Wind- und Solarparks haben am vergangenen Wochenende sehr viel Strom produziert. / Foto: Pixabay

  Erneuerbare Energie, Meldungen

Erneuerbare Energien decken deutschen Strombedarf zwischenzeitlich komplett

Wind und Sonne haben am vergangenen Wochenende mehr Strom erzeugt, als in Deutschland benötigt wurde. Noch immer gehen aber Terawattstunden an grünem Strom verloren – wegen Deutschlands Infrastruktur.

Windkraft- und Solaranlagen deckten am vergangenen Sonntag 101 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland ab. Das zeigen Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, die unter anderem vom Norddeutschen Rundfunk ausgewertet wurden. Biomasse und Wasserkraft mit eingerechnet, war der Wert noch höher.

Stromtrassen reichen nicht

Grund war vor allem das stürmische Wetter, das die Stromproduktion aus Windkraft stark antrieb. Tage mit einer derart hohen Stromproduktion aus Solar und Wind sind aber immer noch selten.

Hinzu kommt, dass besonders in Norddeutschland an Tagen mit starkem Wind Windräder weiterhin abgeschaltet werden. Grund ist eine drohende Überlastung des Stromnetzes: Die deutschen Stromtrassen sind nicht darauf ausgelegt, große Mengen erneuerbarer Energien von den Küsten etwa zu Fabriken im Süden des Landes zu befördern.

Allein 2024 konnten die Windparks vor Deutschlands Küsten 4,6 Terawattstunden Strom nicht erzeugen, wie der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) mitteilt. Das wäre theoretisch genug Strom gewesen, um etwa 1,2 Millionen Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Der BWO fordert daher – genauso wie andere Experten – den Bau neuer Stromleitungen. Ein Netzausbau und die Möglichkeit, mehr grünen Strom aufzunehmen, würden gerade für Unternehmen günstigere Strompreise ermöglichen. An Tagen mit viel Sonne und Wind erhalten Großkunden aktuell sogar Geld, wenn sie Strom beziehen.

Eine andere Möglichkeit sind Energiespeicher, die geladen werden können, wenn Überkapazitäten existieren. Diese können nachts genutzt werden oder wenn Wind und Solar in sogenannten Dunkelflauten längere Zeit wenig Strom produzieren. Auch die Zahl an Speichern muss aber noch deutlich ausgebaut werden – aktuell ein Wachstumsgeschäft.

Grüner Wasserstoff statt Erdgas

Eine weitere Möglichkeit, um in Dunkelflauten klimafreundlichen Ausgleich zu schaffen, ist grüner Wasserstoff. Denn wenn Wind und Sonne nicht genug Strom produzieren und Speicher leer sind, müssen Gaskraftwerke einspringen.

Diese laufen allerdings aktuell mit klimafeindlichem Erdgas. Idealerweise sollen künftig nur noch Kraftwerke gebaut werden, die auch mit grünem Wasserstoff laufen können. Dieser wird durch den Einsatz von erneuerbarem Strom durch die Aufspaltung von Wasser hergestellt. Aktuell ist nachhaltig produzierter Wasserstoff allerdings noch sehr teuer und noch nicht im Kraftwerks-Dauerbetrieb erprobt.

Lesen Sie auch die zweiteiligen ECOreporter-Übersichten zu Windaktien und zu Halbleiter-Aktien.

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