Infineon ist nach eigener Aussage ein Durchbruch in der Wafer-Produktion gelungen. / Foto: Infineon

  Nachhaltige Aktien

Infineon stellt weltweit dünnsten Wafer her – mehr Effizienz für KI-Rechenzentren

Der bayrische Chiphersteller Infineon hat nach eigenen Angaben eine neue Schleiftechnik entwickelt, mit der für Mikrochips benötigte Wafer-Scheiben aus Silizium deutlich dünner werden als bislang möglich. Das Unternehmen aus Neubiberg bei München will so vor allem Rechenzentren helfen, bei Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) Strom zu sparen.

Wafer sind dünne Scheiben aus Silizium. Auf diesen sitzen Schaltelemente, die dann den eigentlichen Mikrochip bilden. Je dünner ein Chip ist, desto effizienter kann er arbeiten. Infineon ist es nach eigenen Angaben nun gelungen, einen Wafer mit einer Dicke von 20 Mikrometern herzustellen – das entspricht einem Viertel der Dicke eines menschlichen Haares und einer Halbierung im Vergleich zu den bisher dünnsten Wafern.

Fokus auf dem KI-Geschäft

In der Stromversorgung von Rechenzentren, in der Motorsteuerung und bei Computing-Anwendungen führen Chips auf der Basis dieses neuen Wafers laut Infineon zu deutlich geringeren Leistungsverlusten. Verglichen mit konventionellen Silizium-Wafern mit 40 bis 60 Mikrometern Dicke könnten die Leistungsverluste um mehr als 15 Prozent reduziert werden.

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Die neue Technologie sei bereits bei Kunden qualifiziert worden, so das Unternehmen. In den nächsten drei bis vier Jahren solle der 20-Mikrometer-Prozess die aktuellen Silizium-Wafer für Niedervolt-Stromversorgungen ersetzen. Die Herstellung könne in die aktuelle Fertigung integriert werden und mache keine zusätzlichen Investitionen in die Produktion nötig, so Infineon.

Im Fokus steht vor allem der hohe Energiebedarf von Rechenzentren, die auf KI setzen. "Da der Energiebedarf für KI-Rechenzentren rapide ansteigt, gewinnt Energieeffizienz immer mehr an Bedeutung", sagt Adam White, Leiter der Sparte Power & Sensor Systems bei Infineon. "Wir erwarten, dass unser KI-Geschäft in den kommenden zwei Jahren ein Volumen von 1 Milliarde Euro erreichen wird."

Die Infineon-Aktie ist im Xetra-Handel aktuell 0,4 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 31,11 Euro (Stand: 29.10.2024, 11:18 Uhr). Auf Monatssicht hat die Aktie 1,4 Prozent zugelegt, im Jahresvergleich ist der Kurs um 14,2 Prozent gestiegen.

Jahreszahlen im November

Infineon hat sein Geschäftsjahr 2023/24 Ende September abgeschlossen, allerdings noch keine Zahlen dafür vorgelegt. Nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal hatte der Konzern Anfang August angekündigt, 1.400 Stellen zu streichen und Jobs in Billiglohnländer zu verlagern. Zudem sollen andere, bereits länger angekündigte Sparmaßnahmen weiterhin wie geplant durchgeführt werden. Infineon leidet gerade im für das Unternehmen wichtigen Automobilsektor unter einer gesunkenen Nachfrage.

ECOreporter sieht dennoch weiter Potenzial für die Aktie. Im Geschäftsjahr 2022/23 hatte Infineon einen Rekordgewinn erzielt, und der Konzern erreicht noch immer solide Margen. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für das nun gestartete Geschäftsjahr 2024/25 ist die Aktie nicht günstig, aber noch vertretbar bewertet.

Ein Risiko bleibt die Abhängigkeit Infineons vom chinesischen Markt. Der Konzern erzielt ungefähr ein Drittel seines Umsatzes in China, und die chinesische Regierung drängt einheimische Unternehmen dazu, künftig möglichst viele Halbleiter selbst zu fertigen – auch im Automobilbereich.

Die Infineon-Aktie ist damit nach Einschätzung der Redaktion keine Option für vorsichtige Anlegerinnen und Anleger. Risikofreudigere Investoren mit langem Anlagehorizont können weiterhin mit einer kleinen Position einsteigen, müssen aber Kursschwankungen verkraften können. Auf fünf Jahre gesehen hat die Aktie 72 Prozent an Wert gewonnen.

Infineon Technologies AG: ISIN DE0006231004 / WKN 623100

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