermittlungen und eines Abkühlens der KI-Euphorie hingewiesen. Hinzu kommt ein steigender Wettbewerbsdruck, weil Konkurrenten wie AMD und Intel ebenfalls KI-Chips auf den Markt bringen und wichtige Nvidia-Kunden wie Amazon und die Google-Mutter Alphabet zunehmend eigene KI-Halbleiter entwickeln.

Das größte Risiko für Nvidia bleibt allerdings die hohe Abhängigkeit vom taiwanesischen Chipfertiger TSMC. Falls China wie angedroht in Taiwan einmarschiert, würde Nvidias Lieferkette vermutlich zusammenbrechen, da der Konzern selbst keine Chips herstellt und seine leistungsstärksten KI-Halbleiter ausschließlich von TSMC bezieht.

Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie für 2024 ist mit 108 sehr hoch. Anlegerinnen und Anleger, die neu bei Nvidia einsteigen möchten, sollten abwarten, bis die Aktie ein akzeptables Niveau erreicht hat.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Nachhaltig in Künstliche Intelligenz investieren? Das sind die ECOreporter-KI-Aktientipps und den Branchenüberblick Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Bis fast 3.000 % Plus in 5 Jahren - wo sich der Einstieg noch immer lohnen kann.

Nvidia Corp.: ISIN US67066G1040 / WKN 918422

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