Die Bank für Kirche und Caritas nutzt Investments in Staatsanleihen, um sich etwa für den Schutz des Regenwaldes einzusetzen. / Foto: Pixabay

  Finanzdienstleister, Banken-Favorit

Wie eine Kirchenbank den Regenwald und Indigene schützt – Kraft des Geldes Teil 5

Ihr Geld: Ein unbedeutendes Staubkorn im schier unendlichen Universum des Finanzmarktes? Oder der Zellkern für etwas, das Sinn ergibt – ein Stück Krankenhaus, eine Grundlage für ein kleines Unternehmen in einem Schwellenland, ein Kindergarten, ein Teil der Energiewende, eine Stimme mit Einfluss gegen die Regenwaldzerstörung? ECOreporter zeigt Beispiele, wo das möglich wird.

Die nachhaltige, ethische Geldanlage hat Wirkung. Nicht nur auf dem Konto oder im Depot. Sondern auch in der realen Welt, jenseits der Zahlen. Da verändert Geld etwas. Man muss nicht einmal Millionen investieren, damit echte Wirkung entsteht. Denn die Masse kommt durch die Menge der ethisch und nachhaltig Anlegenden zusammen.

Über Investments den Dialog mit Staaten suchen

Der grüne Geldmarkt hat in den letzten Jahren bereits Milliarden in sinnvolle Kanäle gelenkt. In dieser ECOreporter-Serie geben Ihnen sechs Menschen konkrete Beispiele dafür, was Geld geleistet hat und weiterhin bewirken kann, wenn die Richtung und das Engagement stimmen. Aus kleinen Beiträgen Großartiges entstehen lassen: So funktioniert es.

Investitionen können nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei Staaten genutzt werden, um den Dialog zu suchen. Das kann kompliziert sein – die Bank für Kirche und Caritas stellt sich aber beispielsweise in Brasilien der Herausforderung. Und sieht erste Erfolge.

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Mit Staatsanleihen, auch festverzinsliche Wertpapiere oder Schuldverschreibungen genannt, leiht man der öffentlichen Hand Geld, also dem Staatshaushalt. Staatsanleihen machen etwa die Hälfte des globalen Anleihenmarktes aus – ein Billionen-Dollar-Karussell. Tommy Piemonte leitet das Nachhaltigkeitsresearch der katholischen Bank für Kirche und Caritas (BKC) in Paderborn. Er erklärt, was die nachhaltige Geldanlage hier bewirken kann.

ECOreporter: Warum berücksichtigt die BKC die Nachhaltigkeit von Staatsanleihen?


Tommy Piemonte leitet das Nachhaltigkeitsresearch der katholischen Bank für Kirche und Caritas. / Foto: Carina Willeke; Bank für Kirche und Caritas

Tommy Piemonte: Damit alle unsere Geldanlagen, in die wir investieren, unserer christlichen Wertorientierung entsprechen, haben wir als katholische Kirchenbank einen ethisch-nachhaltigen Kriterienfilter. Dieser gilt natürlich auch für Staatsanleihen.

Die BKC investiert auch in brasilianische Staatsanleihen. Brasilien steht unter anderem wegen der Regenwaldvernichtung in der Kritik.

Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes hat in der Amtszeit von Präsident Jair Bolsonaro ab 2019 rasant zugenommen. Wir haben nach umfangreicher Planung eine internationale Allianz von knapp 100 katholischen Institutionen aus 18 Ländern als katholische Investorenstimme geschmiedet. Sie sollte nicht nur in Wirtschafts- und Finanzkreisen zu hören sein, sondern auch in Gesellschafts- und Regierungskreisen Brasiliens. Unseren Forderungen gegen die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und die Entrechtung der dort lebenden indigenen und traditionellen Bevölkerung wollten wir so den nötigen Druck verleihen.

Bei Staaten gibt es ja keine Aktionärsversammlung – wen haben Sie angesprochen?

Das ist schwierig. Das Finanzministerium ist für Investoren der Ansprechpartner, hat aber meist wenig Expertise, was Nachhaltigkeit angeht. Ein Umweltministerium wiederum hat wenig Bezug zum Finanzmarkt. In Brasilien sind wir daher nicht nur an einzelne Regierungsvertreter herangetreten, sondern auch an Entscheidungsträger aus Parlament und Judikative.

Wie stellen Sie solche Forderungen? Schreiben Sie Briefe?

Auch. Wir haben an die Entscheidungsträger Briefe geschickt, diese zeitgleich aber auch als offene Briefe veröffentlicht. Daraus hat sich dann ein ausführlicher und breiter Dialog entwickelt. Beispielsweise ein intensiver Briefwechsel mit dem Justizministerium und der Behörde für Angelegenheiten der indigenen Bevölkerung Brasiliens. Wir hatten Videokonferenzen mit dem brasilianischen Botschafter in Washington, D.C., der brasilianische Botschafter in Berlin empfing uns persönlich, wir sprachen online mit Parlamentariern verschiedener Parteien in Brasilien, und wir waren zu Vor-Ort-Gesprächen in Brasilien.

Wurden Ihre Forderungen erfüllt?

Ja, nahezu vollständig, und es gibt positive Anzeichen für Veränderungen zugunsten von Umwelt und Menschenrechten, seit Präsident Lula da Silva sein Amt angetreten hat. Die Situation in Brasilien ist trotzdem weiterhin problematisch. Deshalb haben wir bereits ein neues Engagement gestartet, das sich auf den illegalen Goldbergbau in Brasilien und eine bessere Rückverfolgbarkeit bei Gold im Allgemeinen konzentriert.

Die übrigen Teile unserer Serie "Kraft des Geldes" finden Sie hier:

Teil 1: Festgeld für die Wachkomastation

Teil 2: Die Büffelkuh und die Ärzte

Teil 3: Von Kindergärten und Schulen in Finnland

Teil 4: So krempelten private Anlegerinnen und Anleger die Energiebranche um

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