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Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie
Pakistanische Bauern reichen Klimaklage gegen RWE und Heidelberg Materials ein
Erstmals werden in Deutschland Unternehmen wegen bereits eingetretener Klimaschäden verklagt. 39 Landwirte aus Pakistan verlangen vor dem Landgericht Heidelberg mehr als eine Million Euro Schadensersatz vom Essener Energiekonzern RWE und dem Baustoffkonzern Heidelberg Materials. Es geht um Ernteverluste infolge der verheerenden Überschwemmungen im Sommer 2022.
Bei der Überschwemmungskatastrophe starben 2022 mehr als 1.700 Menschen, 1,7 Millionen Gebäude wurden zerstört oder beschädigt und 1,7 Millionen Hektar Ackerland verwüstet. Nach Angaben der Welthungerhilfe waren insgesamt 33 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen. Die Kläger machen geltend, dass die beiden Konzerne als große CO2-Emittenten einen messbaren Beitrag zum Klimawandel geleistet hätten, der Intensität und Wahrscheinlichkeit der Extremregen in Pakistan erhöht habe.
Deutsches Urteil macht Klage möglich
Die Forderungen orientieren sich am jeweiligen Anteil der Unternehmen an den globalen Emissionen. Unterstützt werden die Bauern von internationalen Menschenrechts- und Umweltorganisationen. Ein außergerichtlicher Einigungsversuch war im vergangenen Jahr gescheitert.
Die Kläger argumentieren, dass die Risiken des menschengemachten Klimawandels seit Jahrzehnten bekannt seien und die Unternehmen dennoch ihre Emissionen nicht ausreichend reduziert hätten. Schon 1965 hatte in den USA ein erster Regierungsbericht vor den Folgen der Erderwärmung durch fossile Energienutzung gewarnt. Dass RWE und Heidelberg Materials ihre Emissionen trotzdem nicht deutlich reduziert hätten, sei eine Verletzung der Sorgfaltspflicht.
Basis für die Klage ist ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm von 2025. Das Gericht hatte entschieden, dass große Emittenten von CO2 im Grundsatz für Klimafolgeschäden in anderen Staaten zur Verantwortung gezogen werden können.
Geklagt hatte der peruanische Landwirt und Bergführer Saúl Luciano Lliuya. Weil er befürchtete, dass eine durch schmelzende Gletscher verursachte Flutwelle in der Zukunft sein Haus treffen könnte, hatte er von RWE eine Beteiligung an Schutzmaßnahmen für das Gebäude gefordert. Lliuya selbst scheiterte mit der Klage, da das Gericht keine ernsthaft drohende Gefahr sah. In der aktuellen Klage geht es allerdings um bereits entstandene Schäden.
Klimakrise "für uns bittere Realität"
"Für uns ist die Klimakrise keine ferne Zukunft, sondern eine bittere Realität. Wir sind nicht bereit, die Angst vor zerstörerischen Extremwetterereignissen als ständigen Begleiter in unserem Leben zu akzeptieren", sagte Kläger Abdul Hafeez Khoso, ein 42-jähriger Landwirt, laut der Plattform Legal Tribute Online (LTO). "Mit dieser Klage fordern wir nicht nur Entschädigung, sondern Gerechtigkeit. Wir verlangen, dass die Welt von uns Kenntnis nimmt und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."
RWE und Heidelberg Materials gehören zu den sogenannten "Carbon Majors", den mehr als 100 Unternehmen, die für fast 70 Prozent der weltweiten industriellen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Nach einer aktuellen Analyse der US-Nichtregierungsorganisation Climate Accountability Institute (CAI) soll RWE für mindestens 0,68 Prozent und Heidelberg Materials für 0,12 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein.
Die Klage ist rechtliches Neuland, wie auch die Anwälte der Kläger erklärten. Das Landgericht Heidelberg muss nun wesentliche Rechtsfragen beurteilen. Nach Einschätzung von Experten dürfte es einige Zeit dauern, bis es in dem Verfahren weitergeht.
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