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ERG: Ein Ölriese wird zum Grünstromgiganten
Ein echtes Transformationsunternehmen: 80 Jahre lang verdiente ERG sein Geld mit Öl und Erdgas – mittlerweile setzt der italienische Konzern nur noch auf Erneuerbare Energien. ECOreporter hat sich ERG näher angesehen und sagt Ihnen, wie aussichtsreich die Aktie ist.
Namensgeber von ERG (kurz für Edoardo Raffinerie Garrone) ist der Ölhändler Edoardo Garrone, der das Unternehmen 1938 in Genua gründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt ERG zu einem der größten Öl- und Gaskonzerne Italiens auf, betreibt eigene Raffinerien, Kraftwerke, Pipelines und Tankstellen.
Ab 2006 beginnt dann die grüne Wende: ERG übernimmt das italienische Windkraftunternehmen EnerTAD und konzentriert sich immer stärker auf Wind- und später auch Solarenergie. 2017 verkauft der Konzern seine Mehrheitsbeteiligung an der Ölgesellschaft TotalERG, 2023 sein letztes fossiles Kraftwerk.
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Grüner Strom für Millionen Menschen
Heute ist ERG einer der größten Erneuerbare-Energien-Erzeuger Europas. Dem Unternehmen gehören Wind- und Solarparks mit einer Gesamtkapazität von etwa 3,9 Gigawatt. Bis 2028 sollen es 5 Gigawatt werden. Im letzten Jahr erzeugten die Anlagen, die der Konzern meist von Projektentwicklern kauft, 6,1 Terawattstunden grünen Strom – genug, um ungefähr 1,8 Millionen Haushalte zu versorgen.
Die meisten Kraftwerke des Unternehmens stehen in Italien, Frankreich und Deutschland. Darüber hinaus ist ERG in Osteuropa, Großbritannien, Spanien, Schweden und den USA vertreten. Derzeit beschäftigt der Konzern mehr als 600 Menschen.
Alte Solarmodule werden weiter genutzt
ERG erzeugt nicht nur ausschließlich Ökostrom, sondern verbraucht auch selbst fast nur Energie aus regenerativen Quellen. Bis 2040 will man in allen Geschäftsbereichen klimaneutral sein – die renommierte Science Based Target initiative (SBTi) schätzt die Klimastrategie des Unternehmens als ambitioniert und plausibel ein. Zudem gibt ERG ausrangierte, aber noch funktionsfähige Solarmodule an gemeinnützige Organisationen ab, die sie in Schwellenländern weiterbetreiben, und recycelt seine übrigen Altanlagen zu fast 100 Prozent.
Solide Gewinne
ERGs Umsatz ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, 2023 lag er bei 741 Millionen Euro. Auch der Nettogewinn hat sich gut entwickelt, im letzten Jahr betrug er 216 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2024 setzte sich das Wachstum fort, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 128 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2024 geht das Management ebenfalls von einer positiven Geschäftsentwicklung aus.
ERG finanziert seine grünen Kraftwerke vor allem mit Fremdkapital, in erster Linie Anleihen. Ende Juni 2024 standen langfristigen Vermögenswerten von 5 Milliarden Euro langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 2,6 Milliarden Euro mit einer durchschnittlichen Jahresverzinsung von 1,5 Prozent gegenüber. Damit ist der Konzern nach Einschätzung von ECOreporter im Branchenvergleich solide finanziert.
Bis 5,0 Prozent Dividendenrendite
Die ERG-Aktie ist seit 1997 an der Börse Mailand notiert, aktuell beträgt die Marktkapitalisierung etwa 3,2 Milliarden Euro. 35 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz. Die Gründerfamilie Garrone hält 63 Prozent der Anteile, das Unternehmen selbst knapp 2 Prozent.
ERG hat seinen Dividenden in den letzten Jahren regelmäßig erhöht. 2023 und 2024 schüttete der Konzern 1 Euro je Aktie aus. In den nächsten Jahren soll die Dividende mindestens 1 Euro betragen, bei guter Geschäftsentwicklung bis zu 1,30 Euro. Die erwartete Dividendenrendite für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 liegt bei hohen 4,9 bzw. 5,0 Prozent.
Der Aktienkurs hat sich von 2012 bis 2022 sehr gut entwickelt, seitdem ist er überwiegend gefallen. Im Jahresvergleich hat er 6 Prozent verloren, auf fünf Jahre gesehen ist er um 18 Prozent gestiegen. Aktuell kostet die Aktie an der Börse Tradegate 21,74 Euro (Schlusskurs 25.10.2024). Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt für 2024 und 2025 jeweils bei moderaten 14.
Welche Aussichten hat die Aktie?
Trotz stark schwankender Strompreise hat ERG in den letzten Jahren durchgehend solide bis gute Ergebnisse erzielt. Die Herausforderungen dürften allerdings hoch bleiben, da die Baukosten und damit die Kaufpreise für neue Wind- und Solarparks spürbar gestiegen sind. Zudem wird ERG künftig höhere Finanzierungskosten stemmen müssen: Nach der Niedrigzinsphase mit sehr geringen Anleihezinsen hat der neueste Green Bond des Unternehmens einen Jahreszins von 4,125 % – einer der Gründe, warum der Börsenkurs zuletzt nachgegeben hat.
ECOreporter schätzt die ERG-Aktie angesichts der robusten Perspektiven des Konzerns auf dem aktuellen Kursniveau als fair bewertet ein. Geduldige Anlegerinnen und Anleger, die kein Problem mit etwas höheren Risiken haben, können mit einer kleinen Position einsteigen.
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ERG S.p.A.: ISIN IT0001157020 / WKN 909581