Weltweit grün investieren - auch in der zweiten Amtszeit Donald Trumps eine gute Idee? / Illustration: Timothée D'arco, Fotolia

  Fonds / ETF

Wegen Trump: Jetzt MSCI World-ETFs verkaufen?

Leserfrage: „Die USA drohen unter Donald Trump wirtschaftlich den Bach runterzugehen. Ich bin in einen ETF auf den MSCI World Index investiert, der zu fast 70 Prozent aus US-Aktien besteht. Was soll ich jetzt tun, um Verluste zu vermeiden?“

Dass nachhaltige Anlegerinnen und Anleger derzeit wegen der Entwicklungen in den USA schlecht schlafen, ist verständlich. Donald Trump, Elon Musk und andere Rechtspopulisten höhlen im Rekordtempo den Rechtsstaat aus, versuchen ein autokratisches Regime zu errichten und kriminalisieren ganz nebenbei auch grüne Geldanlagen.

US-Aktien verlieren an Wert

Wird Trumps Gangstergehabe der US-Wirtschaft auf lange Sicht schaden? Seriös lässt sich das kaum vorhersagen, dazu ist Trumps Verhalten zu unberechenbar. Bis auf Weiteres dürften die Kurse amerikanischen Aktien aber deutlich schwanken und können dabei auch spürbar an Wert verlieren, so wie etwa Anfang dieser Woche. Der US-Großwerteindex S&P 500 hat seit Mitte Februar mehr als 6 Prozent eingebüßt.

Damit notiert der Index zwar immer noch höher als Anfang November 2024 und auf fünf Jahre gesehen mehr als 130 Prozent im Plus. Weitere, vielleicht sogar stärkere Kursverluste sind aber möglich, vor allem wenn Trump seine ebenso umstrittene wie chaotische Zollpolitik fortsetzt und dringend benötigte migrantische Arbeitskräfte aus dem Land wirft.

Was heißt das jetzt für MSCI World-ETFs?

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Sollten große US-Konzerne kräftig an Wert verlieren, sinkt allerdings auch ihr Anteil im MSCI World Index. Denn die Gewichtung der Aktien in dem Index richtet sich nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach dem Börsenwert der Unternehmen. Stürzt beispielsweise die Apple-Aktie ab, weil der Konzern auf seine Produkte, die größtenteils außerhalb der USA produziert werden, hohe Zölle zahlen muss, verringert sich der Apple-Anteil im MSCI World. Dafür werden andere Aktien höher gewichtet oder ganz neu in den Index aufgenommen. Und diese Papiere können auch etwa aus Europa, Japan oder Australien kommen. Heißt letztlich: Rutschen die USA in eine Wirtschaftskrise, gewinnen andere Länder im MSCI World Index an Bedeutung – und ETFs kaufen entsprechend andere Aktien.

Natürlich können Sie jetzt Fonds oder ETFs mit einem geringeren US-Anteil kaufen, um auf die Rezessionsgefahr in den USA und die jüngsten Verluste des MSCI World Index zu reagieren. Nur: Höhere Renditen haben solche Anlagestrategien in den letzten Jahrzehnten meist nicht gebracht. Der MSCI World oder vergleichbare Weltindizes und auch deren nachhaltige Varianten liegen auf lange Sicht in der Regel vorne, weil diese Aktienlisten immer die wertvollsten börsennotierten Unternehmen enthalten – egal aus welchem Land sie kommen.

Ein Beispiel aus der Historie des MSCI World: Japanische Aktien hatten 1989 einen Anteil von 40 Prozent an dem Index. Als die damalige Blase am japanischen Aktienmarkt platzte, verlor der MSCI World 25 Prozent an Wert. Sechs Jahre später notierte er – mit teils anderen Aktien – bereits wieder 30 Prozent höher als vor dem Japan-Crash. Aktuell liegt der Index trotz der Turbulenzen der letzten Wochen im Jahresvergleich 10 Prozent im Plus, auf fünf Jahre gesehen hat sich sein Wert verdoppelt.

Übrigens dürfte es erfahrungsgemäß auch wenig bringen, jetzt einen Welt-ETF oder einen global aufgestellten Fonds zu verkaufen, um wieder einzusteigen, sobald sich die Lage beruhigt hat. Denn den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg zu finden, ist reine Glückssache.

ECOreporter rät weiterhin: Investieren Sie weltweit mit einem langfristigen Anlagehorizont in viele nachhaltige Unternehmen und Branchen. Kaufen Sie als Fundament für Ihr Depot entsprechende ETFs oder aktiv gemanagte Fonds – sechs dieser Basis-Investments haben wir hier vorgestellt. Als Beimischung können Sie dann noch beispielsweise Europa-, Asien- oder Schwellenländer-Fonds hinzunehmen, um Ihr Portfolio regional ausgewogener aufzustellen. Aber verkaufen Sie bitte nicht Ihre Welt-ETFs, um dann das ganze Geld etwa in Europa-ETFs oder gar Deutschland-Fonds zu stecken. Solche Wetten auf bestimmte Weltgegenden sind riskant und waren in der Vergangenheit langfristig meist keine gute Idee. Es ist wie mit der Klimawende: Die kann auch nur gelingen, wenn sie global gedacht wird.

ECOreporter hat mittlerweile knapp 250 nachhaltige Fonds und ETFs analysiert. Alle Tests und weitere Informationen finden Sie hier:

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