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Erneuerbare Energie, Meldungen
Wirtschafsweise verteidigen CO₂-Zertifikatehandel
CO2-Zertifikate sind eines der wichtigsten Instrumente, um die europäischen Klimaziele zu erreichen. Industrie und Teile der Politik versuchen allerdings zunehmend, den Zertifikatehandel deutlich unternehmensfreundlicher zu gestalten oder gleich ganz abzuschaffen. Warum das keine gute Idee ist, erläutern mehrere renommierte Ökonomen.
Damit die CO2-Emissionen immer weiter sinken, gibt es seit etwa 20 Jahren einen europaweiten Markt für handelbare Emissionszertifikate (ETS). Firmen, die mehr Emissionen ausstoßen, als gesetzlich vorgesehen, müssen für die Differenz Zertifikate kaufen. Von denen werden mit der Zeit immer mehr aus dem Handel genommen, wodurch die Preise steigen. Das erhöht den Anreiz für Unternehmen, in klimafreundlichere Technologien zu investieren.
Der Zertifikatehandel funktioniert
Zahlreichen Studien zufolge ist der Zertifikatehandel das wirksamste Mittel, um klimaschädliche Emissionen dauerhaft zu senken. Das System wird allerdings seit Beginn der russischen Angriffe auf die Ukraine und aktuell verstärkt im Zuge des Iran-Kriegs immer wieder angegriffen – vor allem von Branchen, die viel Energie verbrauchen und es in den letzten Jahren versäumt haben, sich nachhaltiger aufzustellen. Die Argumente sind immer die gleichen: Die Zertifikate seien zu teuer und würden das Wirtschaftswachstum in Europa ausbremsen. Dass das Prinzip der Preisbildung seit Jahrzehnten bekannt ist und Firmen viel Zeit hatten, sich auf steigende CO2-Preise einzustellen, wird dabei gerne unter den Teppich gekehrt.
Der Deutsch-Französische Rat der Wirtschaftsexperten hat sich angesichts der intensiven Lobbyarbeit gegen den Zertifikatehandel noch einmal ausdrücklich für dessen Fortsetzung ausgesprochen. Dem Rat gehören unter anderem die aktuellen oder ehemaligen deutschen Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer, Martin Werding, Achim Truger und Ulrike Malmendier an.
"Ein ständiges Zurückrudern ist äußerst schädlich"
„Der Versuch, den CO2-Preis beispielsweise durch eine Preisobergrenze zu senken, würde schlicht bedeuten, die europäische Klimaschutzambition nach unten zu korrigieren“, heißt es in einem Gastbeitrag der deutsch-französischen Ökonomengruppe für „ZEIT online“. „Der ETS hat sich tatsächlich bei der Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft als wirksam erwiesen: Die Emissionen der unter die Regelung fallenden Anlagen sind gegenüber dem Jahr 2005 um etwa 50 Prozent gesunken.“
Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu schützen, empfehlen die Wissenschaftler einen CO2-Grenzausgleich, also einen CO2-Preis auf Produkte, die in die EU importiert werden. Die Abkehr vom Zertifikatehandel halten sie für den falschen Weg: „Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Klimapolitik ist ihre Stabilität. Ein ständiges Zurückrudern bei Zielen und Instrumenten ist äußerst schädlich. Ohne ausreichende Planungssicherheit über die künftige Klimapolitik – wenn also stets mit einer Abschwächung der europäischen Ambitionen gerechnet werden muss – werden Unternehmen die notwendigen Investitionen in CO2-arme Technologien nicht tätigen.“
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