Kommunen tun viel für die nachhaltige Transformation – doch bei den Rahmenbedingungen gibt es Hindernisse. / Foto: Pixabay

  Erneuerbare Energie, Meldungen

Energiewende in Kommunen: Fehlende Infrastruktur und Finanzierung als Problem

Die Energiewende vor Ort scheitert selten am Willen der Verantwortlichen – sondern an fehlenden Netzkapazitäten, fehlendem Geld und komplizierten Verfahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Befragung unter mehr als 600 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Zudem herrscht Unklarheit bei Fördermöglichkeiten.

Für die Studie haben die gemeinnützigen Organisationen Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) aus München und heimatwurzeln e.V. aus Bonn bundesweit 609 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister befragt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in vielen Kommunen Projekte in allen Bereichen der Transformation – von Energiewende über Wärme und Mobilität bis zur Klimaanpassung – bereits umgesetzt werden, geplant sind oder grundsätzlich auf Interesse stoßen. Doch gerade die Stromnetze entwickeln sich zum Flaschenhals.

Probleme beim Netzanschluss und schlechte Kommunikation

Fast jede zweite Kommune nennt in der Befragung fehlende Kapazitäten im Verteilnetz (46 Prozent) oder Engpässe bei Umspannwerken (39 Prozent) als Hemmnis für die Realisierung von Projekten. Lediglich 3 Prozent der Befragten geben an, dass Netzanschlüsse kein Problem sind. Das heißt: Projekte scheitern nicht an fehlendem Engagement, sondern an fehlender Infrastruktur.

Gleichzeitig fehlt es Kommunen auch an finanziellem Spielraum, um Projekte eigenständig voranzutreiben. Mehr als 73 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister beschreiben die Haushaltslage ihrer Kommune als angespannt, nennen aber auch eine Lösung: Mehr als 63 Prozent von ihnen sehen in einer "Pauschalförderung und vereinfachten Kofinanzierung für kommunale Projekte" den wichtigsten Hebel für eine schnellere Umsetzung der Energiewende vor Ort.

Und: Laut der Studie fehlt es an Wissen darüber, wo der Gesetzgeber Kommunen unterstützen kann. Nicht einmal die Hälfte der Gemeinden ruft ihnen zustehende Zahlungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz tatsächlich ab. Fast 40 Prozent geben sogar an, davon noch nie gehört zu haben oder dass ihnen Informationen fehlen.

Einen wesentlichen Grund für Widerstand gegen den Ausbau erneuerbarer Energien sehen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in einer schwachen staatlichen Informationspolitik. Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass die Kommunikation der Bundesregierung zur Energiewende negative Auswirkungen auf die Akzeptanz vor Ort hat. Zusätzlich fühlt man sich in allen angefragten Aufgabenbereichen wie "Stromerzeugung & Netze", "Wärmenetze & kommunale Wärmeplanung", "Mobilität & Ladeinfrastruktur" und die "Finanzierung der Energiewende" schlecht von der Bundesregierung vertreten.

Informationen über Vorteile erhöhen Akzeptanz vor Ort

Die Akzeptanz für neue Energieprojekte sei insbesondere von unmittelbaren Vorteilen für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort abhängig. So geben zwei Drittel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister an, dass günstige Energiepreise die Akzeptanz steigern können, und mehr als die Hälfte glaubt das bei einer direkten finanziellen Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

"Damit Projekte tatsächlich umgesetzt werden können, braucht es einfachere Förderstrukturen, mehr Netzkapazitäten und eine bessere Abstimmung der Infrastrukturplanung", so IKND und heimatwurzeln in ihrem Fazit. "Günstige Energie sichert dabei nicht nur die Akzeptanz der Bevölkerung, sondern kann auch unserer stark in Bedrängnis geratenen Wirtschaft unter die Arme greifen."

Mehr zu Investments in erneuerbare Energien finden Sie in unseren zweiteiligen ECOreporter-Übersichten zu Windaktien und zu Solaraktien.

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