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Streit in der Chipbranche: Qualcomm reicht Kartellklagen gegen ARM ein
Der US-Chipentwickler Qualcomm hat bei den Marktaufsichtsbehörden in den USA, der EU und in Südkorea Klage gegen den britischen Halbleiter-Architekten ARM eingereicht. Dieser soll demnach den Wettbewerb verzerren. Die beiden Unternehmen hatten im vergangenen Jahr einen erbitterten Lizenzstreit geführt.
Qualcomm wirft ARM laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wettbewerbswidriges Verhalten, das Ausnutzen bestehender Abhängigkeiten und eine bewusste Beeinträchtigung des Halbleiter-Weltmarkts vor. Die Amerikaner sehen demnach aus mehreren Gründen den freien Wettbewerb in Gefahr.
Lizenzstreit um Nutzungsrechte für Prozessoren
Arm entwickelt bislang selbst keine Chips, sondern grundlegende Baupläne für die Halbleiter anderer Hersteller. Das Unternehmen ist von immenser Bedeutung für den Chip-Weltmarkt: Halbleiter auf Basis von ARM-Architekturen stecken in fast jedem Smartphone und gewinnen auch für PCs und Rechenzentren an Bedeutung.
Auch Qualcomm setzt stark auf ARM. Die Prozessoren, die der Konzern für seine Offensive auf dem PC- und Laptop-Markt benötigt, beruhen auf Technologie der Briten. Allerdings hat Qualcomm in diesem Fall Baupläne nicht direkt eingekauft. Stattdessen übernahm der Konzern 2021 für 1,4 Milliarden US-Dollar das Start-up Nuvia und verwendet nun dessen Prozessoren, die auf ARM-Technologie basieren.
Das hatte einen Lizenzstreit ausgelöst. ARM verlangte für die Nutzung von Nuvia-Technologie durch Qualcomm zusätzliche Gebühren und erklärte, die Nuvia-Lizenzen hätten ohne Zustimmung von ARM nicht verkauft werden dürfen. Qualcomm verweigerte die Zahlungen und argumentierte, dass seine bestehende Vereinbarung zur generellen Nutzung von ARM-Technologie auch Nuvia mit einbeziehe. Ende 2024 entzog ARM Qualcomm schließlich sämtliche Nutzungsrechte für seine Architekturen, nicht nur für die von Nuvia.
Vor Gericht setzte sich Qualcomm Ende 2024 allerdings teilweise durch. ECOreporter berichtete hier. Und im Februar 2025 zog ARM seine Drohung zurück, den Lizenzvertrag mit Qualcomm zu kündigen.
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Qualcomm argumentiert in seiner Klage nun, mit dem kategorischen Lizenzentzug habe ARM den internationalen Wettbewerb beeinträchtigt. Nur wenn ARMs Architekturen prinzipiell allen Anbietern offenstünden und alle Kunden gleich behandelt würden, sei ein freier Wettbewerb garantiert. ARM sei aber in den vergangenen 35 Jahren derart bedeutend für die Prozessorentwicklung geworden, dass ein gezielter Entzug oder Vorenthalt der Lizenzen für ein einzelnes Unternehmen einer vorsätzlichen Verzerrung des internationalen Wettbewerbs gleichkäme.
Außerdem kritisiert Qualcomm, dass ARM plant, auch selbst Prozessoren herstellen zu wollen. ARM dürfe nicht in Wettbewerb mit seinen Lizenznehmern treten, solange es die Lizenzen für deren Technologie kontrolliere.
Dabei beruft sich Qualcomm laut dem Bericht auf Argumente, die auch vorgebracht worden waren, als Nvidia 2020 versucht hatte, ARM zu übernehmen. Die Nvidia-Pläne waren damals am geballten Widerstand der Industrie und der Kartellbehörden gescheitert. Damals hieß es, die ARM-Architekturen seien für den Weltmarkt zu wichtig, als dass die Kontrolle darüber in die Hände eines einzelnen Chipherstellers gelangen dürfe.
Nvidia hatte 2020 versucht, durch die Übernahme auch in den Markt für CPU-Kerne zu expandieren, um ein zweites Standbein neben dem Geschäft mit Grafikprozessoren aufzubauen. Mittlerweile eher eine Anekdote in der jüngeren Geschichte des Unternehmens: Seit Nvidias Grafikprozessoren sich als die besten Chips für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) herausgestellt haben, kontrolliert der Konzern praktisch den KI-Markt und ist zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen.
Aussagen von ARM zu den Vorwürfen von Qualcomm liegen laut Bloomberg bislang nicht vor. Auch die Kartellbehörden äußerten sich demnach vorerst nicht.
So sieht ECOreporter die Aktien
Die Qualcomm-Aktie ist im Tradegate-Handel aktuell 1 Prozent im Minus zum Freitag und kostet 139,14 Euro (Stand: 31.3.2025, 11:03 Uhr). Im Monatsvergleich hat die Aktie 8,1 Prozent eingebüßt, im Jahresvergleich gab der Kurs um 12,4 Prozent nach.
Qualcomm hat im aktuell schwächelnden PC-Markt und auch in anderen Sektoren ambitionierte Ziele und möchte zusätzliche Milliarden erwirtschaften, unter anderem um den Wegfall seines wichtigsten Kunden Apple auszugleichen, der in den nächsten Jahren auf die Entwicklung eigener Chips setzen will.
Ob dieser Ausfall wirklich kompensiert werden kann, bleibt abzuwarten. In den letzten fünf Jahren hat sich der Qualcomm-Börsenkurs mehr als verdoppelt, das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Geschäftsjahr 2024/25 liegt bei eher niedrigen 12. Anlegerinnen und Anleger müssen allerdings darauf setzen, dass der Ausbau des Geschäfts wie erhofft verläuft – ein Risiko.
Die ARM-Aktie notiert heute im Tradegate-Handel 4,2 Prozent im Minus zum Freitag bei 94,90 Euro (Stand: 31.3.2025, 11:03 Uhr). Für den Kurs ging es im Monatsvergleich 26,1 Prozent abwärts, auf Jahressicht büßte die Aktie 17,9 Prozent an Wert ein.
Der Streit mit Qualcomm und der mögliche Kartellärger bergen für ARM aktuell mehr Unsicherheiten als für Qualcomm. Zudem gingen die Briten bislang als klarer Verlierer aus dem Lizenzstreit hervor. Hinzu kommt: Es befinden sich kaum Aktien im Streubesitz, 90 Prozent der Anteile hält der japanische Investment-Konzern Softbank. ECOreporter rät vom Kauf ab.
Beide Aktien standen zuletzt unter Druck. Das dürfte auch daran liegen, dass die Skepsis gegenüber dem überhitzten KI-Markt steigt, was auf den gesamten Technologiesektor durchschlägt.
Qualcomm Inc.: ISIN US7475251036 / WKN 883121
ARM Holdings: ISIN US0420682058 / WKN A3EUCD
(Aktuelle Kursdaten zu den Aktien erhalten Sie, wenn Sie auf das Symbol hinter der WKN klicken.)
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