Orsted ist Weltmarktführer bei Windparks auf hoher See (Offshore-Windparks). Vor allem in den USA, die ihren Bestand an Grünstromkraftwerken eigentlich massiv ausbauen wollen, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit schwierig. / Foto: Orsted

  Nachhaltige Aktien

Orsted bricht große Windparkprojekte ab – Aktie verliert 24 %

Der dänische Erneuerbare-Energien-Konzern Ørsted wird die US-Offshore-Windparks Ocean Wind 1 und 2 nicht bauen und muss deshalb mehrere Milliarden Euro abschreiben. Der Aktienkurs fällt auf ein neues Sieben-Jahres-Tief. Bieten sich jetzt Kaufgelegenheiten, oder sind die Risiken zu hoch?

Ørsted teilte gestern mit, man werde die Planungsarbeiten für Ocean Wind 1 und 2 abbrechen. Verzögerungen bei Zulieferern und gestiegene Kosten würden die Projekte unrentabel machen. Ein anderer großer US-Windpark, Revolution Wind, soll hingegen wie vorgesehen gebaut werden. Das Ørsted-Management hatte bereits im August hohe Abschreibungen auf US-Projekte angekündigt.

Das Tagesgeschäft bleibt stabil

Der Abbruch der Ocean Wind-Projekte drückt den Konzern tief in die Verlustzone. In den ersten drei Quartalen 2023 fielen vor allem wegen Ocean Wind 1 Abschreibungen von 28,4 Milliarden Dänischen Kronen (3,8 Milliarden Euro) an. Unter dem Strich verbuchte Ørsted einen Nettoverlust von 19,9 Milliarden Kronen (knapp 2,7 Milliarden Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen 15,3 Milliarden Kronen Gewinn erzielt.

Das operative Geschäft läuft weiterhin solide: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ohne Berücksichtigung neuer Projektpartnerschaften stieg im Zeitraum Januar bis September um 7 Prozent auf 15,4 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro). Die Nettoverschuldung ging um 6 Prozent zurück auf 42,9 Milliarden Kronen (5,8 Milliarden Euro).

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Für das Gesamtjahr geht Ørsted weiterhin von einem EBITDA ohne Berücksichtigung neuer Projektpartnerschaften zwischen 20 und 23 Milliarden Kronen aus. Mögliche Stornierungsgebühren für Ocean Wind 1 von ungefähr 8 bis 11 Milliarden Kronen könnten das Ergebnis aber niedriger ausfallen lassen. „Angesichts unseres schwierigen US-Portfolios und der aktuellen Marktbedingungen haben wir zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, um unsere Kapitalstruktur und unser Rating zu sichern und unsere Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung zu verbessern", teilte Ørsted-Chef Mads Nipper mit.

75 Prozent Wertverlust seit November 2020

Nach Veröffentlichung der neuen Geschäftszahlen ist der Kurs der bereits vorher schwächelnden Ørsted-Aktie gestern um 24 Prozent eingebrochen. Heute startete das Papier leicht erholt mit einem Plus von knapp 3 Prozent in den Tradegate-Handel und kostet aktuell 34,79 Euro (Stand 2.11.2023, 10:08 Uhr). Im Jahresvergleich notiert die Aktie 59 Prozent im Minus, auf drei Jahre gesehen hat sie 75 Prozent an Wert verloren. Der Kurs steht derzeit so niedrig wie zuletzt Ende 2016.

ECOreporter schätzt die langfristigen Aussichten für Ørsted trotz der aktuellen Probleme weiterhin positiv ein. Der Konzern ist weltweit führend bei Offshore-Windparks – immer noch ein Wachstumsmarkt – und baut zudem seine Aktivitäten bei Solarenergie, Stromspeichern, CO2-Lagerung (Carbon Capture & Storage, CCS) und grünem Methanol stetig weiter aus. Finanziell steht Ørsted nach wie vor ordentlich da: Vermögenswerte von 287 Milliarden Kronen standen Ende September Verbindlichkeiten in Höhe von 208 Milliarden Kronen gegenüber.

Die Aktie ist nach dem Kurssturz nicht teuer. Wer jetzt einsteigt, sollte allerdings einen langen Investitionshorizont mitbringen und unruhige Kursverläufe aushalten können.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Die besten Windaktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnt.

Ørsted A/S:  ISIN DK0060094928 / WKN A0NBLH

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